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Eine Leine, sie zu knechten ...

Smartphones werden seit neuestem um den Hals getragen, wobei nicht immer klar ist, wer hier wen an der Leine hat.

Aleksandra Hiltmann
Man zeigt, was man hat: die neue Art, Smartphones zu tragen. Foto: iStock
Man zeigt, was man hat: die neue Art, Smartphones zu tragen. Foto: iStock

Neuerdings trägt man Smartphones an einer bunten Schnur um den Hals. Schrecklich, dachte ich erst. Unser zweites Gehirn hat uns an die Leine genommen, unter seiner Last trotten wir wie ferngesteuerte Knechte durch den Alltag, völlig vernebelt von all den Apps und Posts, die unsere Aufmerksamkeit wollen, uns sagen, wie wir sein sollen, um beachtet zu werden. Die einen Befestigungsschnüre gibt es gar als Ketten. Doch wie sieht es aus, wenn man es lässig seitwärts trägt, wie eine Handtasche – auch das ist derzeit auf den Strassen zu beobachten. Das scheint mir bereits weniger schlimm, irgendwie selbstbewusster, als modisches Statement. Täschli war gestern. Trambillett, Einkauf, Fahrplan – alles drin. Keine Karten, kein Münz, kein Papier. Minimalismus pur.

So klar ist das ja sowieso nicht, wer hier eigentlich wen an der Leine führt. Überall können sich die Smartphones nämlich davonstehlen, im Bus, Tram, Zug, an der Kasse. Einfach liegen geblieben, und fort sind sie. Nein, nein, du bleibst schön hier, lieferst mir, was ich will und wann ich will. Getane Schritte, Kinoprogramm, Kochrezepte, Last-Minute-Angebote für die nächsten Ferien. Dich mit einem Haustier zu vergleichen, wäre zu sanft, ein Arbeitstier sollst du sein, eines an einer kurzen Leine. Aber vielleicht ist das auch alles viel zu weit gedacht, und die Smartphone-Schnur ist bloss ein Trend, der schnell wieder vorübergeht – und die damit verbundenen, viel zu komplizierten Fragen wieder in der Hosentasche verschwinden.

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