Zum Hauptinhalt springen

Flüchtlingskrise in BangladeshEine sturmgefährdete Insel für die Rohingyas

Das dicht besiedelte Bangladesh ist mit dem Zustrom der Flüchtlinge aus Burma überfordert. Die Regierung in Dhaka hat nun ein umstrittenes Umsiedlungsprogramm begonnen.

Unfreiwillige Umsiedlung: Rohingya-Flüchtlinge werden mit dem Schiff nach Bhasan Char gebracht.
Unfreiwillige Umsiedlung: Rohingya-Flüchtlinge werden mit dem Schiff nach Bhasan Char gebracht.
Foto: Keystone

Alle Warnungen und Bedenken blieben folgenlos: Die Regierung von Bangladesh hat damit begonnen, Rohingya-Flüchtlinge nach Bhasan Char umzusiedeln, eine kleine Insel, die als besonders sturmgefährdet gilt und nie dauerhaft bewohnt war. Dhaka treibt damit das umstrittenste Projekt seiner Flüchtlingspolitik voran, seitdem der Staat einige Hunderttausend Vertriebene aus dem Nachbarland Burma aufgenommen hat.

Bangladesh erhält zwar internationale Unterstützung, um Lager im Süden zu betreiben und dort Bedürftige mit Nahrung und Medizin zu versorgen. Doch gibt es dort wegen der Platznot und zunehmender Umweltzerstörung starke Spannungen. Und die Corona-Pandemie schürt zusätzliche Ängste, weil es schwer möglich ist, in den überfüllten Camps Abstandsregeln einzuhalten.

«Meine Familie wollte nicht gehen, sie haben sie gezwungen.»

Angehörige der Rohingya-Flüchtlinge

Am Wochenende waren Bilder eines Marineschiffs zu sehen, das nach Angaben des Aussenministeriums 1642 Flüchtlinge vom Hafen in Chittagong auf die dem Delta vorgelagerte Insel transportierte, sie ist etwa doppelt so gross wie Langeoog.

In Interviews widersprachen Angehörige der betroffenen Familien der Darstellung der Regierung, dass dieser Transfer freiwillig erfolge. «Meine Familie wollte nicht gehen, sie haben sie gezwungen», sagte eine Frau unter Tränen dem TV-Sender CNN. Ein Knabe berichtete, dass sein Bruder geschlagen worden sei, als er sich weigerte.

Die Behörden argumentieren, dass die Auslagerung unumgänglich sei, um die extreme Enge in den Lagern zu entschärfen. Seit dem Massenexodus aus Burma im Jahr 2017 drängen sich in Bangladesch nahezu eine Million Angehörige der muslimischen Minderheit aus dem Nachbarland.

In Burma werden sie diskriminiert und verfolgt. Die meisten Flüchtlinge überquerten den Fluss Naf, nachdem das Militär in Burma eine Offensive gegen mutmassliche Rebellen gestartet hatte. Vorwürfe, die Armee habe im Westen Burmas Völkermord zu verantworten, hatte die regierende Staatsrätin Aung San Suu Kyi in einem Verfahren vor dem obersten UNO-Gericht in Den Haag zurückgewiesen.

Das dicht besiedelte Bangladesh ist mit dem Zustrom der Flüchtlinge überfordert. Die Vereinten Nationen erklärten Anfang des Monats, sie seien «nicht eingebunden in die Vorbereitungen für die Verlegung oder die Identifikation der Flüchtlinge». Sie beklagten, dass sie nur «begrenzte Informationen» über die Umsiedlung erhielten.

Brad Adams, Asien-Direktor von Human Rights Watch (HRW), wurde deutlicher: «Würde die Regierung tatsächlich auf die Bewohnbarkeit der Insel vertrauen, dann hätte sie sich transparent gezeigt und würde nicht hastig technische Prüfungen durch die Vereinten Nationen umgehen.» Auch HRW sprach mit Familien, die auf der Liste stehen, sich aber nicht freiwillig zur Umsiedlung gemeldet hatten.

Insel war noch nie dauerhaft bewohnt

Bhasan Char ist durch Ablagerungen von Sedimenten am äusseren Rande des Deltas entstanden, hier ergiessen sich die grossen Ströme – Ganges, Brahmaputra und Meghna – in den Indischen Ozean. Erstmals wurde die 40 Quadratkilometer grosse Insel, die mehrfach ihre Form veränderte, vor 18 Jahren gesichtet. Sie diente gelegentlich als Unterschlupf für Schmuggler und Piraten, doch dauerhaft war sie nie bewohnt.

Schon vor drei Jahren wurde in einer Untersuchung der Forstbehörde vor einem grossen Überflutungsrisiko gewarnt, doch die Regierung ignorierte die Skeptiker, liess Unterkünfte bauen und Barrieren errichten, die Bhasan Char vor künftigen Überflutungen schützen sollen.

Wer erst mal auf der Insel gelandet ist, dürfte kaum Aussichten haben, sie in absehbarer Zeit wieder zu verlassen. Das Rückkehrabkommen mit Burma ist festgefahren, weil die Rohingya Sicherheitsgarantien und Staatsbürgerrechte fordern, die ihnen in der Heimat verweigert werden.

13 Kommentare
    Wolfgang Blanck

    .... seit einem Jahr Corona, seit 1400 Jahren Islam und daraus resultierent eine seit Jahren anhaltende millionenfache Migration von Minarettanhängern... Das Corona Problem wird gelöst werden, die Probleme aus Mohammeds Nachlass leider nicht.