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Elon Musks RaumfahrtmissionEin Turbo für Spacex

Die kalifornische Raumfahrt­firma will ihre Erfolge in Geld ummünzen und damit das Raumschiff Starship weiterentwickeln.

Mit dem Raumschiff Starship will Musk Flüge zu Mond und Mars verwirklichen. Hier steht ein Prototyp bei Spacex in Texas, USA.
Mit dem Raumschiff Starship will Musk Flüge zu Mond und Mars verwirklichen. Hier steht ein Prototyp bei Spacex in Texas, USA.
Foto: Loren Elliott (Getty Images)

Das kalifornische Raumfahrtunternehmen Spacex hat gerade einen Lauf: Ende Mai hat die Firma von Elon Musk als erstes Privatunternehmen zwei Nasa-Astronauten zur Raumstation ISS befördert, die voraussichtlich am 2. August wieder mit der Crew-Dragon-Kapsel zurückkehren. Ende September soll dann in Florida der erste reguläre private ISS-Transport mit vier Astronauten abheben, weitere sollen folgen. Und beim Start eines südkoreanischen Militärsatelliten Anfang der Woche ist es Spacex erstmals gelungen, nicht nur die erste Stufe ihrer Rakete Falcon 9 zu landen, sondern auch beide Hälften der Verkleidung der Nutzlast mit Netzen aus dem Atlantik zu bergen. Dies ist wichtig, um möglichst viele Raketenteile wieder verwenden zu können, und spart dem Unternehmen Millionen Dollar.

Angesichts solcher Erfolge gibt es kaum einen günstigeren Zeitpunkt für Spacex, wieder einmal um Geldgeber zu werben. Börsenspekulationen gab es schon öfter, zuletzt hatte Spacex-Präsidentin Gwynne Shotwell im Februar bei einem Investorentreffen einen Gang des Internet-Satellitennetzwerks Starlink ins Gespräch gebracht. «Im Moment sind wir ein Privatunternehmen, aber Starlink ist die richtige Art von Unternehmen, die wir an die Börse bringen können», so hatte die Agentur Bloomberg Shotwell zitiert.

Eines der wertvollsten US-Unternehmen

Damals war Spacex mit etwa 33 Milliarden Dollar bewertet worden, nun bezieht sich Bloomberg auf Insider und meldet eine anstehende Finanzierungsrunde über eine Milliarde Dollar. Bei einem Anteilspreis von 270 Dollar werde ein Firmenwert von 44 Milliarden Dollar zugrunde gelegt. Zum Vergleich: Der Airbus-Konzern wird derzeit mit etwa 58 Milliarden Dollar bewertet. Einem Report von Morgan Stanley zufolge habe Spacex bisher etwa 3,5 Milliarden Dollar eingesammelt und könnte gar bis zu 175 Milliarden Dollar wert sein. Zu den Investoren von Spacex gehören demnach Peter Thiel, Google, Fidelity, Baillie Gifford und Valor Equity Partners. Das Unternehmen zähle wohl zu den wertvollsten Firmen in den USA, die mit Wagniskapital finanziert werden.

Laut dem Nachrichtensender CNBC, dem Dokumente zu der neuen Finanzierungsrunde vorliegen, will Spacex mit dem Geld ihr Internet-Satellitensystem Starlink weiter ausbauen und in Betrieb nehmen sowie ihre neue Schwerlastrakete Starship weiterentwickeln. Für Starlink hat Spacex bereits rund 550 Satelliten in die Erdumlaufbahn geschossen, Tausende sind geplant, um einen globalen Breitbanddienst anbieten zu können. Spacex ist gerade dabei, erste Betakunden zu werben. Und mit dem Starship will Musk letztlich Flüge zu Mond und Mars verwirklichen.

«Elon Musk hat sich bereits einen Vertrauensvorsprung verschafft, dass er Menschen erfolgreich ins All bringen kann.»

Rainer Horn, Unternehmensberater Spacetec Partners

Der Münchner Unternehmensberater Rainer Horn von Spacetec Partners verweist auf die Rivalität zwischen Elon Musk und Amazon-Gründer Jeff Bezos, der seinerseits mit seiner Firma Blue Origin Mondpläne verfolgt und für die Nasa mit drei anderen US-Firmen eine Mondfähre entwickelt, aber auch ein Breitbandsatellitennetz aufbauen will. «Elon Musk hat sich da bereits einen Vertrauensvorsprung verschafft, dass er Menschen erfolgreich ins All bringen kann», sagt Horn. «Diesen Turbo wird er jetzt zünden wollen» – sprich: in klingende Münze verwandeln. Zumal er nicht das Geld habe, die Starlink-Konstellation komplett selbst zu finanzieren. «Das sind Milliardeninvestitionen, die nicht quersubventioniert werden.» Andererseits müsse er an seiner Riesenrakete Starship arbeiten, «da erwartet er auch Zuschüsse aus dem Nasa-Budget».

Ein Wettrennen hat Musk aber schon gewonnen: Auch der Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing hat eine Kapsel gebaut, um Astronauten zur ISS zu bringen. Ein Testflug war im Dezember gescheitert, ein weiterer ist bis Jahresende geplant – allerdings noch ohne Besatzung. Und unbemannte Frachttransporte fliegt Spacex bereits seit acht Jahren für die Nasa zur ISS – bisher insgesamt rund 20.