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«Es braucht aufgeklärten Glauben»

«Der Gläubige lässt dem dauernden Zweifel Raum»: Christian Rutishauser. Fotos: Reto Oeschger

Sie sind eben zurückgekehrt aus Israel, einem Land, das stark unter religiösen Konflikten leidet. Die säkulare Schweiz kennt dieses Problem nicht. Kann man sagen: Je weniger die Religion in einem Staat eine Rolle spielt, desto weniger Probleme gibt es?

Trotzdem wird viel Leid von Personen verursacht, die sich auf eine Religion berufen – derzeit etwa mit dem islamistischen Terror.

Religion und Aufklärung waren aber jahrhundertelang Gegensätze.

Nun könnte man argumentieren, dass eine vernunftorientierte Gesellschaft, die religiöse Bindungen überwunden hat, eine weitere Entwicklungsstufe darstellt.

Ist nicht eine Ethik zu bevorzugen, die auf dem universellen Anspruch der Menschenrechte beruht – gegenüber einer Vielzahl von Religionen mit ihren jeweils unterschiedlichen Wertesystemen?

«In Europa leidet das Christentum unter einem Sprachverlust. Das ist bedauerlich.»

Dann sollte das Christentum wieder präsenter werden in der Öffentlichkeit?

Dass sich Politiker wie Donald Trump auf ihren Glauben berufen, ist jetzt nicht wirklich ein schlagendes Argument für mehr Religion in der Öffentlichkeit.

Und wie soll der Rechtsstaat mit diesen Religionsgemeinschaften umgehen?

Was bedeutet das in Bezug auf Schwimmdispens von muslimischen Schülern oder die Totalverschleierung?

Bedeutet Gleichbehandlung auch, dass der Islam in der Schweiz als Religion öffentlich-rechtlich anerkannt werden soll?

Das Christentum wäre dann nur noch eine Religion unter mehreren.

«Aus unserer Verfassung lässt sich keine Vormachtstellung des Christentums ableiten.»

Es gibt Stimmen, die einen Vorrang des Christentums mit der Bundesverfassung begründen. Diese beginnt mit den Worten: «Im Namen Gottes des Allmächtigen!»

Der Schriftsteller Thomas Hürlimann bedauert den Rückzug des Christentums aus der Öffentlichkeit und sagt: «Wo früher das Kreuz hing, hängt heute das Rauchverbot.»

Und wie glaubt ein moderner, aufgeklärter Christ des 21. Jahrhunderts?

Der deutsche Historiker Wolfgang Reinhard sagte kürzlich, er gehe jeden Sonntag zur Kirche und sogar zur Osterbeichte. Aber er glaube «nicht so richtig daran».