Zum Hauptinhalt springen

SchlageretteFlach wie eine Oblate

Piero Esteriores Weihnachtslied hätte alles, um Herzen zu erwärmen. Warum uns sein «Natale» trotzdem kaltlässt.

Der Song der Esteriore Brothers lässt die Autorin kalt, obwohl Wollpullis und Kerzen Wärme verbreiten könnten.
Der Song der Esteriore Brothers lässt die Autorin kalt, obwohl Wollpullis und Kerzen Wärme verbreiten könnten.
Foto: Screenshot Youtube

Sie erinnern sich: Piero Esteriore, gescheiterter Musicstar, singender Coiffeur, 2009 Bewohner im deutschen «Big Brother»-Haus und natürlich unvergesslicher Protagonist einer Szenerie, bei der es um einen Mercedes und das Ringier-Medienhaus ging.

2007 war das, und Piero Esteriore wird nicht gern darauf angesprochen, dieser Event überschatte seine musikalische Leistung. Die nämlich durchaus vorhanden ist. Piero und seine Brüder Mimmo, Gabriele und Amedeo treten mittlerweile als Esteriore Brothers auf. Traten, muss man natürlich sagen, heuer hätte die grosse Tournee stattgefunden, es kam anders heraus, wir wissen es. Also ein Album, es heisst «To Get Her» – eine Anspielung auf den familiären Zusammenhalt – und ist Anfang Dezember erschienen.

Noch vor etwas über einem Jahr hatten die vier Brüder in der italienischen Sing-Show «Tú sí que vales» auf Canale 5 halb Italien (je nach Quelle sind es zwischen 8 und 18 Millionen TV-Zuschauer) bezaubert. Es sollen sogar Tränen geflossen sein.

Und jetzt das. «Natale», eigentlich ein Song, der alles für einen Weihnachtshit hätte. Wenn er denn auch nur ein wenig berühren würde. Tut er aber nicht, obwohl zum Mitsingen aufgerufen wird («canta con noi»), Piero im Video etwas aus einer romantischen Weihnachtstasse trinkt, und der Weihnachtsmann zum Fenster hereinschaut. Ein kurzes Intro, ein eingängiger Refrain, Wiederholung – eigentlich ist alles da. Und es klingt, als ob es einer Italo-Schlager-CD der 90er entsprungen wäre.

Doch «Natale» scheint uns flach wie eine Oblate in der heiligen Messe. Vielleicht haben wir zu oft Wham gehört, oder das skandalöse «Fairytale of New York», das wieder zu reden gibt. Schon möglich.

Der Rest des Albums gestaltet sich etwas wirr, da ist etwa «Piccola e fragile» zu finden, im Original von Drupi, der etwas Kratziges in der Stimme hatte, weshalb er immer an eine Weihnachtskerze erinnerte, die sich mit grauschwarzem Rauch verabschiedet am Christbaum, um beim Thema zu bleiben. Das kann Piero nicht bieten. «Stand Together», der Lockdown-Song der Esteriores, klingt ganz fest nach Gotthard, und «We Are the Champions» ist eine ziemlich eigenwillige Interpretation eines grossen Hits. Die Familiengang schreckt vor nichts zurück: Sie singt auch ein «Ave Maria». Bei dem flennen wir ja normalerweise nach zwei Tönen los, hier bestellen wir uns eine Pizza.

Warum?

Wir können es nur vermuten: Der Esteriore-Chor funktioniert wohl einfach dort, wo Piero auch am liebsten ist: in der famiglia. Das Gefühl in die Welt hinaus transportieren, das schaffen die Geschwister anscheinend nur im italienischen Fernsehen. Nicht aber auf dem «Vier-Jahreszeiten-Album», wie sie es nennen. Die Esteriores aufgeben das kommt für uns aber nicht infrage. Schon eher: abwarten und caffè trinken.

Anfang April treten die Esteriore Brothers in Langenthal auf, im Oktober dann in Bern.

34 Kommentare
    Michael Jan

    Piero -schreib doch mal ein süffisantes Lied über Deine Kritiker. Wenn das nicht einschlägt behalt den Gesang als Autotherapie. Immerhin ist er ständig in Bewegung und hängt nicht rum. Wozu die bedeutungsvollen Ringe und Armreif?