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Zürcher Museen öffnenEndlich wieder «berühren verboten»!

Wohin zuerst gehen? Was zuerst anschauen? Das sind die aufregendsten Ausstellungen der Frühlingssaison.

Im Museum Haus Konstruktiv darf man jetzt sogar über Kunst drüberlaufen!
Im Museum Haus Konstruktiv darf man jetzt sogar über Kunst drüberlaufen!
Foto: Haus Konstruktiv

Lange genug sassen wir ja auf dem Trockenen, was den Kunstkonsum angeht. So live, ganz ohne Bildschirm dazwischen. Nun dürfen wir wieder. Klar, Masken werden wir tragen müssen und vielleicht auch hie und da etwas länger anstehen wegen der Kapazitätsgrenzen, aber das ist es allemal wert, denn: Nichts ist so schön wie das Verweilen vor einem echten, real vorhandenen Kunstwerk. So manches Zürcher Museum hat die Zeit der zwangsverordneten Pause dazu genutzt, eine brandneue Ausstellung einzurichten. Und so stehen wir nun vor der bittersüssen Qual der Wahl: Wohin zuerst gehen? Was zuerst anschauen? Wir zeigen die aufregendsten Schauen der Frühlingssaison.

Landesmuseum: Bundesrätinnen und Corona

So wurden einst die Gegner der Pockenimpfung auf die Schippe genommen.
So wurden einst die Gegner der Pockenimpfung auf die Schippe genommen.
Foto: Landesmuseum

Näher dran an der Aktualität ist keiner, das muss man dem Landesmuseum lassen. Gleich zwei Ausstellungen, die jetzt starten, zielen voll aufs Tagesgeschehen: «Virus – Krise – Utopie» befasst sich mit der Frage, wie die Welt nach Corona aussehen könnte, und stellt die Zukunftsvisionen in einen historischen Kontext. «Bundesrätinnen und Bundesräte seit 1848» knöpft sich derweil das Siebnerteam vor, das seit der Staatsgründung die Geschicke der Eidgenossenschaft lenkt. Fotos, Filmausschnitte, Dokumente und Kleider porträtieren alle 119 bisherigen Mitglieder der Landesregierung. Zudem sollte man sich die einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen, ein Selfie im detailgetreu nachgebauten Bundesratszimmer zu schiessen.

«Virus – Krise – Utopie» bis 27.6., «Bundesrätinnen und Bundesräte seit 1848» bis 7.11., www.landesmuseum.ch.

Museum Rietberg: Archäologie in Honduras

Kaum zu glauben, aber unweit dieses Traumstrands wurden – und werden – archäologische Funde gemacht.
Kaum zu glauben, aber unweit dieses Traumstrands wurden – und werden – archäologische Funde gemacht.
Foto: Museum Rietberg

Corona macht auch vor Archäologen keinen Halt: Just als die Forscher der Uni Zürich letztes Jahr nach getaner Arbeit aus Honduras zurück in die Schweiz fliegen wollten, ging Covid-bedingt die Grenze zu. Mittlerweile sind sie wieder zu Hause. Und wir können uns in «Die vergessene Küste – Archäologie in Honduras» anschauen, was sie da an der Karibikküste eigentlich aus der Erde geholt haben. Als kleine Einstimmung sei der auf der Museums-Website aufgeschaltete Dokumentarfilm empfohlen, den der ehemalige Rietberg-Direktor Albert Lutz vor Ort mit seinem iPhone «gedreht» hat. Unprätentiös, nah dran an Forschern und Einheimischen, stimmungsvoll. Aber Achtung: Weckt Fernweh!

Bis 27.6., www.rietberg.ch.

Fotomuseum: Eva & Franco Mattes

Katze im Dach? Big Brother is watching you, einmal anders.
Katze im Dach? Big Brother is watching you, einmal anders.
Foto: Eva & Franco Mattes, Fotomuseum Winterthur

Eva und Franco Mattes lieben einander. Und das Internet. Seit den frühen 90ern klopft das aus Italien stammende, heute in New York heimische Pärchen das World Wide Web auf die ihm innewohnenden Verrücktheiten, Risiken und Nebenwirkungen ab. Zum Beispiel, indem es allen, die wollten, drei volle Jahre lang vollumfänglich Zugriff auf seine Compis gab, inklusive Mails, Bankauszügen, Einkaufs-History. «Dear Imaginary Audience» ist ihre erste museale Einzelausstellung. Schön verquer, zum Mitdenken. Und ja: Katzenvideos spielen ebenfalls eine Rolle.

Bis 24.5., www.fotomuseum.ch.

Musée Visionnaire: Harald Naegeli

Sieh an, sieh an: Der Sprayer von Zürich hat nicht nur Flamingos, sondern auch Elefanten im Repertoire.
Sieh an, sieh an: Der Sprayer von Zürich hat nicht nur Flamingos, sondern auch Elefanten im Repertoire.
Foto: Harald Naegeli, Pro Litteris

Seine Wandzeichnungen kennt jeder. Aber was macht Harald Naegeli eigentlich so, wenn er nicht grad mit der Spraydose unterwegs ist? «Harald Naegeli – der bekannte Unbekannte» will dem auf den Grund gehen und zeigt Naegelis Zeichnungen auf Papier. Und zwar, weils so viele sind, in drei Etappen: erst Landschaften und Tierzeichnungen, dann alles rund um den Menschen und seine Vergänglichkeit, zum Schluss dann die sogenannten Urwolken. Was das ist? Hingehen und selbst herausfinden!

Bis Ende August, www.museevisionnaire.ch.

Haus Konstruktiv: RESET

Macht auch mit Maske Spass: Ein Besuch im neu eingerichteten Haus Konstruktiv.
Macht auch mit Maske Spass: Ein Besuch im neu eingerichteten Haus Konstruktiv.
Foto: Museum Haus Konstruktiv

RESET. Jawohl, in Grossbuchstaben. Also eine dicke, fette Rückkehr auf Feld eins: Das hat sich das Museum Haus Konstruktiv zu seinem 35. Geburtstag vorgenommen. In der gleichnamigen Ausstellung, die sich ausschliesslich aus der hauseigenen Sammlung speist, liegt der Fokus entsprechend auf dem, wofür das Museum seinerzeit ins Leben gerufen wurde: auf der konkreten, der konstruktiven und der konzeptuellen Kunst in all ihren Spielarten. Die übrigens verblüffend zahlreich sind.

Bis 16.5., www.hauskonstruktiv.ch.

Strauhof: Iris von Roten

Die Fliege mussten schlussendlich dann doch die Frauenstimmrechtsgegner machen.
Die Fliege mussten schlussendlich dann doch die Frauenstimmrechtsgegner machen.
Foto: Museum Strauhof

«Hier ist das Buch, das ich mit 20 Jahren gerne gelesen hätte», schrieb Iris von Roten im Vorwort ihres 1958 erschienenen Buches «Frauen im Laufgitter», in dem sie – sexuelle, finanzielle, politische – Freiheit für die (Schweizer) Frauen fordert. Ein Jahr später wurde das Frauenstimmrecht erstmals bachab geschickt, und natürlich gab man von Roten auch ein bisschen die Schuld daran. Nun, 50 Jahre nachdem es doch noch geklappt hat, ist die Ausstellung zu ihrem pionierhaften Schriftwerk auch ein kleines, posthumes Dankeschön.

Bis 30.5., www.strauhof.ch.

Fotostiftung: Pia Zanetti

Pia Zanetti: Beim Rodeo, Chicago, USA, 1967.
Pia Zanetti: Beim Rodeo, Chicago, USA, 1967.
Foto: Pia Zanetti, Fotostiftung Schweiz, Pro Litteris

Sie sei nicht wie René Burri, sie werde nicht mit der Leica um den Hals ins Grab steigen, sagt Pia Zanetti. Ein fotografisches Werk vom Feinsten hat die heute 77-jährige Baslerin aber allemal vorzuweisen. Seit den 1960ern reiste sie für diverse Zeitschriften als Fotoreporterin um die Welt, wobei sie nicht einfach nur dokumentierte, sondern die Menschen, denen sie begegnete, wirklich sah. Eine grossartige (Wieder-)Entdeckung.

Bis 24.5., www.fotostiftung.ch.

Museum Langmatt: Rose Wylie

Rose Wylie: ER & ET, 2011, Öl auf Leinwand, 183 x 344 cm.
Rose Wylie: ER & ET, 2011, Öl auf Leinwand, 183 x 344 cm.
Foto: Morten Viskum, Soon-Hak Kwon

Es leben die spät entdeckten Britinnen! Während die Galerie Hauser & Wirth neue Skulpturen der grandiosen Phyllida Barlow zeigt (siehe nächster Text), trumpft das Badener Langmatt-Museum mal eben mit der ersten Schweizer Schau der Malerin Rose Wylie auf. Wie Barlow macht Wylie seit Jahrzehnten Kunst, wie Barlow verfolgt sie konsequent ihren sehr eigenwilligen Stil, wie Barlow wurde sie erst im Pensionsalter richtig gewürdigt. Wir fordern: Schickt Wylie – wie Barlow – auch endlich an die Venedig-Biennale!

Bis 24.5., www.langmatt.ch.

Die Galerien

Sonst macht Barlow ja keinen Kleinkram. Aber im Lockdown mussten die Werke halt in die heimische Werkstatt passen.
Sonst macht Barlow ja keinen Kleinkram. Aber im Lockdown mussten die Werke halt in die heimische Werkstatt passen.
Foto: Hauser & Wirth

Und dann wären da natürlich noch die Galerien, die vor lauter Freude über die Wiedereröffnung gleich ein kollektives offenes Wochenende einlegen (5.–7.3., jeweils 11–19 Uhr). Wo anfangen? In Lorenzo Bernets Showroom Sons.Works im Seefeld, der immer für Entdeckungen gut ist? Bei Gregor Staiger und seiner Gruppenschau rund um das britische Überraschungsei Monster Chetwynd? Ein Pflichtstopp ist jedenfalls bei Hauser & Wirth im Löwenbräu angesagt, bei der grandiosen Phyllida Barlow, deren Ausstellung von im Lockdown Nr. 1 entstandenen Werken ausgerechnet mit Lockdown Nr. 2 kollidierte.