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Nach Ermordung eines LehrersErdogan beleidigt Macron – Frankreich zieht Botschafter ab

Nach einem verbalen Angriff des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf den französischen Staatschef Emmanuel Macron, hat Frankreich seinen Botschafter in Ankara zu Konsultationen zurückgerufen.

«Was für ein Problem hat diese Person namens Macron mit dem Islam und Muslimen?» Der französische Staatschef wurde am Samstag Ziel einer verbalen Attacke des türkischen Präsidenten.
«Was für ein Problem hat diese Person namens Macron mit dem Islam und Muslimen?» Der französische Staatschef wurde am Samstag Ziel einer verbalen Attacke des türkischen Präsidenten.
REUTERS
Macron hatte nach der Enthauptung des Lehrers Samuel Paty vor gut einer Woche dem radikalen Islamismus in Frankreich den Kampf angesagt. Der Geschichtslehrer war Opfer eines brutalen Attentats in Conflans-Sainte-Honorine nahe Paris geworden.
Macron hatte nach der Enthauptung des Lehrers Samuel Paty vor gut einer Woche dem radikalen Islamismus in Frankreich den Kampf angesagt. Der Geschichtslehrer war Opfer eines brutalen Attentats in Conflans-Sainte-Honorine nahe Paris geworden.
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Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert – dabei starben mehr als 250 Menschen.
Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert – dabei starben mehr als 250 Menschen.
Getty Images
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Nach einem verbalen Angriff des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf den französischen Staatschef Emmanuel Macron hat Frankreich erstmals seinen Botschafter in Ankara zu Konsultationen zurückgerufen. Das Verhalten der Türkei sei inakzeptabel, teilte Frankreichs Aussenminister Jean-Yves Le Drian am Sonntag mit. Der französische Botschafter sollte noch am Sonntag nach Paris zurückkehren. Diesen Fall habe es zuvor noch nie gegeben, bestätigten Élyséekreise.

Erdogan hatte am Samstag bei einem Kongress seiner Partei AKP in Kayseri in Zentralanatolien gegen «besorgniserregende Anzeichen einer wachsenden Islamfeindlichkeit in Europa» gewettert. Als Beispiel nannte er unter anderem Macron, der nach der Enthauptung des Lehrers Samuel Paty vor gut einer Woche dem radikalen Islamismus in Frankreich den Kampf angesagt hatte. Paty war von einem 18-Jährigen mit russisch-tschetschenischen Wurzeln getötet worden, nachdem er im Unterricht Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte.

Von türkischer Seite habe es dazu keine offizielle Verurteilung der Tat oder Solidarität für Frankreich gegeben, hiess es in der Mitteilung aus dem Aussenministerium. In den vergangenen Tagen sei noch «hasserfüllte und verleumderische Propaganda gegen Frankreich» hinzugekommen. Es gebe den Wunsch, Hass gegen Frankreich zu schüren, so Le Drian. Dieser sei auch in den direkten Beleidigungen gegen Macron von «höchster Ebene des türkischen Staates» zum Ausdruck gekommen.

Diskussion um Glaubensfreiheit

Macron wirbt für einen Islam, der «mit den Werten der Republik» vereinbar ist. Die strikte Trennung von Staat und Kirche gilt als ein Grundprinzip der französischen Verfassung.

«Was für ein Problem hat diese Person namens Macron mit dem Islam und Muslimen?", fragte Erdogan bei der Veranstaltung am Samstag. Macron gehöre in psychologische Behandlung, fügte der türkische Präsident hinzu. Sein französischer Amtskollege verstehe die Glaubensfreiheit nicht.

Bei derselben Veranstaltung hatte sich Erdogan auch kritisch zu einer Polizeirazzia in einer Berliner Moschee geäussert. Am Mittwoch hatten etwa 150 Polizisten in der deutschen Hauptstadt mehrere Firmen und eine Moschee wegen des Verdachts auf Corona-Subventionsbetrug durchsucht. Erdogan hatte den Vorgang zuvor auf Twitter als rassistisch und islamfeindlich bezeichnet.

Verbalattacken Erdogans gegen Macron sind nicht unbedingt neu. Im vergangenen November hatte der türkische Präsident bereits die psychische Gesundheit des Franzosen in Frage gestellt. Damals hatte Macron dem Verteidigungsbündnis Nato den «Hirntod» attestiert. Erdogan sagte anschliessend, Macron solle besser seinen eigenen Hirntod untersuchen lassen.

Die Liste der aktuellen Streitpunkte zwischen Paris und Ankara ist lang: Unter anderem hatte Macron im Seegebietsstreit zwischen den EU-Ländern Griechenland und Zypern auf der einen Seite und der Türkei auf der anderen zur symbolischen Unterstützung Griechenlands zusätzliche Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer geschickt und sich offen für zusätzliche Türkei-Sanktionen gezeigt.

Frankreich hatte ausserdem die Einmischung der Türkei in den Konflikt in Berg-Karabach scharf kritisiert. Aserbaidschan kann sich in dem Konflikt mit Armenien um die seit Jahrzehnten zwischen beiden Ländern umstrittene Südkaukasusregion auf seinen «Bruderstaat» Türkei berufen.

SDA