Entrückung

Eine junge Frau mit Freude am Alleinsein hat eine der schönsten, wärmsten Songwriter-Platten der letzten Jahre aufgenommen.

Lieder wie verschlungene, grossflächige Muster: Jessica Pratt.

Lieder wie verschlungene, grossflächige Muster: Jessica Pratt.

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Manchmal ist alles tatsächlich so, wie es scheint. Das Rauschen auf «On Your Own Love Again», der neuen, zweiten Platte von Jessica Pratt, das sich nach dem Eigenklang einer Wohnung anhört, ist der Eigenklang einer Wohnung. Pratt stammt aus San Franciso, sie zog nach Los Angeles, wo sie nur wenige Leute kannte, und hat dort mit einem Vierspurgerät ihre Lieder aufgenommen. Für ihre erste Platte war sie noch ins Tonstudio gegangen. Die meisten machen es umgekehrt.

Jessica Pratt aber weiss, was sie will, und es ist ihr egal, dass sie dabei wie eine kurlige Aussenseiterin wirken kann. «Ich habe Musik immer ganz und gar alleine gemacht», erzählte sie in einem Interview. «Gerne würde ich mir vornehmen, eine Einsiedlerin zu werden», in einem anderen. Ihre Lieder haben denn auch etwas Entrücktes, weshalb Pratt gerne zum «Weird Folk» gezählt wird, zu den etwas verrückten US-Liedermachern. Zugleich ist ihre Musik von einer zeitlosen, fast greifbar wirkenden Wärme. Und Pratt singt durchaus von zwischenmenschlichen Gefühlen.

«There was a time/when you said that you want me to believe» ist so eine Zeile. Leute, die alles genau verstehen wollen, stellt «On Your Own Love Again» freilich vor Probleme. Pratt hat eine eigenwillige, reizende Art, die Silben zu ziehen und die Vokale unorthodox auszusprechen. Deshalb, und weil ihre Melodien zwar wohlklingend, aber auch verschachtelt sind, nimmt man die Platte nicht unbedingt als Folge von Songs wahr. Eher geht es den Ohren so wie den Augen, wenn sie einen sehr langen, orientalisch gemusterten Teppich betrachten. Man folgt fasziniert den Linien und verliert sich in der Schönheit.

Bestechend sind die minimalistischen, aber dichten Arrangements der neuen Lieder. Harmoniestimmen, mal eine zweite Gitarre, mal eine Orgel, mehr braucht Pratt nicht, um die Spuren zu füllen. Vielleicht geht sie ja fürs nächste Album noch mal woanders hin: «Um richtig gut allein zu sein und mein Ding zu machen, bräuchte ich einen Teilzeitvertrag für irgendeine Dreckshütte in Minnesota», fantasierte sie jüngst.

Erstellt: 11.03.2015, 13:11 Uhr

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