«Viele von uns waren bei Polizei und Armee»

Die Gewaltexzesse der russischen Hooligans an der EM sollen von langer Hand geplant worden sein.

Rechtsradikalismus und Gewalt sind im russischen Fussball eng verbunden: Hier zeigen Anhänger von Spartak Moskau eine Hakenkreuzfahne.

Rechtsradikalismus und Gewalt sind im russischen Fussball eng verbunden: Hier zeigen Anhänger von Spartak Moskau eine Hakenkreuzfahne. Bild: Keystone

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Als die «Sun» im Februar schrieb, russische Schläger bereiteten sich für die EM auf einen «Krieg gegen englische Anhänger» vor, schien das trotz der bekannten Gewaltproblematik um den Fussball in Osteuropa nur eine von vielen reisserischen Storys des Boulevardblatts zu sein. Die wüsten Exzesse am ersten Wochenende des Turniers in Frankreich lassen nun aber vermuten, dass die «Sun» für einmal nicht übertrieben hat.

Ein englischer Fan schwebt laut der französischen Polizei nach Schlägen auf den Kopf bei Randalen in der Stadt sogar in Lebensgefahr. Nach der Partie in Marseille machten russische Hooligans im Stadion Jagd auf gegnerische Anhänger. Zu den Angreifern zählte auch ein grossgewachsener Mann mit blauem Sonnenhut, der am Nachmittag dabei war, als der Engländer so schwer verletzt wurde (siehe separate Story).

Gemäss Medienberichten haben sich Horden von Anhängern eigentlich rivalisierender Clubs aus Russland zusammengeschlossen, um für einmal nicht gegen-, sondern miteinander zu prügeln. Diese Männer sollen sogar spezielle Trainingslager absolviert haben. Zur «Sun» sagte ein via Facebook kontaktierter Krawallmacher: «Wir sind harte Männer und keine weichen Engländer in Lacoste-Shirts, viele von uns waren bei Polizei und Armee.»

Dass es einer Fangruppe gelungen sei, Pyrotechnik und Böller ins Stadion zu bringen, ungehindert einen benachbarten Block zu stürmen und dort auf alles und jeden einzuprügeln, lasse an zentralen Punkten des Sicherheitskonzepts zweifeln, schreibt der «Spiegel». «Das Turnier hat schon nach zwei Tagen einen Skandal, der das Kernthema dieser EM berührt: die Sicherheit.»

Eine grosse Überschneidung gibt es in Russland zwischen Rechtsradikalen und Hooligans. Laut dem Kontaktmann der «Sun» stehen deshalb nicht nur die Engländer in ihrem Fokus, sondern auch beliebige dunkelhäutige oder asiatisch aussehende Fussballfans, die mit Gewalt nichts am Hut haben. Der Brasilianer Hulk, der bei Zenit St. Petersburg unter Vertrag steht, sagte, rassistische Auswüchse seien in russischen Stadien an der Tagesordnung.

All dies lässt die Welt mit Sorge auf die kommende WM blicken. Diese findet 2018 in Russland statt.

(ak)

Erstellt: 12.06.2016, 10:17 Uhr

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