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«Prix Courage» des Jahres 2020Elternpaar für Engagement gegen Cybermobbing ausgezeichnet

Ein Aargauer Ehepaar setzt sich seit dem tragischen Tod seiner Tochter dafür ein, dass Mobbing strafrechtlich verfolgt wird. Inzwischen ist eine parlamentarische Initiative hängig.

Zivilcourage nach familiärer Tragödie: Candid und Nadya Pfister haben den «Prix Courage» 2020 erhalten.
Zivilcourage nach familiärer Tragödie: Candid und Nadya Pfister haben den «Prix Courage» 2020 erhalten.
Foto: Christian Schnur (Keystone)

Nadya und Candid Pfister aus Spreitenbach nahmen am Freitagabend in Zürich den «Prix Courage» der Zeitschrift «Beobachter» entgegen. Seit dem Suizid ihrer 13-jährigen Tochter Céline engagieren sich die beiden gegen Cybermobbing. (Lesen Sie dazu: Cybermobbing: Der Fall Céline kommt vor Gericht).

«Beobachter»-Chefredaktor Andres Büchi überreichte den mit 15'000 Franken dotierten Preis während einer Übertragung auf Blick TV, wie der Verlag Ringier Axel Springer mitteilte. Die einzige Tochter des Paars hatte im August 2017 nach Mobbing auf der App Snapchat Suizid begangen. Zwei Jugendliche hatten sie mit einem Intimbild gemobbt. Sie kamen mit einigen Tagen gemeinnütziger Arbeit davon.

Das Ehepaar aus dem Kanton Aargau setzt sich seit dem tragischen Geschehen dafür ein, dass Mobbing strafrechtlich verfolgt wird. Dazu ist inzwischen eine parlamentarische Initiative hängig. Die Pfisters wurden vom Publikum durch eine Online-Abstimmung und von einer sechsköpfigen Jury für den Preis ausgewählt. Die Jury vergibt ihre Punkte ohne Wissen über den Entscheid des Publikums.

Der Tragik getrotzt

Die per Video zugeschaltete ehemalige Aargauer Regierungsrätin und Jury-Präsidentin Susanne Hochuli erklärte in ihrer Laudatio, die Jury sei sich einig gewesen. Das Ehepaar Pfister habe durch den Verlust der Tochter das Schlimmste durchgemacht, was Eltern passieren könne. Die beiden hätten trotzdem die Energie und die Zivilcourage für ihr Engagement gefunden.

Bereits am Dienstag hatte der «Beobachter» bekannt gegeben, dass die Dargebotene Hand den diesjährigen «Prix Courage Lifetime Award» für mehr als 60 Jahre Engagement in der Telefonberatung erhält. Seit 1953 finden Menschen mit Sorgen oder in akuten Krisen bei der Telefonnummer 143 ein offenes Ohr.

SDA/fal

12 Kommentare
    Reto Eggimann

    Mein Mitgefühl und meinen Respekt an die Eltern Pfister. Erwachsene, Eltern und Lehrkräfte: Lasst uns gegenüber Kinder und Jugendlichen unser – vorurteilsloses – Interesse an ihrer (auch digitalen) Lebenswelt zeigen. Lasst uns die Kinder und Jugendlichen aktiv begleiten, damit sie lernen, mit Social Media korrekt und fair umzugehen. Und lasst uns auch klar Grenzen kommunizieren und durchsetzen (sei das in der Erziehung, in der Strafverfolgung etc.). Das ist stete "Chnochebüez", doch diese ist und bleibt dringend nötig: Für mich hilfreich war das Buch "Fit und fair im Netz" von Felix Rauh. Ich kann das Buch aus eigener Erfahrung sehr empfehlen, es gehört meines Erachtens in jedes Schulzimmer.