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Fertig lustig

Hollands Trainer Van Gaal verteidigte den Spielstil – und würde sich das Spiel um Platz 3 am liebsten schenken.

Verärgert: Hollands Trainer Louis van Gaal. Foto: Keystone
Verärgert: Hollands Trainer Louis van Gaal. Foto: Keystone

Da war er wieder, der knorrige Mann aus Holland, «die eiserne Tulpe», mit grimmigem Blick, und allein, wie Louis van Gaal die Bühne betrat nach dem verlorenen Halbfinal gegen Argentinien, liess erahnen, was in ihm vorging. Und ­eigentlich war es nicht empfehlenswert, den Trainer der Holländer zusätzlich mit Fragen zu reizen, die ihm nicht passten. Aber es interessierte halt doch, warum das Team, das gegen Spanien eine Halbzeit lang so wunderbaren Fussball abgeliefert hatte, an diesem Abend nur verteidigte und jedes Risiko scheute. Die Frage also: «Warum war Holland so destruktiv?» Van Gaal glaubte wohl, nicht richtig gehört zu haben. «Destruktiv, sagen Sie? Das ist nicht fair!» Ruhe im Saal. Dann die Nachfrage: «Einverstanden? Einverstanden?» Keine Antwort. Fertig lustig.

Es war nicht zu spassen mit Van Gaal, der so viel Lob abgeholt hatte bis zum Auftritt von São Paulo. Er hatte oft richtig eingewechselt, letztmals, als er mit der Goalierochade im Viertelfinal gegen Costa Rica vor dem Penaltyschiessen alle düpierte, selbst den eigenen Torhüter. Und weil die Strategie ins Glück führte, wurde Van Gaal mit Lob für einen raffinierten Schachzug eingedeckt.

Er selber behauptete, ihn kümmere es nicht, was Leute über ihn oder seine Auswahl sagen würden. Der 62-Jährige macht, was er für richtig hält, und nicht, was andere möchten. Er liess sich auch von der Schar von Kritikern nicht davon abhalten, das Ergebnis dem Schönspiel vorzuziehen und dafür fünf Verteidiger aufzustellen. Und Van Gaal glaubte auch, damit gegen Argentinien das Ziel zu erreichen und am Sonntag in Rio Deutschland im Final zu fordern.

«Das schlimmste Szenario»

Nur klappte das nicht gegen Südamerikaner, die sehr wohl wussten, auf wen sie besonders zu achten hatten: auf Arjen Robben. Der bis dahin überragende Stürmer, Sprinter, Vorbereiter und Torschütze in einem kam nie zur Geltung gegen konsequent verteidigende Argentinier. Und er litt darunter, dass die ­eigene Mannschaft den Ball lieber quer und retour statt steil spielte.

Im so enttäuschend inhaltslosen Halbfinal war das Penaltyschiessen für die Holländer das Maximum, das an Ertrag herausschauen konnte. Schon im Viertelfinal hatten sie die Erfahrung dieses Nervenspiels gemacht, wobei Nervenspiel ein grosses Wort war. Es war eher ein Schaulaufen der nervenstarken Routiniers, von Van Persie, Robben, Sneijder und Kuyt, die ihre Versuche mit kühlem Blut verwerteten. Gegen Argentinien war die Souveränität verschwunden und das Angebot an Schützen dezimiert. Van Persie fiel als Kandidat aus, weil er entkräftet ausgewechselt worden war. «Ich musste ihn ersetzen», sagte Van Gaal.

Verteidiger Vlaar war der Erste, «der beste Spieler auf dem Platz», wie Van Gaal sagte, «ich dachte, er hat sicher das grösste Selbstvertrauen». Der stämmige Verteidiger von Aston Villa scheiterte. Später sollte er sagen: «Ich drücke mich nicht vor der Verantwortung.» Und Sneij­der, der mit inzwischen 17 Einsätzen so viel WM-Erfahrung mitbringt wie kein anderer Holländer der Geschichte, schaffte es genauso wenig, Romero zu bezwingen. «Das ist das schlimmste Szenario, auf diese Weise zu verlieren», fand Van Gaal, «das tut weh wie ein 1:7, vielleicht schmerzt es sogar noch mehr.»

Van Gaal und der Unsinn

Darum führt die Reise jetzt nicht zurück nach Rio de Janeiro, sondern nach Brasília. Das lieferte Van Gaal den nächsten Grund, giftig zu reagieren. Das Spiel um Platz 3 hält er nicht nur für unnötig, sondern für den grössten Unsinn, «und das sage ich seit 15 Jahren». Was, wenn Holland auch gegen Brasilien verliert? «Zwei Niederlagen in Folge, das kann unser wunderbares Turnier schwer beeinträchtigen, dann fliegen wir als Verlierer nach Hause.» Van Gaal sieht nicht einmal im Ansatz einen Sinn, wieso diese Partie überhaupt noch stattfinden muss: «Es gibt nur einen Pokal an der WM zu gewinnen, und der wird am Sonntag in Rio übergeben.»

Van Gaal wäre lieber am Donnerstag schon heimgereist, wobei die Ferien in diesem Sommer ausfallen. Er wird in Manchester erwartet und hat dort eine Mission zu erfüllen. Er soll die United wieder an die Spitze der Premier League führen.

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