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Mehr ÖV in ZürichEs geht vorwärts mit dem Tram Affoltern

Das Zürcher Aussenquartier boomt, der Bus ist chronisch überfüllt. Jetzt ist das Vorprojekt für die neue Tramstrecke genehmigt. Und der Regierungsrat spricht Geld.

Ab 2027 soll auch Zürichs Nordwesten mit dem Tram erschlossen sein.
Ab 2027 soll auch Zürichs Nordwesten mit dem Tram erschlossen sein.
Visualisierung: VBZ

Affoltern ist – neben Witikon – der letzte weisse Fleck auf der Stadtzürcher Tramkarte. Seit Jahren klagt das Quartier in Zürich-Nord, ÖV-mässig nicht gut genug erschlossen zu sein. Dessen Bevölkerungszahl ist in den letzten 15 Jahren um 40 Prozent gestiegen und wird gemäss Prognosen bis 2035 um weitere 20 Prozent anwachsen. Ausser in Corona-Zeiten ist der 32er-Bus zwischen Bucheggplatz und Zehntenhausplatz zu Stosszeiten gerammelt voll, obwohl Doppelgelenkbusse im 6-Minuten-Takt fahren.

Sieben neue Tramstationen sind geplant.
Sieben neue Tramstationen sind geplant.
Karte: VBZ

Abhilfe soll ein neues Tram bringen, über das schon lange geredet wird. Das Vorprojekt für die Strecke zwischen Radiostudio und Holzerhurd liegt seit Ende 2019 vor, wie der Regierungsrat mitteilte. Er hat es im Frühling genehmigt, womit die Linienführung, die Lage der Haltestellen sowie die Gestaltung des Strassenraums fix sind. Die Regierung hat nun 16 Millionen Franken gesprochen für die nächste, rund vierjährige Projektierungsphase.

Erste Tramfahrt 2027

«Die dynamische Entwicklung im Gebiet Affoltern verlangt einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr. Dies entspricht den verkehrspolitischen Zielen des Regierungsrats», lässt sich Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) in der Mitteilung zitieren.

Das Tram soll Affoltern mit der City verbinden, der 11er zwischen Rehalp und Holzerhurd fahren. Der 32er-Bus wird zwischen dem Radiostudio, das bald keines mehr ist, und Holzerhurd aufgehoben. Die Buslinien 61 und 62 verkehren weiterhin auf der Wehntalerstrasse und können das geplante ÖV-Trassee mitnutzen. Den heutigen Ast des 11er-Trams nach Auzelg übernimmt künftig der 15er.

Der Baustart ist 2024 geplant, das erste reguläre Tram soll im Dezember 2027 fahren. Es wird eine grössere Baustelle. Die Neubaustrecke ist 4 Kilometer lang, gleichzeitig sollen die Werkleitungen der Wehntalerstrasse erneuert werden.

280-Millionen-Projekt

Da es sich um ein grösseres ÖV-Projekt handelt, ist der Bund beteiligt. Die VBZ haben die Konzession beantragt, wie sie mitteilen. Der Regierungsrat hat die VBZ nun beauftragt, das Projekt mit Kostenvoranschlag zu erarbeiten. Dieses dient darauf als Grundlage für den Baukredit und die Einreichung des Plangenehmigungsgesuchs beim Bund.

Gemäss Vorprojekt liegen die Gesamtkosten bei 280 Millionen Franken, wobei eine Kostengenauigkeit von plusminus 20 Prozent gilt. Das Vorhaben soll aus dem Zürcher Verkehrs- und dem Strassenfonds finanziert werden. Der Kanton wird beim Bund die Mitfinanzierung des Projekts im Rahmen des Agglomerationsprogramms Stadt Zürich–Glattal der 4. Generation beantragen. Der Bund zahlt bei solchen Ausbauvorhaben in der Regel rund 35 Prozent der Kosten.

Das Tram Affoltern ist – sofern es alle politischen Hürden schafft – die nächste neue Linie nach der Glattalbahn (2006/2008/2010), dem Tram Zürich-West (2011) und der Limmattalbahn (2019/2022). Im vergangenen Februar hat das Stimmvolk das Rosengartenprojekt versenkt, welches auch zwei neue Tramlinien beinhaltete.

13 Kommentare
    Hans Züllig

    Innovativ und zukunftsweisend ist das ganze überhaupt nicht. Es stellt bestensfalls einen Nachtrag zu einem längst bestehenden Bedürfnis dar, welches obendrein aufgrund der bummelei der Stadt dutzende Millionen teurer wird. Der Preis für das bisschen Tramschiene und die gewohnt spartanische Haltestelleninfrastruktur ist einfach nur exorbitant. Die durchgendenden Punkt zu Punkt Verbindungen der Tramlinien führen zwangsläufig zu innefizienten Streckenabdeckungen, da sich fast alle in der Mitte treffen. Das führt zu den heute chaotischen Zuständen rund um den HB, wo man grad so gut laufen kann, statt im Tram zu sitzen und zu warten. Gefragt wären Ringverbindungen, möglichst unterirdische Streckenführungen, Entflechtung der Tramsstrecken vom übrigen Verkehr und klare Signalisationen (wegen den 1500 Unfällen pro Jahr der VBZ). Davon ist man weiter weg denn je bei der VBZ. Es sind auch immer die gleichen Leute, die seit Jahren am Werk sind. Man merkt das auch.