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Kommentar zum SchönheitswahnFalsche Ideale

Wer braucht noch Chirurgen? Für Schönheit gibt es Algorithmen. Auf Instagram sieht niemand mehr so aus, wie in der Realität – und alle machen mit.

Der Account @celebface analysiert das Aussehen von Promis – sowohl nach Schönheitsoperationen als auch nach Netz-Operationen.
Der Account @celebface analysiert das Aussehen von Promis – sowohl nach Schönheitsoperationen als auch nach Netz-Operationen.
Foto: Screenshot celebface

Als Nutzer merkt man kaum noch, wie sehr die Technik bereits in unsere Wahrnehmung eingreift. Heutzutage ist es mitunter sehr schwer, einen ungefilterten Zugang zur Realität zu bekommen. Das gilt auch für die Selfies von Quasi-Prominenten auf Instagram. Die haben ja auch nur bedingt mit der Realität zu tun.

In Grossbritannien wird deshalb seit ein paar Wochen ein Gesetz diskutiert, das Influencer dazu verpflichten soll, retuschierte Bilder als solche zu kennzeichnen. Genau wie heute schon die mannigfaltigen Produktplatzierungen mit dem Wörtchen Werbung versehen werden müssen, solle das in Zukunft in ähnlicher Weise auch geschehen, wenn das Bild bearbeitet wurde. So will man die oft noch jugendlichen Betrachter vor unrealistischen Schönheitsidealen und Körperwahrnehmungsstörungen beschützen.

Die permanente Perfektionierung der eigenen Inszenierung ist beinahe schon pathologisch diszipliniert.

Das «Instagram Face» mit seiner Weichzeichner-Ästhetik ist inzwischen zu einem kulturellen Fixpunkt geworden. Automatische Retusche-Apps mit sinnbildlichen Namen wie Plastica oder gar Fix Me sollen für ein Ergebnis wie nach einer Schönheits-OP sorgen.

Man kann das obsessiv finden, doch für das Gros der Nutzer ist das Best-of der Schönheitsideale, das die Algorithmen der Apps den Nutzergesichtern verpassen, nur die zeitgemässe Form einer schnellen Lidstrichkorrektur auf der Club-Toilette. In einer Medienrealität, in der man das eigene Selbst kontinuierlich ins Netz überträgt, ist die permanente Perfektionierung der eigenen Inszenierung beinahe schon pathologisch diszipliniert.

Der neueste Trend besteht offenbar darin, sich einen metallischen Schimmer auf das Gesicht zu montieren oder, warum auch immer, die eigene Stirn mit den Logos von Luxusmarken zu überlagern. Im besten Fall wirken die so bearbeiteten Fotos wie die eines wohlwollenden Androiden.

Wer es übertreibt, erhält dagegen eine gänzlich alienhafte Mimik. Und alle machen mit. Die Gesichter werden danach optimiert, was die höchste Nutzerbindung und die meisten Likes verspricht. Ganz so, als würde die Technologie die Körper der Nutzer nach ihren eigenen Interessen neu definieren.

19 Kommentare
    Carmen Heidelberger

    Ganzjahresfasnacht passt doch zu unserer Spass- und Oberflächlichkeitsgesellschaft.