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Massimo Rizzo beim FCZEine Bewerbung ohne Worte, dafür sehr clever

Er schweigt und schweigt. Der Interimstrainer des FC Zürich wird zum Gespräch, weil er eben wenig sagt. Jeder Sieg hilft ihm dabei.

Ernst und schweigsam, so hat man Massimo Rizzo Ausgabe 2020 bisher kennen gelernt.
Ernst und schweigsam, so hat man Massimo Rizzo Ausgabe 2020 bisher kennen gelernt.
Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Die spannendste Trainerpersonalie dieser Tage in der Super League heisst Massimo Rizzo. Der Interimstrainer des FCZ gewinnt und schweigt. Worauf die Fussballschweiz rätselt. Darf er beim FCZ bleiben? Will er überhaupt? Ein uraltes Prinzip, neu entfacht: Wer schweigt, über den wird gesprochen und gemutmasst.

Vielleicht agiert dieser Massimo Rizzo so defensiv auf allerlei Zukunftsfragen, weil er es mit Präsident Ancillo Canepa nicht allzu gut kann. Dieser Eindruck entstand zumindest in der einen Szene nach dem Abpfiff gegen Basel, der FCZ hat die Partie gerade 1:0 gewonnen. Canepa sprang auf Rizzo zu, packte und umarmte ihn. Rizzo sah aus wie ein gequältes Kind, wandte seinen Blick abbloss schnell aus der Umklammerung.

So sah das zumindest aus. Rizzo sagt nun, dass er nach dem Anpfiff in sich einkehrte, die Anspannung abfiel, und es seine Art sei, sich zu freuen. Den heranspringenden Canepa habe er in diesem Moment nicht erwartet, darum vielleicht sein unbedarfter Ausdruck, der alles, aber nicht bewusst gewesen sei. «Nein, wir haben es gut miteinander.» Alles harmonisch also.

Er war Zürcher des Monats

Vielleicht verhält sich Massimo Rizzo in diesen Tagen so zurückhaltend, weil er weiss, woher er kommt und Canepa gut kennt. 2004 hat er noch im Sekretariat des FCZ gearbeitet und die Unfallmeldungen der Profis bearbeitet. Er gewann zwar im selben Jahr als Spieler mit Wil den Cup und wurde von Tele Züri als Zürcher des Monats ausgezeichnet. Doch das ist nicht die Grandezza, die gewöhnlich Präsident Ancillo Canepa antreibt, Trainerverträge zu verteilen.

Wieder verstummt er und lehnt sich an einen grossen Philosophen an: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.

Vielleicht aber ist dieser Rizzo einfach nur wahnsinnig clever. Er weiss, dass er auf dem Papier wenig in der Hand hat, um Canepa zu überzeugen. Klar, da sind das nötige Diplom, die Erfahrung als Nachwuchstrainer und eine gewisse Begehrtheit als Trainer. Wil war an ihm Anfang Saison stark interessiert – doch er verzichtete.

Solange er also nichts sagt, lässt er einfach die Resultate und den Wandel des FCZ sprechen. Zwei Siege aus zwei Spielen und eine völlig andere Art, Fussball zu spielen solidarisch, diszipliniert, leidenschaftlich. Es sind allesamt Attribute, die der FCZ in den vergangenen Jahren nie während längerer Zeit auf den Platz brachte.

Der FC Zürich spielt derweil gut. Am Dienstag gewann der Club etwa gegen den FC Basel.
Der FC Zürich spielt derweil gut. Am Dienstag gewann der Club etwa gegen den FC Basel.
Foto: Keystone

Rizzo hat es geschafft, den FCZ zu ändern. Und das in ziemlich kurzer Zeit. Wie macht man das? «Es braucht dafür Wettkampfglück», lautet die Antwort. Wieder schleicht sich Rizzo mit der bekannten Finte aus dem Licht. Wieder verstummt er und lehnt sich an einen grossen Philosophen an: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. Derjenige, der es könnte, Präsident Canepa, spielt das Spiel mit: «Wir stehen überhaupt nicht unter Druck», sagt er gegenüber SRF, «Massimo hat seine Chance.» Jeder Sieg erhöht diese.

Kololli, plötzlich so arbeitsam

Rizzo kann über seine Mannschaft sprechen, das schon, doch auch das macht er in einer selbstlosen Form. Sein bevorzugtes System wäre das 4-3-3, doch das sei nun nicht Thema, es gehe um die Mannschaft und was sie gerade am dringendsten brauche. Heisst: Selbstvertrauen, Disziplin und Ordnung. Das gibt das 4-4-2-System.

Er habe mit seinen Spielern viel gesprochen. Und offenbar hätten diese verstanden, was er erzählt habe. Benjamin Kololli zum Beispiel spielt so diszipliniert wie noch nie. «Ich habe nicht gesagt, Benjamin, du musst nun dies und das machen», sagt Rizzo. Es habe sich aus der gemeinsamen Arbeit ergeben, genauso bei Antonio Marchesano, der aufblüht, und Assan Ceesay, der eine ungeahnte Spielfreude entfaltet. «Wir arbeiten alle zusammen und da gehört auch der Staff dazu», sagt er. Den Staff, er wiederholt ihn immer wieder. Offenbar war dieses Zusammentun zuletzt unter Magnin nicht der Fall.

Nun am Samstagabend also Spiel drei unter dem Interimstrainer gegen den FC Luzern. Laut Rizzo ist das eine gute Mannschaft, die ansehnlichen Fussball spielt und schlechter wirkt, als es die aktuellen Resultate zeigten. Lange stand die Partie auf der Kippe. Der Luzerner Stürmer Marleku war an Corona erkrankt, vier weitere Spieler sind in Quarantäne, am Freitag liess sich die ganze Mannschaft testen. Das Resultat: keine weiteren Fälle. Am Freitagabend meldete auch der FCZ zwei positive Tests – die Spieler befinden sich in Isolation.

Folgen hat das laut FCZ keine für den Match im Letzigrund. Der Kantonsarzt lässt die Spieler auf den Platz. Und Rizzo darf weiter an seinem wortlosen Bewerbungsschreiben arbeiten.

3 Kommentare
    Michael Gehrig

    Eine Chance hat er sich verdient, seine ruhige und unaufgeregte Art kann der Mannschaft nur gut tun. Aus Kostengründen kommt eine andere Lösung auch kaum in Frage, da AC völlig eigensinnig und wider aller vernünftigen Stimmen im Club, den Vertrag von Magnin zur Unzeit verlängerte. Zudem gibt der Markt kaum Alternativen her, Persönlichkeiten wie Weiler tun sich den Sportchef und Präsidenten Canepa nicht an.