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Audi e-tron SEs lebe der (E-)Sport

Sowohl politisch wie wirtschaftlich steigt der Druck auf die Autobauer, auf elektrische Modelle zu setzen. Audi setzt mit dem bärenstarken e-tron S im Segment der sportlichen Stromer ein Ausrufezeichen.

Elektro-Sportler: Als «S» und Sportback wird der Audi e-tron zum lautlosen Sportwagen.
Elektro-Sportler: Als «S» und Sportback wird der Audi e-tron zum lautlosen Sportwagen.
Audi
Dank 370 kW (503 PS) werden die meisten Autofahrer den e-tron S von hinten sehen.
Dank 370 kW (503 PS) werden die meisten Autofahrer den e-tron S von hinten sehen.
Audi
«S» mit Auftritt im edlen Lederpolster
«S» mit Auftritt im edlen Lederpolster
Audi
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Elektroautos sind grundsätzlich sportlich ausgelegt, weil das maximale Drehmoment sofort zur Verfügung steht, sobald Strom in den Motor fliesst. Deshalb ist das Beschleunigen aus dem Stand schon mit einem Kleinwagen eindrücklich. Wenn aber vom Audi e-tron, der ohnehin nur 5,7 Sekunden braucht, um Tempo 100 zu erreichen, eine Sportversion erscheint, dann ist einiges nötig, um einen leistungsmässigen Unterschied zu erzielen und diesen auch sichtbar zu machen. Das fängt bei der Optik an: Der e-tron S trägt nicht einfach nur einen S-Badge am Heck, sondern ist volle 4,6 Zentimeter breiter als das Basismodell, was ihm einen wuchtigen Auftritt verschafft. Verschiedene Aerodynamik-Bauteile prägen die Karosserie des sportlichen E-Mobils, das in der Schweiz ab November zu kaufen ist, zusätzlich.

Audi hat bei der technischen Entwicklung der S-Version, die wie der normale e-tron auch als Sportback-Variante angeboten wird, nicht einfach nur die Batteriekapazität erhöht und die Motorenleistung gesteigert. Um sich auch von der starken Konkurrenz von Tesla abzuheben, die in der Oberklasse der Elektromobilität den Ton angibt, ist mehr Erfindergeist gefragt. Deshalb hat Audi das Antriebskonzept komplett überdacht und neu ausgelegt. So kommen im e-tron S als technische Innovation drei Elektromotoren zum Einsatz – eine Weltneuheit.

Drei Motoren für 973 Newtonmeter

Zusammen leisten der Motor an der Frontachse und der Twin-Motor an der hinteren Achse 370 Kilowatt, was 503 PS entspricht. Das maximale Drehmoment beträgt sagenhafte 973 Newtonmeter. Diese Leistung steht zwar nur im S-Modus zur Verfügung und auch dann als Boost bloss für 8 Sekunden. Die Beschleunigung in dieser kurzen Zeit ist beeindruckend, vor allem weil sie ansatzlos und ruckfrei erfolgt. Aus dem Stand lässt sich der immerhin über 2,5 Tonnen schwere Audi e-tron S in 4,5 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Hinter dem Lenkrad spürt man von dieser Masse nichts, man gleitet so leicht über die Strassen, dass fast ein Gefühl von Fliegen aufkommt. Gebremst wird über die E-Motoren oder über die hydraulischen Bremsen – oder mit beiden Systemen zusammen.

In den Kurven würde diese Leistungsentfaltung das Auto an seine physikalischen Grenzen bringen, wenn Audi nicht das schon von Modellen mit Verbrennungsmotoren bekannte Torque-Vectoring-System in Verbindung mit dem Vierradantrieb Quattro verwenden würde. Im e-tron S schickt die Software ohne mechanisches Differenzial das Drehmoment elektrisch in Sekundenbruchteilen jeweils an jene Räder, an denen es gerade gebraucht wird. Das kommt der Agilität des Fahrzeugs zugute. Auch beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven hält das System das Auto stoisch auf Kurs. Die gute Strassenlage verdankt der Elektro-Sportwagen auch dem Umstand, dass die Batterien unter dem Fahrzeugboden verbaut sind und so für einen tiefen Schwerpunkt sorgen. Schliesslich regelt die Luftfederung die Höhenlage der Karosserie und senkt sie je nach Fahrsituation und Einstellung um bis zu 76 Millimeter ab.

Ist der D-Fahrmodus ausgewählt, leistet der sportliche e-tron auch immer noch stattliche 320 Kilowatt und entwickelt 808 Newtonmeter Drehmoment. Aus Gründen der Effizienz wird der Audi e-tron S bei normaler Fahrt nur von den hinteren Motoren angetrieben. Erst wenn mehr Leistung abgerufen wird, schaltet sich der Frontmotor zu. Diese Massnahme hat wohl auch damit zu tun, dass die maximale Reichweite, eine wichtige Kennzahl bei Elektroautos, nicht gerade üppig ausfällt. Gut 365 Kilometer sind zwar nicht wenig, aber auch nicht wirklich viel, wenn regelmässig längere Strecken zurückgelegt werden müssen. Und wenn häufig im S-Modus gefahren und «geboostet» wird, verringert sich die Reichweite überproportional. Da hilft das Rekuperieren beim Bremsen, für das drei Stufen verfügbar sind, nicht viel weiter.

Wird dabei die Einstellung mit der grössten Energierückgewinnung gewählt, verzögert der Audi e-tron S stark, wenn man vom Gaspedal geht, sodass das Bremspedal kaum noch gebraucht wird. Mit ein bisschen Übung ist weitgehend das sogenannte One-Pedal-Driving möglich – für das es auch etwas Übung braucht. Für den grössten Teil der Fahrten dürfte die Reichweite allerdings ausreichend sein. Wer den Stromer zu Hause aufladen kann, ist klar im Vorteil, wobei die Installation einer Wallbox zu empfehlen ist. Sonst muss die ganze Nacht hindurch geladen werden. Unterwegs haben Audi-Fahrer europaweit Zugang zu rund 150’000 Ladestationen. Im schnellsten Fall dauert der Ladevorgang von 5 auf 80 Prozent etwa eine halbe Stunde. Damit lässt sich leben.