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Der FCZ verliert 1:2Eine erste Hälfte wie Zahnweh

Nach miserablem Start fängt sich der FC Zürich gegen St. Gallen, kann aber trotz bester Chancen und wegen zweier aberkannter Abseitstore nicht punkten.

Alle Augen auf den Ball: Lasse Sobiech, Becir Omeragic und Torhüter Yanick Brecher bezeugen das 0:1 von Elie Youan.
Alle Augen auf den Ball: Lasse Sobiech, Becir Omeragic und Torhüter Yanick Brecher bezeugen das 0:1 von Elie Youan.
Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)

Diese erste Hälfte, Goalie Yanick Brecher schüttelt den Kopf. Die ersten 45 Minuten, sie sind für den FC Zürich wie Zahnweh – ohne Schmerzmittel nur schwer zu ertragen. Sonderbar wenig will gelingen, man kommt stets zu spät und wirkt gehemmt, als würde jeder Schritt wehtun. «Wir waren nicht parat», sagt Brecher. Noch schlimmer, der FCZ ist träge und müde. «Normalerweise dauert es nicht so lange, um die Müdigkeit aus den Beinen zu laufen», sagt Brecher. Gegen St. Gallen offenbar schon. 2:1 liegt der FCZ zur Halbzeit zurück.

Brecher hatte es noch am Sonntag nach dem Sieg gegen Lausanne angekündigt: Nun kämen strenge Tage, vielleicht müsse man rotieren, vielleicht manchen Spielern eine Verschnaufpause gönnen. Trainer Massimo Rizzo muss in seiner Spielvorbereitung zu einem völlig anderen Schluss gekommen sein. Er will kein Risiko eingehen, nichts ändern, alles beibehalten und startet mit einer deckungsgleichen Aufstellung wie gegen Lausanne.

Die Folgen: Zahnweh, zähe 45 Minuten und eine Auswechslung zur Halbzeit. Becir Omeragic, für einmal nicht so elegant und souverän, muss mit Muskelbeschwerden vom Feld. Eine Folge von Rizzos Konservatismus?

Sobiech patzt zweimal

Es ist eine Halbzeit, die besonders Lasse Sobiech, dem langen Innenverteidiger, wenig Freude bereitet. Die hohen, weiten Bälle sind gewöhnlich sein Spezialressort. Nun aber verpennt er erst einen weiten Ball von Lukas Görtler, was Elie Youan zum 1:0 einlädt. Und dann zieht erneut ein weiter Ball über Sobiechs Kopf. Statt ihn zu neutralisieren, lenkt er ihn unglücklich in den Lauf von Youan. Damit nicht genug Pech: Youans Schuss lenkt Sobiech noch einmal ungünstig ab, der Ball schlägt neben Brecher im Tor ein. «Ich glaube, der wäre daneben gegangen», sagt der Torhüter.

Da hilft es auch nicht, dass der FCZ mit seiner ersten gelungenen Aktion ausgleichen kann. Toni Domgjoni darf vordringen und lässt auf der rechten Seite Basil Stillhart stehen. Der St. Galler geht so freundschaftlich in den Zweikampf, er wäre damit selbst einer Seniorin bei der Hast um den letzten Tramsitzplatz unterlegen. Domgjonis Hereingabe versenkt darauf Aiyegun Tosin. Es ist ein Tor, das dem FCZ überraschend wenig Auftrieb gibt.

Das hat mit dem Gegner zu tun. Die St. Galler spielen aggressiv und hart (und fair). Sie lassen das die Zürcher Mal für Mal spüren. Besonders Benjamin Kololli und Antonio Marchesano wird eine Aufmerksamkeit zuteil, die von schmerzhaftem Charakter ist. Bei jeder Ballberührung nehmen drei St. Galler die Verfolgung auf, den Zürcher Lenkern fehlen immer wieder Zeit und Raum. Ein gepflegtes Spiel, ein bisschen Ordnung – dazu ist der FCZ schlicht sehr lange nicht fähig.

Den St. Gallern geht die Luft aus

Dass St. Gallen wegen Corona seit 17 Tagen nicht mehr gespielt hat, dass die Ostschweizer bloss drei Trainingseinheiten absolviert haben, von alldem ist sehr lange wenig zu spüren. Erst gegen Ende entweicht den Ostschweizern die Energie, die Mannschaft wirkt ab Minute 70 richtiggehend geplättet.

Rizzo versucht mit seinen Wechseln dem Spiel eine andere Wendung zu geben. Ceesay, Kramer, Gnonto und Winter dürfen ran. Die Wechsel offenbaren eine angenehme offensive Potenz. Vor allem Assan Ceesay und Wilfried Gnonto bieten sich an für längere Einsätze. Der FCZ erhält darauf Räume und Chancen. Kololli und Domgjoni haben derart vorzügliche Abschlusspositionen, dass sie ausgleichen müssten. Machen sie aber nicht.

So spricht St. Gallens Trainer Peter Zeidler nach dem Spiel von «viel Glück», Brecher von «etwas Pech», und Rizzo fehlt die Lust für lange Sätze. Er spricht in Fragmenten, die Niederlage nagt an ihm, sie schmerzt. Wie Zahnweh.

1 Kommentar
    René Messmer

    Der St. Galler geht so freundschaftlich in den Zweikampf, er wäre damit selbst einer Seniorin bei der Hast um den letzten Tramsitzplatz unterlegen.

    Schade, dass dieser Satz im Artikel auftaucht. Wer wird da wohl mehr gemobbt, Stillhart oder die Seniorin. Ausserdem hat Stillhart der Seniorin im Tram den Platz anzubieten.