Zum Hauptinhalt springen

GastbeitragEine Blume im Kampf gegen Corona

Auch ohne den aktuellen Hype um Alfred Vogels Echinacea-«Wundermittel» lohnt sich ein Blick auf den Schweizer Naturheilmittel-Pionier und Unternehmer.

Der Rote Sonnenhut, Echinacea, war die Lieblingsblume von Alfred Vogel (1902–1996) – und die Grundlage für seinen Geschäftserfolg.
Der Rote Sonnenhut, Echinacea, war die Lieblingsblume von Alfred Vogel (1902–1996) – und die Grundlage für seinen Geschäftserfolg.
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Lächelnd steht der ältere Herr im Garten seines Unternehmens. Die rechte Hand hat er einladend ausgestreckt, in der linken hält er einen Strauss seiner Lieblingsblume, des Roten Sonnenhuts. Es ist das Denkmal von Alfred Vogel, Wegbereiter der Schweizer Pflanzenmedizin und erfolgreicher Unternehmensgründer. Sein geliebter Sonnenhut macht momentan unter dem lateinischen Namen Echinacea Furore. Die Boulevardpresse brachte die Pflanze gar als potenzielles «Wundermittel» gegen Covid-19 ins Spiel. (Lesen Sie hier, wie die Sensationsmeldung zu bewerten ist.)

So oder so lohnt es sich, über Alfred Vogel zu berichten. Für einmal sorgt kein globaler Pharmakonzern in dieser existenziellen Gesundheitskrise für positive Schlagzeilen, sondern mit der A. Vogel AG ein auf pflanzliche Arzneimittel spezialisiertes mittelständisches Unternehmen aus dem thurgauischen Roggwil. Dessen Gründer Alfred Vogel hat die Echinacea als Heilpflanze in der Schweiz populär gemacht und ist unabhängig vom aktuellen Hype als Unternehmer beispielhaft.

Als Sohn eines Friseurs kommt Alfred Vogel 1902 in Aesch bei Basel auf die Welt. Von der Lebensreformbewegung inspiriert, leitet er in jungen Jahren ein Reformhaus und ruft 1929 eine Zeitschrift ins Leben. In den 1930er-Jahren zieht Vogel nach Appenzell Ausserrhoden, denn dort herrscht grosse Offenheit gegenüber komplementären Heilmethoden. Er erhält die Zulassung als Naturarzt, und fortan kann sich sein Forscher- und Unternehmergeist richtig entfalten. In Teufen betreibt Alfred Vogel ein Laboratorium mit dem markanten Namen «Bioforce». In Trogen konzentriert er sich auf die medizinisch-therapeutische Tätigkeit, führt das «Kur- und Kinderheim Vogel», pflanzt Obst, Gemüse und Heilpflanzen an und produziert Frischpflanzentinkturen.

Die besten Lösungen entstehen im Wettstreit der Ideen, in einem Klima von Neugier und Offenheit.

Inspiration findet er auf Reisen, so zu den Oglala Lakota aus dem Volk der Sioux in Süddakota, USA. Deren Stammesoberhaupt Ben Black Elk entfacht in Alfred Vogel das leidenschaftliche Interesse für die Heilpflanze Echinacea. Vogel erhält einige Samen als Geschenk und bringt die Pflanze in Teufen zum Blühen. Fortan befasst er sich über Jahrzehnte mit deren Wirkungsweise. In seinem Standardwerk der Naturheilkunde, «Der kleine Doktor» (jüngst in der 74. Auflage erschienen), schreibt er, durch die Vitalstoffe der Echinacea werde das gesamte Immunsystem stimuliert.

1955 gründet Alfred Vogel die Bioforce GmbH in Teufen und wandelt sie 1963 in die Bioforce AG mit Sitz in Roggwil um. Das Echinacea-Präparat wird ein Kernprodukt. Alfred Vogel setzt nun seine Überzeugungen erfolgreich unternehmerisch um. Dabei ist er kein Dogmatiker, sondern stets interessiert am wissenschaftlichen Austausch. 1996 stirbt Alfred Vogel, kurz vor seinem 94. Geburtstag.

Auch 24 Jahre später sind der Gründer und sein Werk im Unternehmen stark präsent. Laut Alfred Vogels Credo kann die Pflanzenmedizin einen wertvollen Beitrag zur Gesundheit leisten, aber auch eine natürliche Ernährung und ein achtsamer Lebensstil spielen eine Rolle. Daher werden bei A. Vogel neben den Frischpflanzenpräparaten auch Ernährungsprodukte hergestellt.

Ein Gesundheitsuniversum: Die von Alfred Vogel gegründete Bioforce AG in Roggwil heisst heute A. Vogel AG.
Ein Gesundheitsuniversum: Die von Alfred Vogel gegründete Bioforce AG in Roggwil heisst heute A. Vogel AG.
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Das Unternehmen hat ein Gesundheitsuniversum aufgebaut, mit der traditionsreichen Zeitschrift, Online-Gesundheitstipps und Kochrezepten. Es gibt eine telefonische Gesundheitsberatung, und die Besucherzentren sind beliebte Ausflugsziele. Solche Aktivitäten können als geschicktes Content-Marketing angesehen werden. Doch bei den Mitarbeitenden steckt vor allem viel Begeisterung für die Ideen des Gründers dahinter. Diese Kultur und die klaren Werte sind wohl entscheidende Gründe für den nachhaltigen unternehmerischen Erfolg.

Die besten Lösungen entstehen im Wettstreit der Ideen, in einem Klima von Neugier und Offenheit. Alfred Vogel hat dies als Naturarzt und Unternehmer vorgelebt. In diesem Sinne kann der lächelnde Herr mit der Blume durch sein Werk und mit seinem Spirit die aktuelle Diskussion beleben.