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Das schnelle Ende von Trainer DjuricinEs rumpelt weiter bei GC

Die neue Führung beim Challenge-League-Club schlägt bei ihrem personellen Umbau weiter ein beachtliches Tempo an – jetzt hat sie sich auch noch von Trainer Goran Djuricin getrennt.

Am Montag leitete er noch ein Training.
Am Montag leitete er noch ein Training.
Keystone

Ja oder nein? Links oder rechts? Das war die Frage, die sich für Sportchef Bernard Schuiteman und seine Kollegen in der Führung von GC stellte. Und die Antwort darauf ist am Freitag bekannt geworden: Der Club sagt Nein zu einer Zukunft mit Goran Djuricin, wählt den Weg durch die Mitte und befördert den stillen Assistenten Zoltan Kadar zum interimistischen Nachfolger. An seiner Seite steht Stephan Helm. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Helm vor ein paar Tagen als Trainer der U-21 abgesetzt worden ist.

«Wir haben das intern besprochen», sagt Schuiteman, «wir haben das so entschieden.» Aus seiner Sicht muss das als Antwort zur neuesten Entwicklung reichen, den Entscheid gegen Djuricin mag er nicht begründen.

Im April hatte sich Schuiteman, damals frisch im Amt als Sportchef, erstmals mit Djuricin in Österreich getroffen. Schuiteman war da, weil er seit vielen Jahren in einem Bauerndorf ausserhalb von Wien lebt, und Djuricin war es, weil er wegen der Coronakrise nicht arbeiten konnte und darum in seiner Heimat Wien war. Sportchef und Trainer waren sich dabei einig, dass sie «noch was aus der Mannschaft rausholen können». So sagte das Schuiteman einmal. Und das gemeinsame Ziel war schnell formuliert: alles unternehmen, um die Chance auf einen Aufstieg zumindest über die Barrage wahrnehmen zu können.

Das grosse Aufräumen

Jetzt ist alles anders, und es überrascht trotzdem nicht. Die neue Führung der Grasshoppers ist mit einem beachtlichen Tempo unterwegs, mit dem sie am Umbau des Vereins arbeitet. Dabei hinterlässt sie den Eindruck, als würde sie im Sandkasten sitzen und gerade lernen, wie man einen Fussballclub führt. Um die 15 Leute sind es, die deshalb innerhalb von gerade einmal fünf Wochen ihren Job verloren haben.

Der Prominenteste ist Fredy Bickel, der offiziell seit 1. Oktober Geschäftsführer und Sportchef in einem war. Er hatte viel gearbeitet, um einen taumelnden Club zusammen mit Verwaltungsrat Andras Gurovits wieder zu stabilisieren und zu beleben. Bevor er gehen musste, war er von den neuen Besitzern aus China noch gezwungen worden, den Juristen Vitus Derungs zu entlassen.

Danach begann die neue Leitung um Geschäftsführer Shqiprim Berisha im Nachwuchs zu hobeln. Allein 10 Trainer und Betreuer traf es in diesem Bereich, unter ihnen die Trainer von U-21, U-18, U-16 und U-15. Das ganze Lohnkonstrukt stehe in keinem Verhältnis, hat der neue Marketing- und Kommunikationschef Adrian Fetscherin dazu gesagt, darum diese Korrekturen. Die betroffenen Trainer bezogen auch in der Challenge League Löhne auf Super-League-Niveau, offenbar zwischen 8000 und 12’000 Franken im Monat. Dann hat Teammanager Christian Künzli seine Konsequenzen gezogen und auf Ende August gekündigt. Immerhin hat er den freiwilligen Abgang gewählt.

Nun also ist Djuricin das Opfer der Lust von Berisha, Schuiteman und Co. auf die schnelle Veränderung. Überraschend ist das deshalb nicht, weil Berisha im Hintergrund alles zu unternehmen versuchte, um Djuricins Anstellung im Februar zu verhindern. Djuricin war ein alter Vertrauter von Bickel, zusammen hatten sie bei Rapid Wien gearbeitet, bis Bickel gezwungen war, den Trainer zu entlassen, von dem er auch menschlich viel hält.

«Grüss Gott miteinander», sagte Djuricin, als er sich am 10. Februar auf dem Campus von Niederhasli als neuer Trainer von GC vorstellte, «ich freue mich riesig, dass ich bei einem so tollen Club sein darf.» Er zog im Haus von Bickel ein, da hat der Einfachheit halber auch in den letzten Tagen noch gewohnt - allerdings mit dem Segen von Gurovits und Berisha.

Trainer Goran Djuricin ist nach nur zwei Partien schon wieder weg.
Trainer Goran Djuricin ist nach nur zwei Partien schon wieder weg.
KEYSTONE

Djuricins Negativrekod

Ob dieser Club wirklich so toll ist, das ist nun eine andere Frage. Vergangenen Freitag hiess es in Niederhasli, dass alle Verträge, die entweder Ende Mai oder Ende Juni auslaufen, bis Ende August verlängert werden. Am Mittwoch wurde Djuricin mitgeteilt, bis Freitag sollte alles geregelt sein. Am Freitag dann sagt ihm Schuiteman etwas ganz anderes: dass es nicht weitergeht. «Dass wir die Verträge bis August verlängern?», fragt der Sportchef zurück, «das kann ich nicht sagen, ich kann keine Gerüchte kommentieren.»

Nun ist gut möglich, dass das ein juristisches Nachspiel hat. Djuricin könnte sich auf den Standpunkt stellen, dass sein am 31. Mai auslaufender Vertrag mündlich um drei Monate bis Ende August verlängert worden sei.

Neun Cheftrainer hat GC seit dem Cupsieg mit Uli Forte vor ziemlich genau sieben Jahren verbraucht, Tomislav Stipic ist als das 33-Tage-Missverständnis in die Clubgeschichte eingegangen, Djuricin erhält einen besonderen Eintrag, er hat es zwar auf 95 Tage gebracht, wegen der Coronakrise aber nur auf zwei Spiele an der Seitenlinie: beim 0:1 gegen Kriens und beim 3:0 in Schaffhausen.

«Wir fokussieren uns nun komplett auf das Ende dieser Saison», sagt Sportchef Schuiteman, «aber mit einem Auge schauen wir in die Zukunft, wer unser neuer Trainer sein könnte.» Es würde nicht erstaunen, wenn dieses Auge den Mann bereits im Visier hat. Er könnte ja René van Eck heissen.