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Sprint-Star lässt tief blicken«Es war noch nie so schwierig»

Noah Lyles ist Weltmeister über 200 m und mit der Staffel. Seit seiner Kindheit kämpft er mit Depressionen. Nun haben sie sich verschlimmert.

Noah Lyles läuft die 200 Meter beim Diamond-League-Meeting in Monaco in 19,76 Sekunden. Dort spricht er auch offen über seine Depressionen.
Noah Lyles läuft die 200 Meter beim Diamond-League-Meeting in Monaco in 19,76 Sekunden. Dort spricht er auch offen über seine Depressionen.
Foto: Getty Images

Noah Lyles ist nach dem Rücktritt von Usain Bolt ein neuer Stern in der Sprint-Szene. Äusserlich macht der Doppel-Weltmeister von Doha 2019 einen soliden Eindruck: Er ist gross, muskulös und immer wieder zu Spässen aufgelegt. Beim Diamond-League-Meeting in Monaco schüttelte er am vergangenen Freitag seine Konkurrenz abermals ab und lief die 200 Meter in 19,76 Sekunden als Schnellster ins Ziel. Ein ernster Lyles hatte vor dem Meeting allerdings über seinen zurzeit wohl ärgsten Verfolger gesprochen.

Der US-Amerikaner erzählte unverhohlen von seinen Depressionen, die ihn seit seiner Kindheit verfolgen. Diese hätten sich im Zuge der Corona-Pandemie im April noch verschlimmert.

«Man musste mit dem Coronavirus und der Verschiebung Olympias umgehen, dann kam Black Lives Matter dazu. Es war der perfekte Sturm aus all diesen Dingen», sagte Lyles. Wo er hinschaute, seien nur noch Gewalt und Tod gewesen.

Es wurde immer schlimmer

Bereits Anfang dieses Monats liess sich der 23-Jährige von der «Washington Post» zitieren: «Das fängt an, Angst zu machen. Die Angst wird zur Angststörung – und dann zur Depression. Das kann schnell sehr schlimm werden.» Lyles habe nicht mehr weitergewusst: «Worauf soll ich meine Aufmerksamkeit jetzt richten?», fragte er. Besonders der gewaltsame Tod von George Floyd und die Kämpfe der Bürgerrechtsbewegung um Anerkennung seien «der letzte Nagel im Sarg» gewesen.

Einen Lösungsansatz scheint der US-Amerikaner aber gefunden zu haben. Auf Anraten seiner Mutter hat er sich nun Medikamente verschreiben lassen. Bereits Anfang August teilte er auf Twitter mit, dass er Antidepressiva zu sich nehmen würde. «Eine der besten Entscheidungen meines Lebens», schrieb er dazu. Nebst einer medikamentösen Behandlung sucht Lyles regelmässig einen Therapeuten auf, um seine mentalen Probleme in den Griff zu bekommen.

boq