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Schwester von Frankreich-Star spricht erstmals über Terrornacht

Antoine Griezmann spielte im Stade de France gegen Deutschland, als Maud im Bataclan-Club war. Heute stürmt er wieder gegen den Weltmeister.

Spielt heute gegen Deutschland: Antoine Griezmann.
Spielt heute gegen Deutschland: Antoine Griezmann.
Keystone

Maud Griezmann hatte kurz vor dem Konzert der Rockband Eagles of Death Metal noch einmal auf ihr Telefon geschaut. Ihr Bruder Antoine spielte an diesem Abend zur selben Zeit für die französische Nationalmannschaft gegen Deutschland im Stade de France. Es war der 13. November. Es sollte die Nacht des Terrors in Paris werden. Sie legte das Telefon weg, weil sie die Musik hören wollte. Maud Griezmann befand sich im Pariser Bataclan.

Im Vorfeld des EM-Halbfinalspiels Frankreich gegen Deutschland spricht die Französin in der «New York Times» über die Ereignisse dieses 13. November. Darüber, wie sie den Terror erlebte, als sie zusammen mit ihrem Freund bei den Schüssen am Eagles-of-Death-Metal-Konzert mittendrin war.

Sie war während des Konzerts weder auf Facebook noch auf Twitter. Die drei Jahre ältere Schwester von Antoine Griezmann bekam daher auch nichts mit von den Explosionen ums Stadion herum, nichts von den Schüssen in der Stadt. Sie genoss das Konzert. Doch plötzlich hörte sie Schüsse, die die Musik übertönten. «Zuerst dachten wir, es sei ein Witz und es gehöre zum Konzert», erzählt Griezmann der «New York Times», «dann haben wir Schreie gehört.»

Maud Griezmann und ihr Freund Simon Degoul hatten sich im Club auf den Boden gelegt, um den Schüssen auszuweichen. «Ich wollte nicht hochschauen. Wenn man sich bewegte, wurde man erschossen», sagte Griezmann. Eine Person neben ihr sei erschossen worden. Am Boden liegend war das Paar getrennt, eine Frau hatte sich zwischen sie geworfen. Die drei lagen nebeneinander und hielten sich an den Händen fest. Die Händedrücke dienten als Absicherung, ob die danebenliegende Person noch am Leben ist.

Vergessen ist unmöglich

Frankreich wird heute zum ersten Mal seit den Anschlägen gegen Deutschland spielen. Doch Maud Griezmann möchte dieses Spiel zu nichts Speziellem machen. «Es ist ein wichtiges Spiel für Antoine, für das Team und für die Fans», sagt sie in der «New York Times», «es ist nichts anderes. Ich denke nicht an Fussball, wenn ich an den Abend denke. Ich versuche, so wenig wie möglich darüber nachzudenken.»

Dass das nicht möglich ist, weiss Griezmann. Die 28-Jährige hat im Zusammenhang mit dem Attentat nie einen Therapeuten aufgesucht. Das Leben und die Familie seien ihre Therapie. Lediglich einmal habe sie das Geschehene mit ihrem Bruder Antoine besprochen – das war kurz danach. «Als er mich das erste Mal wieder gesehen hat, sagte er: ‹Man könnte meinen, dir sei nichts passiert.›», erzählt Griezmann. Sie habe sich nicht als Opfer gefühlt. «Ich bin nicht tot und auch nicht verletzt», sagte die junge Frau.

Ihre Erinnerungen an den Abend sind verschwommen. Angst hatte sie am meisten, als es im Saal eine Weile still war, nicht, als die Schüsse fielen. Als die Polizei reinkam, rannte sie barfuss zur Tür. Etwa 200 Meter vom Bataclan entfernt wartete Griezmann, die für ihren Bruder als PR-Beraterin arbeitet, mit anderen Überlebenden. Sie rief ihre Mutter an. «Ich bin draussen, ich bin draussen», habe sie ins Telefon geschrien, weil sie nichts anderes zu sagen wusste.

Später versuchten Griezmann und ihr Freund in der Nähe des Place de la République ein Taxi zu finden, das sie nach Hause bringt. Weil ihre Kleider voller Blut waren, wollte sie zu Beginn niemand mitnehmen. «Der Fahrer hatte Angst um seine Sitze», erzählt Griezmann der «New York Times».

Die ganze Familie wird heute im Stadion sein. Maud Griezmann hat keine Angst davor, dorthin zu gehen. Aber es gibt sehr wohl Momente, in denen sie das Erlebte einholt. Einmal war sie in einem Einkaufsladen und hat hinter sich jemanden rennen gehört. «Ich dachte, es sei eine Geiselnahme im Laden», erzählt die junge Französin und fährt fort, «ich weiss nicht, wann und ob das je aufhören wird.» (jwi)

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