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Corona-Ausbruch in ChinaUS-Aussenminister will Belege für Labor-Theorie haben

Eine Geheimdienstallianz kritisiert China und den Umgang mit dem Coronavirus. US-Aussenminister Mike Pompeo erklärt, dass das Coronavirus wohl aus einem Labor in Wuhan stammt.

In einem exklusiven Interview mit dem Fernsehsender ABC belastete US-Aussenminister Mike Pompeo China schwer. Es gebe signifikante Beweise, dass Covid-19 aus einem chinesischen Labor in Wuhan stamme und China den Ausbruch zu lange verheimlichen wollte.
In einem exklusiven Interview mit dem Fernsehsender ABC belastete US-Aussenminister Mike Pompeo China schwer. Es gebe signifikante Beweise, dass Covid-19 aus einem chinesischen Labor in Wuhan stamme und China den Ausbruch zu lange verheimlichen wollte.
Reuters
Ein Geheimdienstpapier weist auf riskante Forschungsarbeiten in einem Labor in Wuhan hin: Covid-19-Patient in einem Spital. (Archivbild)
Ein Geheimdienstpapier weist auf riskante Forschungsarbeiten in einem Labor in Wuhan hin: Covid-19-Patient in einem Spital. (Archivbild)
Keystone/Claudio Furlan
Beschuldigt China, Labore ohne die notwendigen Standards zu  betreiben: US-Aussenminister Mike Pompeo. (Archivbild)
Beschuldigt China, Labore ohne die notwendigen Standards zu betreiben: US-Aussenminister Mike Pompeo. (Archivbild)
Keystone/Jacquelyn Martin
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In der Corona-Krise nimmt internationale Kritik an Chinas Umgang mit der Pandemie zu. In einem westlichen Geheimdienstpapier wird Peking scharf für den Umgang mit der Epidemie gerügt. Das Dossier der «Five Eyes» genannten Geheimdienstallianz der USA, Grossbritanniens, Australiens, Kanadas und Neuseelands fasst die Vorwürfe und Verdächtigungen zusammen, wie die australische Zeitung «Saturday Telegraph» am Wochenende berichtete.

Demnach dokumentiert das Dossier die Vertuschung chinesischer Behörden und weist auf riskante Forschungsarbeiten in einem Labor in der chinesischen Stadt Wuhan hin, wo das neue Coronavirus im Dezember erstmals aufgetaucht war. Auch US-Aussenminister Mike Pompeo erhob am Sonntag erneut schwere Anschuldigungen gegen Peking.

Das 15-seitige Dokument der «Five Eyes» demonstriert die Stossrichtung der laufenden Ermittlungen der Nachrichtendienste. Es erwähnt nach Angaben der Zeitung aber auch ihre Differenzen bezüglich des Verdachts, dass das Virus wirklich aus dem Institut für Virologie in Wuhan stammen könnte.

Virus nicht künstlich erzeugt

US-Präsident Donald Trump hatte die Spekulationen darüber angefacht. Nach eigenen Angaben hat Trump Hinweise darauf, dass die Pandemie ihren Ursprung in jenem Forschungslabor in Wuhan genommen haben könnte. Auf die Frage eines Journalisten, ob er Informationen darüber habe, die ihm ein hohes Mass an Gewissheit in dieser Hinsicht gäben, sagte Trump am Donnerstag im Weissen Haus gleich zwei Mal: «Ja, habe ich.»

Auch Pompeo sagte am Sonntag dem US-Sender ABC, es gebe «signifikante» Belege, dass die Krise in jenem Labor ihren Anfang genommen habe. Auf Nachfrage sagte er, er dürfe sich zu Details nicht äussern. Pompeo beschuldigte China aber, bereits in der Vergangenheit Labore ohne die notwendigen Standards betrieben zu haben. Es sei nicht das erste Mal, dass die Welt wegen eines Fehlers in einem chinesischen Labor einem Virus ausgesetzt sei.

Der Leiter des Labors in Wuhan, Yuan Zhiming, hatte Vorwürfe, das Coronavirus sei dort freigesetzt worden, bereits vor längerer Zeit zurückgewiesen. Wissenschaftler halten es für viel wahrscheinlicher, dass Sars-CoV-2 von Fledermäusen über ein anderes Tier und durch den Wildtierhandel auf den Menschen übertragen wurde. China hatte deswegen im März den Handel mit wilden Tieren verboten.

Wissenschaftler haben auch nachgewiesen, dass das Virus nicht künstlich erzeugt worden ist, sondern natürlichen Ursprungs ist, wie vergangene Woche auch die US-Geheimdienste bestätigten.

Schwere Vorwürfe an China

In dem Geheimdienstpapier der «Five Eyes» wird auf gefährliche Forschungsarbeiten in dem Labor mit Viren von Fledermäusen verwiesen, die allerdings auch in Zusammenarbeit mit amerikanischen und australischen Wissenschaftlern erfolgt waren.

Das Papier bildet laut «Saturday Telegraph» die Grundlage für die Vorwürfe, denen die Geheimdienste nachgehen. Es hält fest, wie Chinas Behörden frühzeitige Warnungen von Medizinern unterdrückten, das wahre Ausmass des Ausbruchs herunterspielten und Informationen zensierten, was auch in Medienberichten bereits mehrfach dargestellt wurde. Die Vertuschung wird in dem Dossier als «Anschlag auf die internationale Transparenz» beschrieben.

Besonders beklagt wird, dass China noch bis zum 20. Januar bestritten hatte, dass sich das Virus von Mensch zu Mensch übertrage. Dafür habe es schon seit Anfang Dezember Hinweise gegeben, heisst es in dem Papier. Auch wird China darin vorgeworfen, Virusproben vernichtet zu haben und Veröffentlichungen von Wissenschaftlern über das Virus streng zu kontrollieren. Chinas Behörden hätten sich ausserdem geweigert, Lebendproben internationalen Forschern zur Verfügung zu stellen.

Pompeo droht mit Konsequenzen

Auch Pompeo warf der chinesischen Führung vor, sie habe versucht, zu vertuschen und zu verwirren, und so grossen Schaden angerichtet. Auf die Frage nach möglichen Konsequenzen für Peking sagte er: «Wir werden die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.» Inzwischen hätten auch andere Staaten eingesehen, dass China die Krise verursacht habe.

Der deutsche Aussenminister Heiko Maas äusserte keine Vorwürfe gegen China, rief das Land aber auf, sich umfänglich an der Aufklärung des Coronavirus-Ursprungs zu beteiligen. «Die ganze Welt hat ein Interesse, dass der genaue Ursprung des Virus geklärt wird», sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Fundierte Antworten darauf muss aber die Wissenschaft geben, nicht die Politik. China kann hier unter Beweis stellen, wie transparent es mit dem Virus tatsächlich umgehen will.»

anf/sda

194 Kommentare
    Lucas Wyrsch

    Internes Dokument: Steigende Infektionszahlen in USA prognostiziert

    Die «New York Times» hat eine vom Gesundheitsministerium und der Katastrophenschutzbehörde Fema zusammengestellte Präsentation veröffentlicht, in der zwei Diagramme mit dem Vermerk «nur für den Dienstgebrauch» enthalten sind.

    In einem davon wird prognostiziert, dass die Zahl der neuen Coronavirus-Fälle bis zum 1. Juni auf rund 200'000 pro Tag zunehmen könnte.

    Zuletzt hatte die Gesundheitsbehörde CDC von Samstag auf Sonntag einen Anstieg um knapp 30'000 verzeichnet.

    Experten erwarten einem weiteren Diagramm zufolge, dass die Zahl der Todesfälle infolge einer Coronavirus-Erkrankung bis zum 1. Juni auf etwa 3000 pro Tag steigen könnten.

    Zuletzt hatte die Gesundheitsbehörde wiederum von Samstag auf Sonntag einen Anstieg der Toten um 1452 vermeldet.

    Das Weisse Haus wies die Prognosen zurück.

    Sie spiegelten weder die Modelle der Coronavirus-Arbeitsgruppe im Weissen Haus noch die von ihr analysierten Daten wider, teilte der Vizesprecher des Weissen Hauses mit.

    Laut Johns-Hopkins-Universität sind in den USA rund 1.2 Millionen Infektionen bestätigt.

    Fast 70'000 Menschen starben. Kein Land weist mehr Infizierte und mehr Opfer aus.