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Neue Partei in ItalienEin prominenter Senator will Italien aus der EU führen

Trotz Milliarden aus Brüssel will Gianluigi Paragone den Italexit – und gründet dafür eine neue Partei.

Sein Programm lässt sich in die griffige Formel Italexit fassen: Gianluigi Paragone.
Sein Programm lässt sich in die griffige Formel Italexit fassen: Gianluigi Paragone.
Foto: Reuters 

Der Name ist ein Rätsel, auch das Symbol der neuen Partei behält Gianluigi Paragone für sich – einen Tag noch, am Donnerstag will er sie vorstellen. «Die Gerüchte haben einzig als Werbetrommel gedient», sagte er in einem Interview, er brauche schliesslich Geld. Sicher ist bisher nur die Ausrichtung, sie lässt sich in eine griffige Formel fassen, die so gar nicht in die Zeit zu passen scheint: Italexit.

Der Norditaliener Paragone, 48 Jahre alt, früher Journalist und nun Senator der Republik, will eine Partei gründen, die den Austritt Italiens aus dem Euro und der Europäischen Union fordert. Am Wochenende traf er sich mit Nigel Farage, dem Urinitianten des Brexit, er hält ihn für eine Inspiration. «La Repubblica» fragte Paragone, ob er denn denke, dass das Timing für den Start seines Abenteuers mit seiner «Null-Komma-irgendwas-Prozent-Partei» gut gewählt sei, nachdem die EU in ihrem Wiederaufbaufonds gerade sehr viel Geld für Italien beschlossen habe – 209 Milliarden insgesamt und davon 82 Milliarden als Zuschüsse.

«Keinen Cent für die Bürger»

«Denken Sie wirklich, dass das Geld an die Italiener geht?», fragte Paragone zurück und behauptete, die Banken würden es bekommen. «Die Bürger werden davon keinen Cent sehen.» Europa sei eine einzige Täuschung, es sei Zeit für einen Kurswechsel. Seine Partei werde dann die einzige im Land sein, die tatsächlich mit der Union brechen wolle – souveränistischer noch als die Lega von Matteo Salvini und die postfaschistischen Fratelli d’Italia von Giorgia Meloni.

Wie gross das Wählerpotenzial von Paragones Partei sein wird, ist nicht absehbar. Zunächst nicht sehr gross, er ist allein. Und wahrscheinlich sind die meisten Italiener recht zufrieden damit, wie die EU in dieser Phase der Pandemie mit jenen Ländern umgeht, die Hilfe besonders nötig haben.

Eigentlich ein perfekter Partner für Salvini

Ausserdem fragt sich, warum Paragone überhaupt eine eigene Partei gründet, eigentlich passt er perfekt zur Lega. Die Europäische Union beschreibt er mit denselben Worten wie Salvini, über die Immigration schrieb er einmal ein Buch, der Titel: «Die Invasion». Früher, vor seiner Karriere als Fernsehjournalist und Moderator mit Sinn für politische Provokationen bei der staatlichen Sendeanstalt RAI, war Paragone mal Chefredaktor von «La Padania», der mittlerweile eingegangenen Parteizeitung der damaligen Lega Nord. Auch Salvini arbeitete da, er machte Radio.

Gewählt wurde Paragone 2018 aber auf einer Liste der Cinque Stelle in der Lombardei. Wie er dort gelandet war, wurde nie ganz klar. Ständig stritt er sich mit seinen Kollegen der Protestbewegung, jedes Parlamentsgeschäft gab Anlass für ein Scharmützel.

Wunderliches Timing

Als dann im vergangenen Sommer Giuseppe Contes Regierung mit der Lega auseinanderfiel und die Cinque Stelle stattdessen ein Bündnis mit den Sozialdemokraten eingingen, enthielt sich Paragone der Stimme. Vor einem halben Jahr trat er aus der Fraktion aus. Die meisten Analysten des italienischen Politbetriebs waren überzeugt, dass er sofort zur Lega wechseln würde.

Doch Paragone trat dem Gruppo Misto bei, der sogenannt Gemischten Gruppe im Parlament. Dort finden sich alle Fraktionslosen und Parteiabgänger zusammen, ideologisch munter durcheinandergewürfelt. Da hat man auch viel Zeit, um sich neue Abenteuer auszudenken, mit wunderlichem Timing.

38 Kommentare
    Cardinaux Edouard

    Gute Nachrichten. Alles was dazu führt diese unsinnige Union aufzulösen ist zu unterstützen. Mehr als einen gemeinsamen Wirtschaftsraum braucht niemand.