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«Manny» Pacquiao im PorträtEx-Boxweltmeister macht steile politische Karriere

Volksheld, Senator und Chef der Regierungspartei der Philippinen: Emmanuel «Manny» Pacquiao wird bereits als Nachfolger von Staatschef Rodrigo Duterte gehandelt.

Politiker mit konservativer Härte und extremen Positionen: Emmanuel «Manny» Pacquiao (42), Chef der PDP-Laban-Partei.
Politiker mit konservativer Härte und extremen Positionen: Emmanuel «Manny» Pacquiao (42), Chef der PDP-Laban-Partei.
Foto: Getty Images

Für einen Titanen ist Emmanuel «Manny» Pacquiao relativ klein, nur 1,66 Meter hoch. Aber im Boxring, da war Pacquiao einer der Grössten – immer im Vorwärtsgang, mit links wie rechts hart zuschlagend. Pacquiao ist der einzige Profiboxer in der Geschichte, der in sieben Gewichtsklassen anerkannter Boxweltmeister wurde: vom Fliegengewicht (bis 50,802 kg) bis zum Superweltergewicht (bis 69,853 kg).

Nicht nur wegen seines Rekords, sondern auch wegen seiner Fairness und Freundlichkeit war Pacquiao als Sportler ein Publikumsliebling. Er selbst sagte meistens nicht viel, weder nach einem Sieg (62-mal) noch nach einer Niederlage (7-mal).

Sportidol im gesamten asiatischen Raum

Seine Geschichte wurde immer wieder erzählt: Wie er als Preisboxer in der Provinz anfing, sich für ein paar philippinische Pesos prügelte, einfach nur um Essen auf den Tisch zu bekommen, und schliesslich zum Dollarmillionär wurde, mit Kämpfen gegen Männer wie Floyd «Money» Mayweather.

Seinen ersten Weltmeistertitel hatte er gegen den Thailänder Chatchai Sasakul gewonnen. Boxen ist in Thailand Volkssport, aber auch auf den Philippinen populär, nicht zuletzt durch den legendären Schwergewichtskampf zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier, dem «Thrilla in Manila» von 1975.

Doch selten schafft es einer der kleinen Titanen, zum Weltstar zu werden. Lange bevor Pacquiao in die Politik ging, galt er bereits als Volksheld – im gesamten asiatischen Raum. Es war also keine grosse Überraschung, dass der erzkatholische Manny Pacquiao im Mai 2010 die Kongresswahlen in der Provinz Sarangani gewann und daraufhin deren Vertreter im Repräsentantenhaus wurde. 2016 wurde er in den Senat gewählt.

Anfang Dezember berief ihn Präsident Rodrigo Duterte sogar zum Vorsitzenden der regierenden PDP-Laban-Partei. In dieser Funktion trat Pacquiao als Fürsprecher der philippinischen Polizei auf: Die Bürger sollten «mehr Liebe und Fürsorge» für die Beamten zeigen, damit diese ihren Job engagiert machen könnten.

Pacquiao will die Todesstrafe wieder einführen. Er positioniert sich noch weiter rechts als Duterte.

Vorangegangen war ein landesweiter Aufschrei, nachdem ein Polizist nach einer Streiterei eine 52-jährige Frau und ihren 25-jährigen Sohn erschossen hatte – ein Vorgang, der sogar dem notorisch gewaltverherrlichenden Staatschef Duterte zu weit gegangen war.

Duterte ist mittlerweile 75 Jahre alt. Seit er Pacquiao zum Vorsitzenden der PDP-Laban-Partei gemacht hat, wird spekuliert, dass der 42-jährige Ex-Weltmeister ihm nachfolgen könnte. Pacquiao scheint sich zu diesem Zweck noch weiter rechts von Duterte zu positionieren. Er setzt sich ausserdem für die rasche Wiedereinführung der Todesstrafe ein, um die Opfer von Verbrechen schneller und effektiver zu ihrem Recht kommen zu lassen.

Politik für stramm katholisches Land

Dabei verprellte er bereits vor vier Jahren Fans mit seinen extremen Aussagen. Homosexuelle seien «schlimmer als Tiere», sagte Pacquiao. Er verlor daraufhin seinen Sponsoringvertrag mit dem Sportartikelhersteller Nike und entschuldigte sich, falls er jemanden beleidigt haben sollte. Doch dann legte er per Instagram noch mal nach und bezog sich auf die Bibel: «Ich höre lieber auf Gottes Wort als auf die Versuchung des Fleisches.»

Für seine zukünftigen Wähler – die Philippinen sind mit über 86 Prozent Bevölkerungsanteil ein stramm katholisches Land – könnte Manny Pacquiao sich gerade durch seine konservative Härte und extremen Positionen empfehlen.

7 Kommentare
    Gerrit Gerritsen

    Nun, als Boxer hat er sicher gelernt Lehren aus seine Niederlagen zu ziehen. Und er kennt die Welt des Durchschnittsmenschen in seinem Land. Aber vermutlich zu wenig links, sodass das (kapitalistische) Etablischment ihm Steine in den Weg legen wird.