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FC ZürichEin Punkt und viel Mut

Das Team von Ludovic Magnin kommt auf Kunstrasen bei Neuchâtel Xamax nicht über ein 1:1 hinaus. Die Jungen geben aber Anlass zu Hoffnung.

FCZ-Offensivmann Benjamin Kololli (im Duell mit Mike Gomes): Diesmal nicht Torschütze, sondern Vorbereiter. 
FCZ-Offensivmann Benjamin Kololli (im Duell mit Mike Gomes): Diesmal nicht Torschütze, sondern Vorbereiter. 
Foto: Urs Lindt/freshfocus

Man kann Ludovic Magnin nicht vorwerfen, dass er seinen Kadermitgliedern nicht vertrauen würde. Einen weiteren Beweis dafür lieferte der FCZ-Trainer in Neuenburg mit seinem Doppelwechsel nach 62 Minuten: Simon Sohm und Blaz Kramer verliessen den Platz, ersetzt wurden sie durch Stephan Seiler und Henri Koide. Zwei 19-Jährige mit einer kumulierten Super-League-Erfahrung von 74 Minuten. «Sie bekommen die Nomination nicht geschenkt, sie haben sie sich verdient», lobte der Trainer.

1:1 stand es da, fünf Zürcher auf dem Feld waren nun also 21 oder jünger. Vier Minuten später hätte sich Magnins Mut fast ausgezahlt: Koide, der Junioren-Nationalspieler zog links auf und davon, und spielte den Ball mustergültig auf Adrian Winter, der aus bester Position an Goalie Laurent Walthert scheiterte. Später legte er im Stile eines Routiniers auf Toni Domgjoni ab, dessen Distanzschuss knapp am Tor vorbeiging, und er hätte mit seiner Schnelligkeit noch fast einen Penalty gegen Routinier André Neitzke herausgeholt. «Ich hätte ihm ein Tor gewünscht, er hat sehr viel gemacht und ist enorm lernwillig», so Magnin.

«Mit dem Punkt bin ich zufrieden. Auf Kunstrasen ist es für uns im Moment sehr schwierig.»

Ludovic Magnin

In den Schlussminuten erinnerte die Partie an ein Cupspiel, mit leichtem Plus jetzt für Xamax. Die Neuenburger hatten Chancen, monierten einen Handspenalty. Sechs Minuten Nachspielzeit waren signalisiert, auch weil Anfang der zweiten Halbzeit Schiedsrichter Bieri durch den vierten Unparteiischen Dudic hatte ersetzt werden müssen, nachdem er Oberschenkelprobleme angedeutet hatte.

Allen Beteiligten wird bei der aktuellen Kadenz mit Spielen im Dreitages-Rhythmus viel abverlangt, und so lebte das Spiel jetzt vor allem von abrupten Richtungswechseln, die taktischen Zuordnungen stimmten nicht mehr. Die Einheimischen kamen nach einem Hands von Toni Domgjoni zu einem Freistoss aus sechzehneinhalb Metern – es war ein «kleiner Penalty». Der Ball von Raphael Nuzzolo landete aber in der Mauer. Kurz darauf pfiff Dudic ab. «Mit dem Punkt bin ich zufrieden», erklärte Magnin, «auf Kunstrasen ist es für uns im Moment sehr schwierig.»

Henchoz soll es richten

Gross waren die Hoffnungen der Neuenburger vor Spielbeginn gewesen. «Stéphane Henchoz» verkündete der Stadionspeaker mit lang gezogenen Silben, und der schon fast enthusiastische Applaus verriet, wie viel die Neuenburger vom Nachfolger von Joël Magnin erwarten. Schliesslich war er auch dessen Vorgänger gewesen, und hatte die Xamaxiens im Vorjahr aus schwieriger Position – der Rückstand auf GC betrug bei seinem Amtsantritt vier Punkte – in die Barrage und anschliessend zum Klassenerhalt geführt.

Zurück bei Xamax an der Seitenlinie: Stéphane Henchoz.
Zurück bei Xamax an der Seitenlinie: Stéphane Henchoz.
Foto: Urs Lindt/freshfocus

Dass die Mission erneuter Ligaerhalt nicht aussichtslos ist, zeigten seine Spieler mit einigen schönen Stafetten. So auch beim einzigen Tor: Igor Djuric spielte weit aus der eigenen Hälfte einen Pass in die Tiefe, den Nathan und Kevin Rüegg nicht richtig einschätzten. Via Samir Ramizi und Janick Kamber kam der Ball zu Topskorer Nuzzolo, der seinen Instinkt einmal mehr bewies. Es war bereits der elfte Saisontreffer für die Xamax-Lebensversicherung, und damit ein guter Ertrag für die Einheimischen. Die Freude war von kurzer Dauer: Fünf Minuten später traf Nathan per Hechtkopfball nach Corner von Benjamin Kololli.

Es war ein logischer Assist. Fast jede Aktion lief über den Kosovaren, Standards ohnehin. Er hat nun in den letzten fünf Partien sieben Skorerpunkte erzielt, sein Selbstvertrauen ist riesig. Dass mit Antonio Marchesano (gesperrt), dem erkrankten Marco Schönbächler und den verletzten Aiyegun Tosin sowie Mimoun Mahi ein respektabler Teil der Offensive fehlte, fiel nicht sonderlich ins Gewicht.

Telegramm:

Neuchâtel Xamax – Zürich 1:1 (1:1)

1000 Zuschauer. – SR Bieri (51. Dudic). – Tore: 23. Nuzzolo (Kamber) 1:0. 27. Nathan (Kololli) 1:1.

Xamax: Walthert; Seydoux, Gomes, Neitzke, Djuric, Kamber; Tafer (46. Mveng), Kouassi, Ramizi; Seferi (70. Haile-Selassie), Nuzzolo.

Zürich: Brecher; Nathan, Hekuran Kryeziu, Omeragic; Rüegg, Domgjoni, Sohm (62. Seiler), Kempter; Winter; Kololli (95. Mirlind Kryeziu), Kramer (62. Koide).

Bemerkungen: Xamax ohne Araz, Corbaz (beide gesperrt), Doudin, Oss (beide verletzt), Djourou (geschont für Thun). Zürich ohne Marchesano, Pa Modou (beide gesperrt), Tosin, Mahi und Sauter (alle verletzt), Schönbächler und Janjicic (beide krank). 51. Schiedsrichter Bieri lässt sich durch Dudic (4. Offizieller) ersetzen (Muskelverletzung). Verwarnungen: 31. Kempter (Foul). 79. Mveng (Foul). 85. Kouassi (Reklamieren/im nächsten Spiel gesperrt).

Rangliste:

1. St. Gallen 28/57. 2. Young Boys 28/55. 3. Basel 28/49. 4. Zürich 29/42. 5. Servette 28/41. 6. Luzern 28/41. 7. Lugano 28/33. 8. Thun 28/25. 9. Sion 28/24. 10. Neuchâtel Xamax FCS 29/23.