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Geldblog: VermögensverwaltungFixe Kosten oder Gewinnbeteiligung – was ist besser?

Prüfen Sie Anlageangebote Ihrer Bank genau! Hohe Gebühren sind nur gerechtfertigt, wenn dafür eine höhere Nettorendite in Aussicht steht.

Illustration: Christina Baeriswyl

Wir haben eine Million Franken in einem Portfolio mit rund 75 Prozent Aktien. Dafür bezahlen wir 0.45 Prozent plus 15 Prozent des Gewinns als Gebühr. Jetzt ermuntert uns der Berater, das Vermögen in ein passives Depot mit ETF umzuschichten. Die Verwaltungsgebühr wäre fix 1,15 Prozent. Was halten Sie vom Vorschlag der Bank? Leserfrage von M. A.

Als ich Ihre Zeilen gelesen hatte, musste ich schmunzeln: Ausgerechnet jetzt, wo es an den Finanzmärkten nach der langen Hausse noch vor dem Corona-Crash wesentlich anspruchsvoller wird, eine gute Rendite zu erwirtschaften, schlägt Ihnen Ihre Bank vor, vom bisherigen Modell mit Gewinnbeteiligung und tiefen Fixgebühren abzusehen und stattdessen in einem Modell zu wechseln, dass künftig nur noch Fixgebühren aufweist.

Ich als Kunde würde den Vorschlag so interpretieren, dass die Bank offenbar nicht mehr daran glaubt, dass sie auf Ihrem Depot mit den Aktienanlagen dauerhaft schöne Renditen erwirtschaftet. Wenn sie davon überzeugt wäre, würde sie die hohe Gewinnbeteiligung von 15 Prozent nicht einfach aufgeben wollen. Es macht den Eindruck, dass sich die Bank um ihre eigenen Einnahmen fürchtet, weil sie damit rechnet, dass die Renditen künftig weniger hoch sind. Stattdessen will sie lieber gesicherte Einnahmen haben über die Ihnen vorgeschlagene fixe Gebühr von 1,15 Prozent.

Es macht den Eindruck, dass sich die Bank um ihre Einnahmen fürchtet.

Interessant ist auch, dass Ihnen die Bank empfiehlt, von der bisherigen aktiven Verwaltung plötzlich zu einer passiven Strategie zu wechseln. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, die dafür in Rechnung gestellte fixe Gebühr von 1,15 Prozent pro Jahr halte ich aber für grosszügig zugunsten der Bank.

Zum Vergleich: Zum ähnlichen Fixpreis würden sie bei anderen Banken ein Vermögensverwaltungsmandat erhalten – allerdings nicht mit passiver, sondern mit deutlich aufwendigerer aktiver Strategie. So beispielsweise bei der Triple-A-Bank Zürcher Kantonalbank, die für Verwaltungsmandate für alle Risikoprofile bis 1 Million Franken eine Pauschalgebühr von 1,3 Prozent und bis 2 Millionen Franken 1,2 Prozent pro Jahr verrechnet.

Gerade in turbulenten Phasen an den Finanzmärkten, wie wir sie aktuell wegen der Corona-Krise erleben, stufe ich die Chance, dass man eine bessere Rendite mit einer aktiven Strategie erwirtschaftet, als höher ein als mit einer passiven Strategie, die lediglich den Index abbildet.

Und noch ein Vergleich: Wenn Sie eine reine passive Strategie mit Aktien-Exchange-Traded-Funds (ETF) verfolgen möchten, könnten Sie auch gleich einem digitalen Vermögensverwalter wie True Wealth ein Mandat erteilen. Da kostet die passive Vermögensverwaltung auf reiner ETF-Basis, wie von Ihrer Bank vorgeschlagen, lediglich noch 0,5 Prozent pro Jahr.

Hohe Gebühren bei einer rein passiven Strategie sind nicht nachvollziehbar.

In Ihrem Fall würde ich wohl eher bei einer aktiven Verwaltung bleiben. Ich zeige Ihnen einfach die Bandbreiten bei den Angeboten und Gebühren auf. Gebühren dürfen aus meiner Sicht durchaus hoch sein, vorausgesetzt die Bank liefert Ihnen einen klaren Mehrwert in Form einer deutlich höheren Nettorendite, also der Rendite nach Gebühren. Bei aufwendiger Strategie mit einer Nettorendite, welche die Benchmarks übertrifft, soll auch die Bank gut bezahlt sein.

Nicht nachvollziehen kann ich hohe Fixgebühren indes, wenn man eine rein passive Strategie wählt, mit der eine Mehrperformance über einem Index gar nicht möglich ist und mit der sich der Aufwand der Bank für die Verwaltung in engen Grenzen hält.

5 Kommentare
    Mike70

    Grundsätzlich ein guter Artikel, bei den Kommentaren wird nur ausgeblendet, das JEDE Strategie individuell ist und die Finanzbranche realisieren sollte, dass es eine Dienstleistung ist (dienen und leisten, zuhören und auf den Kunden eingehen ist unabdingbar). Zusätzlich hat auch eh jeder Anleger das Gefühl, er weiss alles besser -:) Dieses Jahr war nur eines wichtig, nicht im März verkauft, sondern idealerweise zugekauft zu haben (aktives Management/Beratung), Angst ist ein schlechter Berater.

    Auch vergessen viele, dass die Börse für eine gewisse Zeit sich von der Realwirtschaft abkoppeln kann (meiner Meinung aktuell der Fall).