Zum Hauptinhalt springen

Militäranlage bei TeheranRätsel um mysteriösen Feuerball über Teheran

Auf einem iranischen Militärgelände kam es zu einer schweren Explosion. Offiziell soll es eine Gasexplosion gewesen sein – doch der Vorfall steht im Schatten regionaler Machtkämpfe.

Luftaufnahme der Militäranlage Parchin nahe Teheran.
Luftaufnahme der Militäranlage Parchin nahe Teheran.
Foto: Getty Images

Ein rot-oranger Feuerball ist in der Nacht zum Donnerstag in den schwarzen Nachthimmel über Teheran aufgestiegen. Eine schwere Explosion weckte viele Bewohner der iranischen Hauptstadt aus dem Schlaf. Andere, die auf den Dächern ihrer Häuser die kühle Nacht genossen, filmten das Geschehen mit ihren Handys und stellten die Aufnahmen ins Internet. Sofort kursierten Spekulationen, es habe einen Militärangriff gegeben oder zumindest eine Sabotageaktion oder eine Cyberattacke. Genährt wurden sie auch dadurch, dass sich die Explosion auf einem Militärgelände nahe Teheran ereignete.

Die offizielle Erklärung des Sprechers des Verteidigungsministeriums, Davoud Abdi, lautet am Tag danach, es sei «im öffentlich zugänglichen Teil» des Militärkomplexes Parchin zu einer Gasexplosion gekommen. Dabei sei niemand ums Leben gekommen oder verletzt worden, das Feuer sei schnell gelöscht worden. Das Staatsfernsehen verbreitet Bilder nicht nur von der Explosion in der Nacht, sondern zeigt auch verkohlte und bizarr verbogene Tanks, die an einem Hang auf dem weitläufigen Gelände explodiert sein sollen.

17 Revolutionsgardisten getötet

Parchin ist ein grosser Komplex, der dem Militär und den Revolutionsgarden untersteht. Dort gibt es chemische Produktionsanlagen für Munition, Sprengstoffe und Raketentreibstoffe. Raketentriebwerke werden dort hergestellt und getestet. Auch hat der Iran dort Versuche vorgenommen, die der Entwicklung von Atomwaffen gedient haben sollen. So vermutet die Internationale Atomenergiebehörde, dass Tests mit einer später entfernten Sprengkammer vorgenommen wurden, um ein Design für einen Sprengkopf zu testen.

Bereits im Jahr 2014 wurde das Gelände 30 Kilometer südwestlich von Teheran von schweren Explosionen erschüttert. Mehrere Gebäude wurden damals zerstört; die Ursache wurde nie unabhängig geklärt. 2011 wurde bei Explosionen auf einem Militärgelände bei Bidganeh siebzehn Revolutionsgardisten getötet, unter ihnen der Chef des Raketenprogramms der Revolutionsgarden, General Hassan Teherani Moghaddam. Damals hiess es, eine Rakete sei beim Zusammensetzen der verschiedenen Stufen detoniert. Allerdings waren auf Satellitenbildern Schäden zu erkennen, die auf einen Luftangriff hindeuteten.

In der Nähe Bagdads stürmten Anti-Terror-Einheiten das Hauptquartier der vom Iran kontrollierten Schiiten-Miliz Kataib Hizbollah.

Der Konflikt zwischen dem Iran auf der einen und den USA, Israel und den Golfstaaten auf der anderen Seite hat sich in den vergangenen Monaten mit einer Reihe von Vorfällen verschärft. So macht Israel Teheran für eine Cyberattacke auf seine Wasserversorgung verantwortlich. Der wichtigste Hafen des Iran in Bandar Abbas soll ebenfalls Ziel eines elektronischen Angriffs geworden sein. Im Irak kam es wiederholt zu Angriffen mit Raketen und Mörsergranaten auf Militärstützpunkte, auf denen Amerikaner stationiert sind, und andere Einrichtungen mit US-Präsenz, etwa die US-Botschaft in Bagdad und Ölanlagen.

In der Nähe der irakischen Hauptstadt stürmten in der Nacht zum Freitag Anti-Terror-Einheiten das Hauptquartier der vom Iran kontrollierten Schiiten-Miliz Kataib Hizbollah. Die USA machen sie für viele der Angriffe verantwortlich und haben sie als Terrororganisation eingestuft. Ihr langjähriger Kommandant Jamal al-Ibrahimi, besser bekannt als Abu Mahdi al-Muhandis, wurde am 3. Januar am internationalen Flughafen von Bagdad zusammen mit dem Befehlshaber der Quds-Brigaden der iranischen Revolutionsgarden, Qassem Soleimani, durch eine US-Drohne getötet. Kataib Hizbollah und andere Milizen haben daraufhin geschworen, die US-Streitkräfte aus dem Irak zu vertreiben.

Waffenembargo gegen Teheran

Der neue irakische Premier Mustafa al-Kadhimi, zuvor Geheimdienstchef, hat ein härteres Vorgehen gegen die vom Iran kontrollierten Milizen im Irak angekündigt. Laut Regierungsquellen in Bagdad war unter den bei der Razzia Festgenommenen ein Iraner. Widersprüchliche Informationen gab es darüber, ob die Festgenommenen wieder freigelassen oder manche den Amerikanern übergeben wurden. Zeitweise hatten Mitglieder der Miliz ein Gebäude der Sicherheitskräfte in der Grünen Zone von Bagdad belagert. Der Iran machte die USA für die Razzia verantwortlich.

Auch diplomatisch verschärft sich die Auseinandersetzung weiter. US-Aussenminister Mike Pompeo hat dem UNO-Sicherheitsrat den Entwurf einer Resolution vorgelegt, mit der Washington das im Oktober auslaufende Waffenembargo gegen Teheran unbegrenzt verlängern will. Russland und China lehnen das ab, Frankreich, Grossbritannien und Deutschland streben eine begrenzte Verlängerung an. Die Aufhebung ist im Atomabkommen mit dem Iran vorgesehen. US-Präsident Donald Trump hat im Mai 2018 den Ausstieg aus dem Deal verkündet.

6 Kommentare
    Jean Roth

    Die Führung der Iraner könnte sich eigentlich besser mit "Corona-abwehr" befassen als mit milit. Aufrüstung, das würde dem Volk nutzbarer sein. Der Aufruf zur Moschee zu gehen - den die relig.Führer "empfahlen" - verhallte ohne jegliche Wirkung. Dass aber Israelis hinter dieser "Feuerballaktion" stehen könnten, wundert mich keinesfalls. Allerdings werden die Schiiten sich nun Mühe geben irgendwelche Gründe der Explosion zu finden und die Sache zu zerreden!