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Literatur-Entdeckung aus FrankreichEine Frau packt ihre letzte Chance

Der Roman «Die Annonce» von Marie-Hélène Lafon schildert in starken Bildern eine schwierige Flucht aufs Land.

Prägnante Autorin aus Frankreich:  Marie-Hélène Lafon.
Prägnante Autorin aus Frankreich: Marie-Hélène Lafon.
Foto: VQH

Für ihr neustes Werk «Histoire du fils» hat die 58-jährige französische Autorin Marie-Hélène Lafon eben den renommierten Prix Renaudot erhalten. Die in ihrer Heimat bekannte literarische Stimme machte der Zürcher Rotpunktverlag dieses Jahr erstmals der deutschsprachigen Leserschaft zugänglich: mit dem kurzen Roman «Die Annonce», der in Frankreich schon 2009 erschien. Auch in der Übersetzung von Andrea Spingler ist er ein sprachlich kunstvoll verdichtetes und packendes kleines Meisterwerk.

Die Geschichte führt in französische Randgebiete: von der wirtschaftlich darbenden Provinz an der belgischen Grenze in den ländlichen Cantal im Zentralmassiv, aus dem die Autorin stammt. Dort fristet der 46-jährige Bauer Paul sein hartes Dasein: unter einem Dach mit seiner ruppigen ledigen Schwester, die den Haushalt führt, und zwei schrulligen, ebenfalls ledigen alten Onkeln. Als er eine Annonce aufgibt, um eine Frau zu finden, reagiert die 37-jährige Annette aus dem Norden spontan. Sie hat eine gescheiterte Ehe mit einem arbeitslosen Säufer hinter sich, einen kleinen Sohn, kämpft sich als Aushilfskassiererin durch ein trostloses Leben und sucht fernab auf dem Land einen Neubeginn.

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