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YB verliert bei Ajax 0:3Eine 90-minütige Lektion

Die Young Boys sind im Hinspiel des Achtelfinals der Europa League in Amsterdam chancenlos. Trainer Gerardo Seoane spricht von einer Lehrstunde.

Schlusspunkt eines bitteren Abends: Brian Brobbey erhöht in der 92. Minute auf 3:0 für Ajax.
Schlusspunkt eines bitteren Abends: Brian Brobbey erhöht in der 92. Minute auf 3:0 für Ajax.
Foto: Claudio de Capitani (Freshfocus)

Die Reise nach Amsterdam sollte Miralem Sulejmani Genugtuung bringen. Bei Ajax hatte er ab 2008 als mögliche nächste grosse Nummer im europäischen Fussball gegolten, bis heute ist er der teuerste Transfer innerhalb der Eredivisie. Und bis heute fühlt sich Sulejmani von Teilen der holländischen Fans missverstanden, weil er auch aufgrund von Verletzungen den hohen Erwartungen nicht gerecht werden konnte. Gelegentlich wurde er sogar ausgepfiffen.

Doch Sulejmani erfährt an diesem Abend in Amsterdam keine Befriedigung. Im Gegenteil: Er erlebt wie sämtliche YB-Spieler einen äusserst bitteren Abend. Das Geschehen spielt sich fast nur in der Hälfte der Berner ab, 30 Prozent Ballbesitz haben sie nur. Die Young Boys, die ihre Gegner in der Super League oft nach Belieben dominieren, müssen sich im falschen Film wähnen: Sie rennen und rennen. Und kommen doch meist einen Schritt zu spät.

Zeitweise bilden sechs Ajax-Spieler eine Angriffslinie, Sulejmani muss weite Wege nach hinten gehen. Und wenn er mal in der gegnerischen Hälfte den Ball hat, findet er die Mitspieler nicht. Zur Pause wird er ausgewechselt. Die YB-Bilanz da: 0 Schüsse. In den sozialen Medien tippt einer: Angsthasenfussball.

Faivre kann sich auszeichnen

Dabei verschafften sich die Young Boys mit ihrem erstmaligen Vorstoss in den Achtelfinal der Europa League Respekt. Ajax-Trainer Erik ten Hag erzählte am Vortag des Aufeinandertreffens mit YB, wie man Informationen bei Peter Bosz eingeholt habe, dem Coach von Bayer Leverkusen, der sich nach dem 3:4 im Hinspiel bei YB so herrlich über die Darbietung seines Teams aufgeregt hatte. Und dann nach dem Rückspiel vor zwei Wochen eingestehen musste, dass die Berner sich verdient für die Runde der letzten 16 qualifizierten. «Sie haben eine gute Mannschaft.»

Doch in Amsterdam ist davon wenig zu sehen. YB muss erkennen, dass sich Ajax noch einmal auf einem ganz anderen Niveau als Leverkusen bewegt. Die Holländer setzten sich im Sechzehntelfinal gegen Lille, Tabellenführer der Ligue 1, mit zwei Siegen durch. Und sie setzen YB während 90 Minuten unter Druck. Schon nach 5 Minuten braucht es eine starke Intervention von Goalie Guillaume Faivre mit den Beinen, um den Worstcase, den frühen Rückstand, zu verhindern.

Der 34-Jährige, letzten Sommer mit Thun aus der Super League abgestiegen, vertritt David von Ballmoos, der sich am Wochenende gegen Vaduz eine Gehirnerschütterung zuzog. Faivre galt im Vorfeld der Partie als Unsicherheitsfaktor. Stattdessen avanciert er zum besten YB-Spieler. Er wehrt gegen Ryan Gravenberch und Dusan Tadic ab, später zeichnet er sich beim Kopfball von Edson Álvarez aus.

YB lässt sich in der Schlussphase gehen

0:0 steht es zur Pause. Die Gäste können sich auf Kurs wähnen, auch wenn ihnen das Resultat schmeichelt. Doch dann nimmt das Unheil seinen Lauf. Sinnbildlich, wie unglücklich das 0:1 fällt. Ein Doppelpass zwischen Davy Klaassen und Tadic findet nach gut einer Stunde via die Füsse von Cédric Zesiger und den Kopf von Fabian Lustenberger zurück zu Klaassen, der Faivre bezwingt.

Das 1:0 durch Klaassen.
Video: SRF

Auf den Rückstand hat das Team von Gerardo Seoane keine Antwort parat, der YB-Trainer wirkt an der Seitenlinie zusehends unzufriedener. Seine Wechsel bewirken nichts – oder zumindest nichts Gutes. Seoane wird später die mentale und physische Verfassung in der Schlussphase bemängeln. Nicolas Ngamaleu, der Sulejmani zur Pause ersetzte, hält es nicht für nötig, dem Pass von Zesiger entgegenzukommen. Nicolás Tagliafico erobert den Ball, schiesst, den Abpraller verwertet Tadic in der 82. Minute: 2:0.

Ngamaleu verschuldet das 0:2.
Video: SRF

Spätestens jetzt geht es für YB nur noch um Schadensbegrenzung. Darum, vor dem Rückspiel zumindest noch eine kleine Hoffnung aufs Weiterkommen zu haben. Dass diese ihnen in der Nachspielzeit genommen wird, passt zu ihrem Abend. Der eingewechselte Brian Brobbey bezwingt Faivre.

Der Schlusspunkt von Brobbey in der Nachspielzeit.
Video: SRF

Das Verdikt könnte nicht eindeutiger sein: 6:0-Ecken, 21:1-Schüsse, 3:0-Tore. Bei YB herrscht Ernüchterung. Trainer Gerardo Seoane spricht von einer Lehrstunde. Und Captain Fabian Lustenberger sagt, es werde sehr, sehr schwierig, im Rückspiel etwas auszurichten. Die Young Boys bräuchten nichts weniger als ein Wunder von Bern.

Hier finden Sie den Liveticker zum Nachlesen.

20 Kommentare
    Urs maissen

    Yb kann es definitiv besser, wir werden es nächsten Donnerstag sehen, mal sehen, was dann die nörgeler und verkappten 2-6-rot-blau fans sagen.....