Zum Hauptinhalt springen

Film-Highlights der WocheEin Richter deckt seinen Sohn

In der Serie «Your Honor» versucht ein Richter, einen Unfalltod zu vertuschen. Dazu haben wir weitere aktuelle Streaming-Tipps.

Bryan Cranston in «Your Honor».
Bryan Cranston in «Your Honor».
Foto: Sky

Your Honor

Thrillerserie von Peter Moffat, USA 2020, zehn Folgen.

Ein neuer Job für Walter White! Oder besser für Bryan Cranston, bekannt geworden mit «Breaking Bad», wo er einen Hochschul-Chemielehrer mit Sinn fürs Kriminelle spielte. In der Miniserie «Your Honor» übernimmt er nun eine ganz andere Rolle, nämlich die eines Richters in New Orleans. Dieser Michael Desiato darf sich ein Freund der kleinen Menschen und Verbrecher nennen, aber auch er lässt so ziemlich jedes moralische Prinzip hinter sich, als sein Teenager-Sohn den Spross eines berüchtigten Mafiabosses (Michael Stuhlbarg) anfährt und tötet. Es folgen Schuld und Tragik, aber wirklich interessant sind die Fragen rund um Rassismus und Gentrifizierung, die immer wieder in diesen New-Orleans-Krimi hineinspielen. (blu)

Ab Mo 18.1. auf Sky

Pieces of a Woman

Drama von Kornél Mundruczó, USA 2020, 128 Min.

Zu Beginn gibt es dieses eine dramatische Ereignis; die Szene dauert 23 Minuten, ungeschnitten, und umfasst Momente höchsten Glücks sowie heftiger Trauer. Es ist eine Tour de Force für die Hauptdarstellerin Vanessa Kirby (die junge Prinzessin Anne aus «The Crown), aber auch fürs Publikum. Das ist das Problem von «Pieces of a Woman», diese Szene überstrahlt die nachfolgenden 100 Minuten, in denen die Hauptfigur und ihre Liebsten mit dem Schock umgehen müssen. Inszeniert hat das Familiendrama der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó, der 2014 in «White God» eine Hundemeute die Stadt Budapest überfallen liess. In seinem ersten amerikanischen Film, den er zusammen mit seiner Partnerin Kata Wéber schrieb, geht es im Hauptteil eher um Zwischentöne, um Trauer, Schuld und Verzeihung. Wegen der Wucht des Anfangs kann man dabei leicht übersehen, wie gut Vanessa Kirby und alle anderen – ja, auch Shia LaBeouf als ihr überforderter Ehemann – auch später darin sind. (ml)

The Stand

Horrorserie von Josh Boone und Benjamin Cavell, USA 2020, neun Folgen.

Es ist wirklich nur ein Zufall, dass die Serie gerade jetzt läuft: Die Dreharbeiten zu «The Stand» hatten schon längst angefangen, als die Corona-Pandemie ausbrach. In der Stephen-King-Adaption löscht eine Killergrippe fast die gesamte Menschheit aus; eine Strafe von Gott. Danach formieren sich die wenigen Überlebenden zu zwei Gruppen: in Boulder, Colorado die guten Jesusanhänger, in Las Vegas die bösen Teufelsanbeter. Wer setzt sich in dieser neuen Welt durch?

Kings Geschichte von 1978 erlebte mehrere Neuauflagen. 1990 veröffentlichte der Autor eine längere, überarbeitete Buchfassung, 1994 gabs eine erste Verfilmung als Miniserie fürs Fernsehen. Und nun das TV-Remake, das dank Corona unerwartet eine bedrückende Aktualität erhält. Wobei schon auffällt, dass die Miniserie zum grössten Teil vor Covid entstand: Hier benutzt kaum jemand Hygienemasken oder Desinfektionsmittel. Aber dass das fiktive Virus aus einem Regierungslabor stammt, spiegelt leider gegenwärtige Verschwörungstheorien wieder.

Die Serie folgt weitgehend der Romanhandlung, erzählt sie allerdings nicht der Reihe nach, sondern springt munter in der Zeit hin und her; das sorgt für etwas frischen Wind. Dazu hat Stephen King selbst ein neues Ende geschrieben. Im Finale der Vorlage zündet Gott persönlich eine Atombombe, um den Bösewicht in die Luft zu jagen. Ob die Szene auch in der Serie drin ist? (ggs)

Auf Sky

Lockdown Collection: 2nd Wave

Als im März der Shutdown kam, drehten Filmerinnen und Filmer aus der Schweiz Kurzfilme über die Corona-Krise. Jetzt in der zweiten Welle gibts die Fortsetzung mit neuen Beiträgen. Darunter die Kurzdoku «Zum Coiffeur» von Bettina Oberli («Die Herbstzeitlosen»). Sie zeigt den Arbeitsalltag einer Coiffeuse in einem Altersheim. (ggs)

Auf Play Suisse

Alltag im Altersheim: «Zum Coiffeur».
Alltag im Altersheim: «Zum Coiffeur».
Foto: SRF

Solothurner Filmtage

Die 56. Ausgabe der Solothurner Filmtage startet am Mittwoch, 20. Januar, und zwar gleichzeitig im Schweizer Fernsehen und im Internet. Gezeigt wird «Atlas». Das Tessiner Drama dreht sich um eine Frau (Matilda De Angelis), die sich nach einem Terroranschlag mehr und mehr zurückzieht. Da lernt sie einen Flüchtling (Helmi Dridi) aus dem Nahen Osten kennen. (ggs)

Mi 20.1. bis Mi 27.1., Solothurnerfilmtage.ch

Eine Hobbykletterin kämpft mit einem Trauma in «Atlas».
Eine Hobbykletterin kämpft mit einem Trauma in «Atlas».
Foto: Imagofilm

Aarauer Naturfilmtage

Auch das Filmfestival des Naturama-Museums wandert erstmals ins Internet ab. An der 19. Ausgabe läuft zum Beispiel «66 Meter». Die Doku geht der Frage nach, wie sich mit dem Klimawandel weltweit die Küsten verändern werden – ganz zu schweigen von den Inseln, die gleich ganz im Meer versinken. (ggs)

Sa 16./So 17.1., Naturama.ch

Wie hoch werden die Meeresspiegel steigen? Darum gehts in der Doku «66 Meter».
Wie hoch werden die Meeresspiegel steigen? Darum gehts in der Doku «66 Meter».
Foto: Naturvision

Only God Forgives

Thriller von Nicolas Winding Refn, Dä/F 2013, 90 Min.

Julian (Ryan Gosling) führt in Thailand einen Boxclub, in dem auch Drogen gehandelt werden. Nach der Ermordung seines Bruders verlangt die monströse Mutter (Kristin Scott Thomas) nach Rache. Doch Julian stellt sich ein mächtiger Polizeibeamter (Vithaya Pansringarm) in den Weg, der Leuten mit Vorliebe die Hände abhackt. Regisseur Nicolas Winding Refn und Hauptdarsteller Ryan Gosling arbeiteten schon beim Neo-Noir «Drive» zusammen. «Only God Forgives» ist noch brutaler in den Gewaltszenen, noch reduzierter im Erzählen, noch berauschender in den Farben. (ggs)

Auf Cinefile

Nuestras Madres

Drama von César Díaz, GT / B / F 2019, 77 Min.

Fingerknochen, Rippen, ein Schädel: Im forensischen Institut von Guatemala-Stadt wird ein Skelett zusammengesetzt. Es stammt aus einem Massengrab, ein Überbleibsel aus dem guatemaltekischen Bürgerkrieg (1960–1996). Damit beginnt der Debütfilm von Regisseur César Díaz. Er erzählt in nüchternen, aber starken Bildern von einem jungen Forensiker (Armando Espitia), der Tote zu identifizieren versucht. Eines Tages berichtet ihm eine alte Frau (Aurelia Caal) von einer Massenhinrichtung in ihrem Bergdorf. Sie hat ein Foto der damals ermordeten Männer bei sich, und der Forensiker glaubt, darauf seinen eigenen verschollenen Vater zu erkennen. «Nein, er ist es nicht», meint zwar die Mutter (Emma Dib), aber der junge Mann lässt nicht locker. (ggs)

Auf Filmingo

Cognition

Science-Fiction-Kurzfilm von Ravi Ajit Chopra, GB 2020, 27 Min.

Die Battersea Power Station ist ein ehemaliges Kohlekraftwerk in London, das wegen seiner auffälligen Architektur oft in Filmen oder auf Plattencovern zu sehen war – am prominentesten auf Pink Floyds Album «Animals». Inzwischen ist das Kraftwerk zu einem Event-Center umgebaut worden, aber vorher entstand dort noch der Science-Fiction-Kurzfilm «Cognition»: Als Kind wurde Abner (Jeremy Irvine) von einem bösen intergalaktischen Imperium entführt und per Gehirnwäsche zu einem Agenten herangezogen. Doch während einer Mission gewinnt er sein Gedächtnis zurück. (ggs)

Auf iTunes