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Neue Spur im Fall MaddieEin Jaguar, ein VW-Bus und eine unbekannte Telefonnummer

Im Fall der vor 13 Jahren verschwundenen Madeleine McCann steht ein Deutscher unter Verdacht, das Mädchen ermordet zu haben. Suchen müssen die Ermittler den 43-Jährigen nicht mehr – er ist bereits im Gefängnis.

Eine langjährige Suche: Auf Flyern wurden Leute aufgerufen, die Polizei zu benachrichtigen, wenn sie Maddie gesehen hatten.
Eine langjährige Suche: Auf Flyern wurden Leute aufgerufen, die Polizei zu benachrichtigen, wenn sie Maddie gesehen hatten.
Foto: Andrew Milligan (PA Images via Getty Images) 

Im Fall des vor gut 13 Jahren in Portugal verschwundenen britischen Mädchens Madeleine «Maddie» McCann steht ein 43 Jahre alter Deutscher unter Mordverdacht. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach Angaben des Bundeskriminalamts gegen den Mann, der mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft sei. Er verbüsse derzeit in anderer Sache eine längere Haftstrafe, teilte das BKA am Mittwochabend in Wiesbaden mit.

Das damals dreijährige Mädchen war am 3. Mai 2007 aus einer Appartementanlage im portugiesischen Praia da Luz verschwunden. Die Eltern waren zu der Zeit in einem nahegelegenen Restaurant essen. Das ungeklärte Schicksal des Mädchens hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Ermittler waren von einer Entführung ausgegangen. Zeitweise standen auch die Eltern selbst unter Verdacht.

Die deutschen Behörden gehen inzwischen von einem Mord aus und sehen wenig Hoffnung, Maddie lebend wiederzufinden. «Wir gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist», sagte der Erste Staatsanwalt und Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Christian Wolters, am Donnerstag an einer Pressekonferenz. Die britischen Strafbehörden gehen jedoch weiterhin von einem Vermisstenfall aus.

Die Polizei durchsucht mit einem Bagger einen Garten in Ahlem bei Hannover. Der Einsatz stehe im Zusammenhang mit den Ermittlungen wegen Mordes gegen den verdächtigen 43-jährigen Deutschen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Dienstag.
28. Juli
Die Polizei durchsucht mit einem Bagger einen Garten in Ahlem bei Hannover. Der Einsatz stehe im Zusammenhang mit den Ermittlungen wegen Mordes gegen den verdächtigen 43-jährigen Deutschen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Dienstag.
Keystone
Der Staatsanwalt Hans Christian Wolters sagte, dass die Behörden konkrete Beweise haben, dass Christian B. der mutmassliche Mörder von Maddie McCann ist. Dennoch könnte dieser einer Anklage entgegen.« Finden wir den ausschlaggebenden Beweis nicht bald, könnten die Ermittlungen eingestellt werden. »
Trotz Beweise könnte es zu keiner Anklage gegen Christian B. kommen
Der Staatsanwalt Hans Christian Wolters sagte, dass die Behörden konkrete Beweise haben, dass Christian B. der mutmassliche Mörder von Maddie McCann ist. Dennoch könnte dieser einer Anklage entgegen.« Finden wir den ausschlaggebenden Beweis nicht bald, könnten die Ermittlungen eingestellt werden. »
Keystone
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Der Fall war am Mittwochabend wie schon früher wieder Thema in der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY... ungelöst», in der um sachdienliche Hinweise gebeten wurde. Nach Informationen der «Braunschweiger Zeitung» (Donnerstagsausgabe) handelt es sich bei dem nun Beschuldigten um einen Mann, der 2019 vom Landgericht Braunschweig wegen Vergewaltigung einer 72-jährigen Amerikanerin verurteilt worden sei.

Der nun Beschuldigte habe gemäss BKA-Angaben zwischen 1995 und 2007 regelmässig an der Algarve gelebt, unter anderem für einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. «Nach hier vorliegenden Erkenntnissen ging er in dieser Zeit im Raum Lagos mehreren Gelegenheitsjobs, unter anderem in der Gastronomie, nach», teilte das BKA mit.

Ex-Nachbarin beschreibt Verdächtigen als aggressiv

Eine frühere Nachbarin des Verdächtigen hatte den Mann als aggressiv beschrieben. «Er war immer ein bisschen wütend, ist die Strasse schnell hoch und runter gefahren und eines Tages, so um 2006, verschwand er ohne ein Wort», berichtete die Frau dem britischen Sender Sky News.

Etwa ein halbes Jahr nach dem Verschwinden des Mannes sei sie gebeten worden, beim Aufräumen der Unterkunft zu helfen, berichtete die Frau. «Es war eklig.» Überall hätten beschädigte Sachen wie Computer gelegen. In einem Müllbeutel seien Perücken und seltsame Kleidungsstücke – möglicherweise für Kostümierungen – gewesen.

Die frühere Nachbarin gab an, dass der Verdächtige die Unterkunft damals von einem Briten gemietet habe. Polizisten aus Grossbritannien hätten sie im vergangenen Jahr zu dem Verdächtigen befragt. In diesem Jahr seien dann portugiesische Ermittler aufgetaucht. Die Polizei geht davon aus, dass sich der Mann nach dem Verlassen der Unterkunft noch weiterhin in der Umgebung aufgehalten hat.

Bereits wegen Vergewaltigung verurteilt

Wie Scotland Yard am Mittwochabend mitteilte, trug der Mann zur Tatzeit kurzes, blondes Haar und ist etwa 1,80 Meter gross. Besonderes Augenmerk lenkten die britischen Ermittler auf zwei Fahrzeuge und zwei Telefonnummern, die der Verdächtige benutzt haben soll. Es geht um einen Caravan vom Typ VW T3 Westfalia mit portugiesischem Nummernschild, in dem der Mann zeitweise gewohnt haben soll, und einen Jaguar, Model XJR 6, mit einem deutschen Kennzeichen. Am Tag nach Maddies Verschwinden sei der Jaguar auf einen neuen Halter umgemeldet worden.

An dem Abend, als Maddie verschwand, soll der Verdächtige zudem einen Anruf erhalten haben unter der Nummer +351 912 730 680 mit portugiesischer Ländervorwahl. Der Anruf wurde in der Region um Praia de Luz entgegengenommen. «Ermittler glauben, dass die Person, die diesen Anruf getätigt hat, ein höchst wichtiger Zeuge ist, und rufen sie dazu auf, in Kontakt zu treten», hiess es in der Scotland-Yard-Mitteilung. Die Nummer des Anrufers laute +351 916 510 683.

Die Erkenntnisse seien das Ergebnis einer jahrelangen Zusammenarbeit, der britischen, deutschen und portugiesischen Polizei, hiess es weiter. «Nach dem 10. Jahrestag erhielt die Metropolitan Police Informationen über einen deutschen Mann, der sich bekanntermassen in und um Praia de Luz aufhielt. Wir haben mit Kollegen in Deutschland und Portugal zusammengearbeitet und dieser Mann ist ein Verdächtiger im Verschwinden von Madeleine», sagte Detective Chief Inspector Mark Cranwell der Mitteilung zufolge. Scotland Yard betonte jedoch, dass es sich weiterhin um einen Vermisstenfall handle.

Nach Informationen der «Braunschweiger Zeitung» soll der 43-Jährige auch die Vergewaltigung der 72-Jährigen in Portugal begangen haben – in demselben Ort, in dem rund anderthalb Jahre später die kleine Maddie verschwand. Im Dezember 2019 sei der Mann vor dem Braunschweiger Landgericht zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Urteil sei bislang nicht rechtskräftig; der Angeklagte werfe der Justiz Rechtsfehler im Auslieferungsverfahren vor.

«Wir müssen Frieden finden»

Madeleines Eltern hatten sich mit teils emotionalen Aufrufen immer wieder an die Öffentlichkeit gewandt, um Informationen über den Verbleib ihrer Tochter zu erhalten. «Alles, was wir je wollten, ist sie zu finden, die Wahrheit ans Licht zu bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen», heisst es in einem Statement der Eltern in der Scotland-Yard-Mitteilung. «Wir werden niemals die Hoffnung aufgeben, Madeleine lebend zu finden, aber was auch immer herauskommen sollte, wir müssen es wissen, weil wir Frieden finden müssen.»

Sie kaufe noch immer Geschenke für ihre Tochter an Weihnachten und zum Geburtstag, hatte Mutter Kate McCann in einem BBC-Interview zum 10. Jahrestag von Maddies Verschwindens 2017 gesagt.

SDA