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Die Uefa wirft ein Wattebällchen

Die Strafe für die Randale kroatischer Fans fällt zu gnädig aus.

Geldstrafe auf Bewährung für den Verband: Kroatische Fans während des Spiels gegen Tschechien. Foto: Darko Bandic (Keystone)
Geldstrafe auf Bewährung für den Verband: Kroatische Fans während des Spiels gegen Tschechien. Foto: Darko Bandic (Keystone)

Vier Zeilen lang ist das Urteil der Disziplinarkommission der Uefa. Es hat die Härte eines Wattebällchens. Der kroatische Fussballverband HNS wird für das Verhalten seiner Anhänger im Spiel gegen Tschechien mit 100 '000 Euro gebüsst. Und das sogar nur auf Bewährung. So solle der HNS daran gehindert werden, «gewissen Fans Tickets zu verkaufen, die vom HNS und der kroatischen Regierung als Hooligans identifiziert wurden».

Stellt sich die Frage, warum es diese offenbar seit langer Zeit bekannten Unruhestifter an der EM überhaupt ins Stadion geschafft haben? Kroatiens Verband kann nicht ins Feld führen, er werde von Krawallen überrascht. Seit Jahren fallen Teile seiner Fans negativ auf. Sie werfen Fackeln, sie rufen faschistische Parolen, sie prügeln sich. Es ist diese Vorgeschichte, die das Urteil der Uefa unverständlich macht. Sie selbst hat 2014 nach einem Spielunterbruch in Italien eine «letzte Warnung» ausgesprochen. Sie hat Kroatien danach mit einem Geisterspiel und schliesslich mit einem Punkt Abzug in der EM-Qualifikation bestraft. Und jetzt, da an der Endrunde keine Besserung eintritt, geht sie zurück auf eine Geldstrafe auf Bewährung? Das geht vor allem darum nicht auf, weil der kroatische Verband nicht den Eindruck macht, dass er seine Probleme ernsthaft anginge.

Ein Grund für die Milde der Uefa mag sein, dass Teile der kroatischen Fans das Ziel haben, dem eigenen Verband zu schaden. Sie befinden sich in einem Machtkampf mit Zdravko Mamic, dem Vizepräsidenten des HNS, der auch Präsident von Serienmeister Dinamo Zagreb und der beherrschende Mann im Fussball Kroatiens ist. Er sass wegen des Verdachts auf Bereicherung und Steuerhinterziehung bei Transfers in Untersuchungshaft. Die Fans werfen ihm vor, den kroatischen Fussball als Selbstbedienungsladen zu nutzen.

Probleme von ganz oben

Die Uefa schützt also mit ihrem Urteil Kroatiens Nationalteam, das bis zu den Krawallen im eigenen Sektor im Turnier überzeugt hat. Sie stützt aber auch einen Verband, der seit Jahren entweder komplett unfähig oder – viel eher – nicht willens ist, etwas gegen gewaltbereite Fans zu unternehmen. Und der ausserdem von Leuten mit schlechtem Leumund geführt wird.

Will die Uefa an künftigen Turnieren nicht wieder mit denselben Problemen konfrontiert werden wie in Frankreich, muss sie den Verbänden eine aktive Fanpolitik vorschreiben. So wie das in westeuropäischen Ligen schon länger der Fall ist. Und es braucht einen Integritäts-Check für die Führungspersonen in Landesverbänden. Eine Busse auf Bewährung bringt genau nichts.

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