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Riesige Nachfrage nach TrooiaEin Schweizer ermöglicht «vollständig anonymes» Goo­geln

Christoph Cronimund hat ein Tool namens Trooia entwickelt, das weiter geht als der Inkognitomodus der Suchmaschine. Es sei wichtig, dass man unter «dem Radar von Google fliege», so der Zürcher.

Dem Internetkonzern Google will Christoph Cronimund ein Schnippchen schlagen und Suchergebnisse anonym ausliefern.
Dem Internetkonzern Google will Christoph Cronimund ein Schnippchen schlagen und Suchergebnisse anonym ausliefern.
Foto: Keystone

Angefangen hat es vergangenes Jahr als Hobbyprojekt. Der Zürcher Christoph Cronimund, der im Suchmaschinenmarketing tätig ist, fand die Suchergebnisse bei Google zu überladen. Also begann er, für sich die Suchresultate etwas übersichtlicher zu gestalten. Als das gelang, fiel ihm auf, dass ihn auch die Werbung störte. Also filterte er sie heraus. «Erst jetzt wurde mir bewusst, dass der Hauptvorteil des ganzen Projekts darin bestand, dass das vollkommen anonym ist», sagt Cronimund. Das Projekt «Trooia» war geboren. Mit seiner selbst erstellten Suchmaske konnte er fortan anonym Google nutzen.

Allerdings war die Webseite zunächst nur für ihn, Freunde und Familie gedacht – nach einem ersten Zeitungsartikel über Trooia Anfang Februar änderte sich das schnell. Die Resonanz darauf war riesig, aber seine Seite war nicht ausgelegt auf derart viele Suchanfragen. Er musste sie erst mal vom Netz nehmen.

Wie viele Anfragen es waren, kann Cronimund nicht sagen, er trackt seine Nutzer nicht. «Die Woche danach habe ich über Tausend Mails beantwortet», sagt er. «Es scheint, als ob ich mit meinem Projekt einen Nerv getroffen habe. Vielen Menschen ist Datenschutz offenbar wichtig, und manche fühlen sicher auch eine Ohnmacht gegenüber Monopolisten wie Google».

Alternativen wie DuckDuckGo findet Cronimund lauwarm.

Google ist mit Abstand die weltweit meistgenutzte Suchmaschine. Mehr als 91 Prozent aller Suchanfragen werden ihr gestellt, die restlichen paar Prozentpunkte teilen sich Bing, Yahoo, Yandex und Baidu untereinander auf. Cronimund selbst sieht bei der Qualität der Suchergebnisse auch keine Alternative zu Google und ihm sei auch klar, dass eine Suchmaschine Werbung schalte, wenn sie gratis genutzt werden könne. «Aber vor einigen Jahren war Werbung auf Google noch nicht so dominant. Mittlerweile muss man schon fast scrollen, um zu den unbezahlten Einträgen zu kommen.»

Wer Trooia nutzen will, muss sich auf der Webseite von Cronimund registrieren.
Wer Trooia nutzen will, muss sich auf der Webseite von Cronimund registrieren.
Foto: Screenshot

Zwar hat Cronimund auch alternative Suchmaschinen wie DuckDuckGo und Startpage ausprobiert, die sich Datenschutz und Datensparsamkeit auf die Fahnen geschrieben haben. Aber er findet sie «lauwarm»: «Beide schalten oben auf der Seite Werbung, entweder von Microsoft Bing oder Google.» So werde man auch hier getrackt, sobald man auf Werbung klicke.

Google sieht es nicht gerne, dass automatisiert auf die Suche zugegriffen wird und blockt Maschinen.

Cronimund will Trooia daher weiterführen, derzeit arbeitet er daran, die technischen Systeme so anzupassen, dass sie mit einem breiten Interesse klarkommen. Für die Menschen, die wissen wollen, wie es damit weitergeht, schreibt er einen Newsletter. Der hat mittlerweile ein paar Tausend Abonnenten. Sie gehören auch zu denen, die das neue System testen können, wenn es wieder stabil läuft.

Doch wie funktioniert Trooia nun? Die Suchanfragen, die der Nutzer bei Trooia eingibt, werden Google übermittelt. Die Ergebnisse werden wiederum «gescrapt», also abgegriffen. Das ist legal, weil die Suchresultate von Google keinem Copyright unterliegen und sie auch keine personenbezogenen Daten gemäss der EU-Datenschutz-Grundverordnung sind.



Allerdings sieht es Google nicht gerne, dass automatisiert auf die Suche zugegriffen wird und blockt Maschinen. Wie der Konzern dabei genau vorgeht, verrät er nicht. Denn niemand solle die Möglichkeit haben, mithilfe dieser Informationen die Systeme zu manipulieren, teilt Google mit.

Cronimund wiederum versucht das Sperren zu umgehen, indem er beispielsweise einen Proxypool mietet, also einen Dienst, der Anfragen auf eine grosse Anzahl von Computern verteilt, die verschiedene IP-Adressen haben. «Man muss immer unterm Radar von Google fliegen», sagt Cronimund.

Die Kosten, die dafür anfallen, zahlt Cronimund selbst, allerdings gab es aus seiner Newsletter-Community schon Anfragen, ob man seinen Dienst finanziell unterstützen könne. Eine Lösung für dieses Problem möchte der Schweizer mit seiner Community finden, aber auch erst, wenn die Technik, die hinter Trooia steht, auch wirklich rund läuft. Wie sie aussehen könnte, weiss er noch nicht. «Die Nutzer geben mir viel Feedback und sie haben Ideen, auf die ich nicht gekommen bin.» Aber auf keinen Fall soll man aber ein Nutzerprofil anlegen müssen, sein Dienst, das ist ihm wichtig, soll vollkommen anonym sein.

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37 Kommentare
    Gerhard Mersmann

    Lieber Herr Cronimund

    Was machen Sie, wenn Google sein Radar anpasst?

    Dem Datenkraken mit den vielen Spezialisten fällt wohl immer etwas Schlaues ein, um trooia zu behindern, ins Leere laufen zu lassen oder zu stoppen. - trooia ist die Maus und Google die Katze.