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Flirt mit LuzernFCB-Captain Valentin Stocker vor dem Absprung

Es ist mehr als ein Gerücht: Der FC Luzern möchte gerne Valentin Stocker verpflichten – und das am liebsten sofort. Nun stellt sich die Frage, wie der FC Basel auf die Avancen reagiert.

Noch trainiert Valentin Stocker (Nummer 14) beim FC Basel …
Noch trainiert Valentin Stocker (Nummer 14) beim FC Basel …
Foto: Andy Müller (Freshfocus).

Am Anfang, da hiess es bei «nau.ch», es werde über einen Wechsel im Sommer 2021 verhandelt. Dann wusste die «Luzerner Zeitung», dass auch ein sofortiger Transfer zum FC Luzern ein Thema ist. Und nun bestätigen Recherchen dieser Zeitung: Ja, der FC Basel könnte tatsächlich noch in diesem Monat seinen Captain Valentin Stocker verlieren. Der 31-jährige Flügelspieler ist via Berater im Gespräch mit den Luzerner Verantwortlichen um Sportchef Remo Meyer. Ein sofortiger Wechsel ist ein Thema.

Das dementieren weder der Spieler noch die FCB-Verantwortlichen, die gegenüber der BaZ lediglich festhalten, dass sie in dieser Angelegenheit bisher nicht offiziell kontaktiert wurden und grundsätzlich mit Stocker die bevorstehende Saison planen. Dies, während in Luzern bereits eine Ablösesumme von rund 500’000 Franken und ein Dreijahres-Kontrakt mit Anschluss-Vertrag für den Routinier im Raum stehen.

Die Planungssicherheit als Hauptgrund

Es gibt viele gute Gründe, warum all das für Stocker Sinn machen könnte. Da ist zunächst sein aktueller Vertrag. Mit rund einer Million Franken Fixgehalt dotiert, läuft er im Sommer 2021 aus. Und bislang hat Stocker keine Signale vom FCB erhalten, die auf eine Verlängerung hindeuten.

Dies öffnet potenziellen Interessenten Tür und Tor – nicht nur für die Zukunft, sondern auch in der Gegenwart. Zwar würde sich Stockers monatlicher Fixlohn bei einem sofortigen Wechsel umgehend beträchtlich senken. Gleichzeitig gäben drei Jahre in Luzern dem Spieler nicht nur Planungssicherheit, sondern wären womöglich gar einträglicher als ein Jahr in Basel mit ungewisser Zukunft. Schliesslich genügt eine schwerwiegende Verletzung, damit er danach keine Anstellung mehr findet.

Hinzu kommt die Komponente Heimat: Stocker ist in Kriens aufgewachsen. Zwar verbindet ihn nichts mit dem FC Luzern, für den er auch als Junior nie spielte, und besitzt er das, was man beim FCB als rotblaue DNA kennt. Aber sehr wohl verbindet ihn noch immer viel mit der Region, aus der er stammt. Noch heute wohnt Stocker am Vierwaldstättersee und pendelt nach Basel. Ein Wechsel zum FCL würde also im Alltag Dinge vereinfachen statt verkomplizieren.

Schliesslich ist da auch noch das Klima beim FC Basel, um das es bekanntlich nicht zum Besten steht. Dass dem Angreifer vieles missfiel, was in den vergangenen Wochen und Monaten abseits des Rasens geschehen ist und er die Entwicklung jenes Clubs, zu dessen einstiger Grösse er selbst beigetragen hatte, kritisch sieht, davon muss ausgehen, wer zwischen den Zeilen seiner Aussagen liest.

Doch auch wenn Captain Valentin Stocker das Beiboot klar macht: Es dürfte ihm dabei kaum darum gehen, dass er das schlingernde rotblaue Schiff unbedingt verlassen möchte, zumal der FC Luzern auch nicht als Hort von Ruhe und Glückseligkeit bekannt ist. Vielmehr erhält Stocker die Gelegenheit, seine Zukunft frühzeitig selbst zu bestimmen. Anders eben, als er es unter der aktuellen Clubführung um Bernhard Burgener bei Teamkollegen wie Ricky van Wolfswinkel oder Kevin Bua beobachtet hat – und unabhängig davon, ob diese Zukunft dann in Basel oder in Luzern liegt.

Die Signalwirkung eines sofortigen Abgangs

Was dazu noch fehlt, ist eine konkrete Offerte des FCL. Wenn diese kommt – und davon ist auszugehen –, dann ist der FC Basel am Zug.

Im Grunde ist der Fall klar: Praktisch zu Saisonstart den Captain zu verlieren, der mit sechs Meistertiteln und vier Cupsiegen gleichsam rotblaue Identifikationsfigur ist und dessen sportlicher Wert sich in der vergangenen Saison in 27 Skorerpunkten ausdrückte, kann sich der FC Basel nicht leisten. Nicht, wenn sein Präsident weiterhin Meister werden will. Und auch nicht, wenn der Abnehmer eine Hausnummer wie der FC Luzern ist. Sportlich und imagemässig wäre dies ein weiterer Rückschlag, der noch dazu Signalwirkung nach innen und aussen hätte: Wie sehen andere verdiente FCB-Spieler wie Fabian Frei oder Taulant Xhaka ihre mittelfristige Zukunft in Basel? Und wie schielen andere Schweizer Clubs künftig auf das Basler Kader, wenn sogar der Captain nach Luzern geht?

Folglich müsste sich der FCB darum bemühen, dass Stocker bleibt. Und zwar mittel- bis langfristig. Denn einfach auf den bestehenden Vertrag bis 2021 zu pochen, schafft im Binnenklima tendenziell eher Probleme als dass es sie löst.

Nur: In der gegenwärtigen finanziellen Schieflage des Clubs, verbunden mit den Erfahrungen aus drei Jahren unter Bernhard Burgener, ist keineswegs gesagt, dass es so kommt. Und ist die Verlockung, kurzfristig ein stattliches Salär einzusparen und sogar noch eine Ablöse zu kassieren, womöglich grösser als das Antizipationsvermögen.