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«Er verliess sich nur auf sich»

Jedes noch so kleine Detail am Eismann Ötzi ist von Interesse: Chirurgen entfernen ein Blutgerinnsel. Foto: Getty Images

Herr Zink, Ötzi begleitet Ihr Leben seit fast 20 Jahren, Sie haben den Mordfall untersucht, kennen seine Krankenakte in- und auswendig und wissen, was er zuletzt gegessen hat. Nun musste er zum Psycho-Test. Wie kam es dazu?

Das standardisierte Verfahren wird normalerweise genutzt, um Führungskräfte zu analysieren. Im Test werden 16 Motive wie Neugier, Status, Bewegung oder Sinnlichkeit abgefragt. Waren Sie nicht skeptisch, ob sich das auf prähistorische Personen anwenden lässt?

Eigentlich kann man doch nur die Umstände seines Todes rekonstruieren.

Solche Tests sind generell bei Personalauswahlgesprächen umstritten, wenn es um das Erkennen bestimmter Fähigkeiten geht. Warum sind Sie an Ötzis Psyche interessiert?

Im vergangenen Jahr wurde Ötzi im Film von Felix Randau als entschlossen handelnder und durchaus rachsüchtiger Mann dargestellt. Was bringen solche spekulativen Zugänge der Wissenschaft?

Sie mussten bei den Angaben aushelfen und sozusagen stellvertretend den Ötzi geben.

Gemeinsam mit dem Studienleiter sind Sie die 144 Aussagen des Tests durchgegangen und mussten entscheiden: Trifft zu oder trifft nicht zu. Welche Angaben sind Ihnen schwer­gefallen?

Manche Antworten im Test lassen sich doch gar nicht bewerten. Beispiel Autonomie – da steht dann: «Ich finde es unerträglich, auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein.» Wie will man das wissen?

Aber das sagt doch noch nicht, dass ihm die Gegenwart anderer Menschen unangenehm war, wie im Profil steht. Manche Ergebnisse muten etwas seltsam an: So soll sich Ötzi bei Festen eher abseitsgehalten haben. Der Test stellt fest, er sei wortkarg gewesen. Finden Sie solche Ergebnisse nicht allzu spekulativ?

Aber noch einmal: Sein hoher Grad an Neugier wird zum Beispiel aus der Art seiner Kleidung geschlossen, etwa aus der Bärenfellmütze.

Am Ende ergab sich ein griffiges Fazit: Ötzi war ein Anführer, ein Ästhet, ein Querdenker. Überrascht Sie dieses Profil?

Die Wissenschaftler wagen sogar eine Prognose, was Ötzi heute beruflich tun würde: Demnach wäre er Profisportler, ein Fussballer etwa, und «auch eine wissenschaftliche Karriere wäre denkbar». Haben Sie da einen Bruder im Geiste bei sich in Bozen?

Der Nachteil bei den langen Wanderungen durchs Ötztal wäre wohl gewesen, dass er Ihnen dabei als wortkarger Geselle nichts über sich erzählt hätte.