Zum Hauptinhalt springen

Angriffe auf LGBT-CommunityFälle von homophoben Attacken vor dem Richter

In Zürich kam es im vergangenen Jahr zu mehreren brutalen Angriffen auf Homosexuelle. Drei junge Männer wurden deswegen bestraft. Mehrere Verfahren sind noch hängig.

Homosexualität frei ausleben ist nicht einfach: In Zürich kam es zu mehreren Angriffen gegen Homosexuelle.
Homosexualität frei ausleben ist nicht einfach: In Zürich kam es zu mehreren Angriffen gegen Homosexuelle.
Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

Die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat hat einen 20-jährigen Serben wegen schwerer Drohung und Tätlichkeiten per Strafbefehl verurteilt. Der Mann soll im Mai 2019 den Stand einer LGBT-Flyeraktion beim Lochergut verwüstet haben. Zudem habe er einen Standbetreuer gepackt und ihn dazu aufgefordert, sich «zu verpissen», sonst schlage er ihn zusammen, schreibt die NZZ am Mittwoch.

Der Serbe wurde mit einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 30 Franken bestraft, wovon ein Tagessatz bereits durch Haft erstanden ist. Hinzu kommen Verfahrenskosten und eine Busse von insgesamt 1100 Franken.

Wirbel in den sozialen Medien

Der fragliche Vorfall ereignete sich am Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie. An einem Flyerstand beim Lochergut verteilten junge Menschen blau-rot-orange-grün marmorierte Kuchenstücke und Infobroschüren, als sie von vier jungen Männern angegriffen wurden.

Einer schnitt dabei das Regenbogenbanner am Stand der LGBT-Aktivisten ab. Sie schubsten die Leute weg, warfen den Tisch um und liessen die Fahne mitgehen. Wenig später kehrte der nun Verurteilte zurück, bedrohte die Aktivisten erneut und packte einen von ihnen am Hals, liess aber wieder von ihm ab und verschwand. Ein Video von dem Vorfall machte schnell auf Social Media die Runde. Der Angriff schlug hohe Wellen.

Beteiligung nicht nachweisbar

Nebst der Staatsanwaltschaft wurde in diesem Fall auch die Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt aktiv. Sie eröffnete gemäss NZZ Strafuntersuchungen gegen zwei Minderjährige wegen geringfügiger Sachbeschädigung sowie geringfügigen Diebstahls. Wie die Sprecherin der Jugendanwaltschaft, Sarah Reimann, gegenüber der Zeitung sagt, sei eines dieser Verfahren mittlerweile eingestellt worden, weil man dem Jugendlichen eine Beteiligung am Angriff nicht habe nachweisen können. Die Untersuchung gegen den zweiten Beschuldigten ist noch hängig.

Auswirkungen der Attacke: Bild des 24-Jährigen, der im Zürcher Niederdorf in der Silvesternacht verprügelt wurde.
Auswirkungen der Attacke: Bild des 24-Jährigen, der im Zürcher Niederdorf in der Silvesternacht verprügelt wurde.
Foto: zvg

Es sind nicht die einzigen Fälle von homophober Gewalt, bei denen die Behörden aktiv wurden. Gemäss NZZ konnten inzwischen zwei Verfahren der Jugendanwaltschaft Unterland gegen vier Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren abgeschlossen werden, die in der Silvesternacht 2019 im Niederdorf ein homosexuelles Paar brutal verprügelt haben sollen. Ein Jugendlicher wurde wegen Raub und Angriff schuldig gesprochen, ein zweiter wegen Angriff und Beschimpfung verurteilt. Die Untersuchungen gegen die zwei weiteren Beschuldigten sind noch pendent.

Bei der Attacke ist immer wieder das Wort «Schwuchtel» gefallen.

Erfolgreich war auch die Fahndung im Falle einer Attacke, die sich im Februar dieses Jahres ereignet hat. Damals wurde ein Mann vor dem Zürcher Club Heaven von mehreren Angreifern zusammengeschlagen – bei der Attacke sei immer wieder das Wort «Schwuchtel» gefallen. Einer der Männer habe zudem einen Security-Mitarbeiter mit einem Messerstich an der Schulter verletzt.

Die Untersuchungen wegen Angriff und einfacher Körperverletzung gegen einen 15-jährigen Syrer, der unmittelbar nach der Tat festgenommen werden konnte, wurden inzwischen auf drei weitere Jugendliche ausgeweitet. Alle vier Strafverfahren sind laut Reimann noch hängig. Auch sei die Frage, ob und inwieweit das Motiv der einzelnen Personen homophob begründet gewesen sei, noch Gegenstand der laufenden Strafuntersuchung.

tif

8 Kommentare
    Charles Gloor

    Als die Homosexualität fast überall in Europa noch streng verboten war, war Zürich ein paar Jahrzehnten lang, relativ tolerant. 1942 wurde die Homosexualität in der Schweiz ab 20 Jahre alt legalisiert...Jetzt gelten die gleichen Rechte und Pflichten zwischen Hetero und Homo überall in Europa und trotzdem müssen die Schwulen gewisse Quartiere und Vorstädte unbedingt meiden und leider nicht nur Nachts...Zürich, Amsterdam, Berlin, San Francisco sind heute gefährlicher für die Schwulen als vor 40 Jahren.