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Kritk zu Netflix-ActionfilmEin V-Neck-Shirt und Muskeln

Chris Hemsworth spielt in «Tyler Rake: Extraction» einen Söldner, der in Bangladesh einen entführten Schüler befreien muss.

Der Söldner Tylor Rake (Chris Hemsworth) hilft dem Sohn eines Drogenbosses: Szene aus «Tyler Rake: Extraction».
Der Söldner Tylor Rake (Chris Hemsworth) hilft dem Sohn eines Drogenbosses: Szene aus «Tyler Rake: Extraction».

Es gibt sicher unauffälligere Kämpfer als Tyler Rake: Undercut, verschwitztes V-Neck-Shirt, überall Muskeln und ein Blick voll Schmerz: Der Australier Chris Hemsworth hat ja immer etwas Übermenschliches an sich, ihn muss man gar nicht unbedingt als Superheld Thor besetzen. Jetzt zum Beispiel spielt er eben Tyler Rake, jenen Typ Söldner, der die Aufträge annimmt, die alle anderen ablehnen.

Er sehnt sich insgeheim nach dem Tod, jedenfalls trägt Rake schwer an einem persönlichen Trauma. In Dhaka, Bangladesh, muss er den entführten Sohn eines Drogenbosses in Sicherheit bringen. Den jungen Ovi findet er rasch, dabei tappt er aber in eine Falle, und nun flüchten die beiden vor wechselnden Häschern – wobei die Brücke, die sie am Ende überqueren müssen, laut Drehbuchautor Joe Russo eine «Metapher für die Freiheit» darstellt.

Dichte Actionszenen

Joe Russo («Avengers: Endgame») bedient sich bei der Figur von Tyler Rake beim eigenen Comic «Ciudad»; Regie führt Sam Hargrave, bislang begehrter Stunt-Choreograf in Hollywood. Die im indischen Ahmedabad gedrehten Actionszenen sind tatsächlich dicht und physisch. Hargrave liess sich auch mal mit der Kamera auf eine Motorhaube schnallen und sprang dann auf den Rücksitz eines fahrenden Wagens.

Bei der Plansequenz, die Verfolgungsjagden zu Fuss und im Auto verbindet, wurde natürlich an allen möglichen Stellen gemogelt, um die Illusion einer Szene ohne Schnitte zu erzeugen, aber unterhaltend ist es trotzdem. Schon fast originell wirkt ein Messerkampf, der immer wieder vom Tuk-Tuk- Verkehr unterbrochen wird.

Dass «Tyler Rake» auch noch ein Porträt eines geschundenen Charakters sein will, nimmt man dem Film aber wirklich nicht ab. Was Chris Hemsworth dazu bewogen hat, hier mitzurennen, ist ebenfalls nicht vollständig geklärt. Vielleicht war er sowieso schon dabei, seinen braunen Reis zu essen, und hat diesen Fitnesseinsatz noch schnell angehängt.

Davon abgesehen lässt sich die Existenz von «Tyler Rake» vielleicht im Zusammenhang mit der Indien-Strategie von Netflix erklären. Im grossen Markt wurde Netflix von der Disney-Tochter Hotstar sowie Amazon laut Schätzungen schon länger abgehängt. Netflix probiert in Indien deshalb immer wieder Dinge aus: Für diesen Film wurden auch Bollywoodschauspieler verpflichtet, und womöglich handelt es sich dabei im Grunde ja um eine Abo-Prämie.

Ab Freitag, 24.4. auf Netflix
Abo ab 11.90 Franken pro Monat