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NachrufEr wurde geliebt und belächelt

Der polnische Komponist und Dirigent Krzysztof Penderecki ist 86-jährig gestorben.

Krzysztof Penderecki bei einer Probe in der Zürcher Tonhalle, 2015.
Krzysztof Penderecki bei einer Probe in der Zürcher Tonhalle, 2015.
Foto: Sabina Bobst

«Die Musiker sollen sich amüsieren mit meinen Werken», hat Krzysztof Penderecki einmal am Rande einer Probe in der Zürcher Tonhalle gesagt. Dabei hat er zweifellos auch von sich selbst gesprochen. Und, so ganz nebenbei, eine kleine polemische Spitze platziert gegenüber jenen Komponisten-Kollegen, die seine Musik als zu unterhaltend kritisierten.

Penderecki hatte einst als einer der ihren begonnen; in den späten 1950er-Jahren wurde er zu einer Galionsfigur der Avantgarde. Werke wie «Anaklasis» oder die «Lukas-Passion» prägten das damalige Klangvokabular mit – und sorgten für einigen Aufruhr in seiner polnischen Heimat. «Noch verbotener als die avantgardistische Musik war dort die geistliche Musik», sagte Penderecki, und: Es habe ihm Spass gemacht, gegen Vorschriften zu verstossen.

Bald begann er dann aber, auch gegen die Vorschriften der Avantgarde zu verstossen. Schrieb also Werke, die tonale Harmonien zuliessen und sich an traditionellen Formen orientierten; dass der Komponist Helmut Lachenmann ihn deshalb «Penderadecky» genannt hat, störte ihn nicht. Seine Musik sollte schön sein, auf ganz eigene Weise expressiv, auch virtuos: Er, der zunächst Geiger hatte werden wollen, lieferte nun seinen Solisten dankbare Vorlagen.

Die Musiker liebten ihn dafür; Anne-Sophie Mutter, Isaac Stern oder Mstislaw Rostropowitsch haben Konzerte von ihm uraufgeführt. Auch die Filmbranche hat ihn rasch entdeckt, in den Soundtracks zu «The Exorcist», «Shining» und weiteren Horrorklassikern wurden seine Werke verwendet. Rund 130 Preise, Orden, Ehrendoktortitel und Ehrenbürgerschaften hat er im Lauf der Jahre gesammelt, sogar ein Asteroid wurde nach ihm benannt. Und nicht nur in Zürich waren die Konzerte, in denen er vor allem eigene Werke dirigierte, oft ausverkauft.

Penderecki genoss diesen Erfolg, der ihm ein schönes Leben in seinem Landhaus im polnischen Luslawice erlaubte. Einen eigenen Konzertsaal hatte er dort, mit 700 Plätzen, für den er in den letzten Jahren vor allem Kammermusik schrieb: Diszipliniert und stets auf der Basis von farbigen Skizzen, die zuweilen als eigenständige Kunstwerke ausgestellt wurden.

130 Eichen für die Enkelin

Noch wichtiger waren ihm allerdings die über 2000 Bäume, die er während Jahrzehnten gesammelt und gepflanzt hat. Allein zur Geburt seiner Enkelin hat er eine Allee mit 130 Eichen angelegt (und sich damit noch einmal einer polnischen Tradition entzogen, nach der die Geburt eines Mädchens mit einer Linde gefeiert wird). Dass seine 8. Sinfonie auf Gedichten über Bäume und Wälder basierte, war da alles andere als ein Zufall.

Eine 9. Sinfonie, mit der er sich eigentlich in die Reihe von Beethoven, Bruckner, Mahler und Dvorák hätte stellen wollen, hat er dagegen nicht mehr geschrieben. Nun ist Krzysztof Penderecki 86-jährig nach langer Krankheit in Krakau gestorben.