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Eine kleine Ladekunde

Das Laden von Elektroautos ist nicht so kompliziert, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Ein paar grundsätzliche Unterscheidungen sollte man aber kennen.

Simpel: Der CCS-Ladeanschluss – CCS = Combined Charging System – steckt unter einem Fach in der Motorhaube des Honda E.
Simpel: Der CCS-Ladeanschluss – CCS = Combined Charging System – steckt unter einem Fach in der Motorhaube des Honda E.
Foto: Honda

Lange Zeit war Elektromobilität ein Thema für Freaks und Experten. Entsprechend sperrig ist teilweise die Begrifflichkeit rund ums Stromern. Vor allem das Thema Laden hat Verwirrungspotenzial, geht es doch häufig um seltsame Typen und komische Moden. Denn wer Strom in sein E-Auto bekommen will, kann unterschiedliche Quellen nutzen. Um erst einmal Ordnung in die Steckdosen-Vielfalt zu bringen, hat man schon vor Jahren vier Lademodi definiert. Die ersten beiden spielten früher eine grosse Rolle, mittlerweile hat sich das Gewicht zu den letzten beiden verschoben.

Modus 1

Bezeichnet das direkte Laden an der Haushaltssteckdose. Vor allem Elektro-Kleinfahrzeuge und E-Autos der ersten Generation mussten zum «Tanken» an die normale Steckdose, nicht selten über ein fest am Fahrzeug montiertes Spiralkabel. Bei modernen Modellen ist das nicht mehr üblich und auch nicht anzuraten.

Modus 2

Wer sein E-Auto an der Haushaltssteckdose lädt, nutzt heute ein Kabel mit integrierter Kontrollbox, die die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeanschluss übernimmt. Das muss keine Haushaltssteckdose sein, sondern kann auch ein blauer CEE-Anschluss sein, wie man ihn etwa auf Campingplätzen oder in Gewerbebetrieben findet. Weil das Laden auf diese Weise nur sehr langsam erfolgt (in der Regel nur mit 2,3 kW), ist dieser Lademodus vor allem etwas für unterwegs, wenn keine richtige Ladesäule verfügbar ist. Fast jedes moderne Elektroauto oder jeder Plug-in-Hybrid beherrscht diese Spielart, ein Mode-2-Kabel zählt dementsprechend häufig zur Serienausstattung eines E-Neuwagens.

Modus 3

Der dritte ist der häufigste Lademodus. «Getankt» wird mithilfe eines geeigneten Kabels Wechselstrom (AC), und zwar an der heimischen Wallbox oder einer öffentlichen Ladesäule. Gegenüber Modus 2 liegt die maximale Ladeleistung teils deutlich höher und kann bis zu 22 kW betragen. Das Mode-3-Kabel ist bei vielen Fahrzeugen eine Sonderausstattung und kostet ein paar Hunderter zusätzlich. In der Regel empfiehlt sich der Kauf trotzdem, da man das Kabel für das Laden an öffentlichen AC-Säulen zwingend benötigt.

Modus 4

Steht für das Laden an schnellen oder ultraschnellen Gleichstrom-Ladesäulen (DC). Während Modus 2 und 3 von fast allen modernen E-Mobilen beherrscht werden, ist der vierte noch nicht ganz so verbreitet. So sind längst nicht alle Plug-in-Hybride schnellladefähig. Und auch bei einigen kleinen Stadtstromern verzichten die Hersteller auf eine DC-Option, die das Tanken mit meist 50 kW, oft auch mit deutlich mehr Leistung erlaubt. Das Argument in beiden Fällen: Die relativ kleinen Batterien lassen sich auch in Modus 3 ausreichend schnell laden. Gewisse Schnellladestationen bieten heute schon Ladeleistungen von bis zu 350 kW an.

Mode 4: Steht für das Laden an schnellen oder ultraschnellen Gleichstrom-Ladesäulen (DC) wie hier von Ionity.
Mode 4: Steht für das Laden an schnellen oder ultraschnellen Gleichstrom-Ladesäulen (DC) wie hier von Ionity.
Foto: Ionity

Verschiedene Steckertypen

Neben den unterschiedlichen Lademodi gibt es auch noch verschiedene Steckertypen. Am gängigsten ist der Typ-2-Stecker, erkennbar an seinen sieben Polen und der halbrunden Form. Er ist heute europaweit Standard beim Wechselstromladen. Wer heute ein neues E-Auto kauft, kann fast immer über diesen Anschluss tanken. Ältere Modelle oder solche von aussereuropäischen Märkten können auch über einen fünfpoligen, komplett runden Typ-1-Stecker verfügen. Geeignete öffentliche Ladesäulen sind allerdings selten. Dritter wichtiger Typ ist der CCS- («Combined Charging System») oder Combo-Stecker. Er ergänzt den Typ-2-Stecker (seltener auch den Typ-1-Stecker) mit zwei weiteren Kontakten für das Schnellladen in Modus 4. Vorteil: Fahrzeugseitig ist nur eine Steckdose für Mode-3- und Mode-4-Laden nötig. Vor allem japanische Autos nutzen allerdings statt des CCS-Standards den Chademo-Stecker; sie haben dann zwei Stromanschlüsse, meist auf den gegenüberliegenden Karosserieflanken.

Alles klar? Dann doch noch eine kleine Warnung: Im Tarifdschungel der Stromanbieter gibt es noch viele Möglichkeiten, die Übersicht beim Laden zu verlieren…

3 Kommentare
    Andreas Besti

    Nach diesem Artikel könnte man meinen, es ist wichtig das bei jedem Ladevorgang immer die ganze Infrastruktur an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht werden soll. Dabei stehen die Fahrzeuge (oder eben Stehzeuge) meistens 23h pro Tag im weg. Da reicht doch bei 99% der Anwender ein Modus 2 locker. Wer will schon mit einem Elektroauto nach Spanien fahren? Musk hat es mit seinen perversen Supercharger möglich gemacht, aber die unglaubliche Ineffizienz seiner Ladestationen und überdimensionierten Fahrzeuge lässt einem Zweifeln, dass es bei Tesla um Ressourcen schonen geht. Wer die Umwelt schonen möchte, verzichtet auf Fahrten, fährt Fahrrad, Velomobil oder ein kleines effizientes Elektroauto und fahrt grosse Distanzen mit dem Zug.