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Umstrittener Genfer StaranwaltDie Frauen von heute hält er für «verkümmert»

Marc Bonnant ist Antifeminist: Selbst am Gericht spart er nicht mit sexistischer Koketterie. Ob das seinen Klienten hilft, wird sich schon bald zeigen.

Der Genfer Anwalt Marc Bonnant (links) verteidigt den franko-israelischen Rohstoffmagnaten Beny Steinmetz derzeit in einem Korruptionsprozess. Das Urteil gibt das Gericht am Freitagnachmittag bekannt.
Der Genfer Anwalt Marc Bonnant (links) verteidigt den franko-israelischen Rohstoffmagnaten Beny Steinmetz derzeit in einem Korruptionsprozess. Das Urteil gibt das Gericht am Freitagnachmittag bekannt.
Foto: Salvatore Di Nolfi (Keystone)

Das Pfeifkonzert auf Twitter gegen den Genfer Staranwalt Marc Bonnant war laut. Das Hashtag #StopBonnant begann zu zirkulieren. Der Grund: Der 76-jährige Bonnant hatte einmal mehr eine seiner berüchtigten frauenfeindlichen Provokationen platziert.

«Ob es den Feministinnen gefällt oder nicht: Ich bevorzuge Frauen in Boudoirs und im Bett, nicht als militante Strassenkämpferinnen», sagte er kürzlich einer Journalistin der Onlinezeitung «Heidi.news». Er ging so weit, Feministinnen als «selbstmordgefährdete Frauen» zu bezeichnen. Und in seinem barock-intellektuellen Französisch analysierte er, Frauen seien einst «Objekte unseres Begehrens» gewesen, doch heute halte er sie für «verkümmert», weil sie wie Männer hätten werden wollen. «Ich trauere um die Frau von damals», sagte der Anwalt, der selbst glücklich verheiratet ist.

Unerschütterliches Selbstvertrauen

Angesichts dieser Tirade ging fast vergessen, worum es im Interview eigentlich gegangen war. Die Journalistin wollte von Bonnant wissen, was er über die Vorwürfe gegen den ehemaligen Westschweizer «Tagesschau»-Moderator Darius Rochebin denke. Über ein Dutzend Frauen und Männer hatten Rochebin in der Zeitung «Le Temps» der sexuellen Übergriffe und Belästigung bezichtigt, weswegen Rochebin die Zeitung eingeklagt hat.

Bonnant rühmte den Fernsehmann als «tiefgründigen, feinfühligen und kultivierten Mann, als bemerkenswerten Suchenden nach der Ausdrucksweise des Anderen». Rochebin sei «eine Hebamme», so Bonnant und spielte damit auf das Selbstverständnis des griechischen Philosophen Sokrates an.

Kritik und Widerspruch berühren den 76-jährigen Provokateur, Theaterliebhaber und eisernen Verfechter der freien Meinungsäusserung wenig. Sein Selbstvertrauen scheint unerschütterlich.

Er hält sich auch vor Gericht nicht züruck

Seit letzter Woche steht der 76-Jährige wieder einmal als Anwalt im Gerichtssaal. Auch da platziert er seine Provokationen. Die Affäre ist delikat. Bonnant verteidigt den Rohstoffmagnaten Beny Steinmetz. Diesem wirft die Genfer Staatsanwaltschaft vor, die halbe guineische Regierung geschmiert zu haben, um an Schürfrechte zu kommen.

Bonnant inszeniert sich nach allen Regeln der Kunst, verlangt vom Gericht unverblümt Rauchpausen und lotete bei den Richtern aus, ob sie den Prozess wegen der Corona-Krise abbrechen würden. Von einem Abbruch wollte die Gerichtspräsidentin aber nichts wissen. Stattdessen erkundigte sie sich bei Bonnant, wie lange er für sein Plädoyer brauche. «Das hängt ganz von Ihren Blicken ab», sagte Bonnant der Gerichtspräsidentin, die die Kapriole gar nicht lustig fand. Das spärliche Publikum im Gerichtssaal hingegen lachte laut über die sexistisch aufgeladene Koketterie.

Tut Bonnant mit seinem Benehmen sich und seinem Klienten einen Gefallen? Diese Frage wird sich am Freitagnachmittag beantworten. Dann gibt das Gericht sein Urteil im Fall Steinmetz bekannt. Die Staatsanwaltschaft verlangt für den Rohstoffmagnaten eine langjährige Haftstrafe und will von ihm 50 Millionen Dollar einkassieren. Anwalt Bonnant verlangt für seinen Klienten einen Freispruch.

«Der Magistrat hat Macht, der Anwalt Autorität», gab der 76-Jährige dem Gericht mit auf den Weg zur Urteilsberatung. Am liebsten wäre Bonnant wohl, beides gleichzeitig zu haben.

30 Kommentare
    Erica Bieri

    Sehr übel, dass ein schlauer Anwalt, der einen noch schlaueren Bestecher und Profiteur vertritt, ihm sogar mit dem Eröffnen einer die Besitzerverhältnisse von BSG versteckenden Stiftung in Liechtenstein hilft. Es schmerzt zu sehen, dass dieser Angeklagte die Korruptionsanfälligkeit afrikanischer Diktatoren schamlos ausnützt, sich für nicht einmal 200 Millionen Schürfrechte unter den Nagel riss und diese für 2.5 Milliarden an eine Minenfirma verkaufte. Der Gewinn landet bei den Vermittlern, Mittelsmännern, Bestechern, Politikern, anstatt in der Staatskasse des von Armut geprägten Landes, wäre alles vom Präsidenten direkt an Vale do Rio Doce verkauft worden, die viel investieren müssen, Arbeitsplätze schaffen. Es ist teuflisch böse die arme Bevölkerung eines Landes um ihr Vermögen zu bringen und dieser Anwalt sollte sich nicht so eingebildet und chauvinistisch benehmen, auch wenn ein Angeklagter das Recht auf Verteidigung hat, kann ein Anwalt in Anbetracht der grossen Schuld verständnisvoll weitgehend einlenken und nicht Freispruch für seinen Klienten verlangen, sonst muss er sich nur einfach schämen, wenn das Gericht so stichhaltige Beweise hat. 50 Millionen Strafe sind wenig,