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Claudio Zuccolini im OpernhausFlotter Dreier anstatt Verdi-Gala

Wo sonst Cecilia Bartoli singt, tritt jetzt ein Bündner Plauderi auf. Die Covid-Krise machts möglich.

Logenplatz für den Komiker: Claudio Zuccolini.
Logenplatz für den Komiker: Claudio Zuccolini.
Anna-Tia Buss

Er meinte, es sei ein Jux. «Du spielst im Opernhaus», hatte man Claudio Zuccolini am Telefon gesagt. Also nicht im Theater am Hechtplatz, wo sein neues Programm eigentlich auf dem Spielplan stand. Nicht im Bernhard-Theater, das als Ausweichspielstätte vorgesehen war. Nein, gleich auf der grossen Bühne des Opernhauses Zürich wird jetzt der Komiker stehen, dort, wo sonst die grosse Bartoli auftritt. «Cecilia, Cecilia, Cecilia» singt Zuccolini beim Fototermin auf der Bühne des Opernhauses schon mal zur Probe vor sich hin. Man hört: Bartoli kann es besser.

Aber er ist natürlich kein Sänger. Sondern Komiker, Comedian, Unterhalter. «Hochbegabter Bündner Plauderi» hat die «NZZ am Sonntag» über ihn geschrieben, der Opernkritiker gab Zuccolinis Programm «Warum?» die Höchstnote: fünf Sterne. Jetzt geht es noch ein bisschen höher in den Comedy-Himmel hinein.

«Ich spielte schon am Humorfestival in Arosa und im Casinotheater Winterthur, es sind für Komiker legendäre Bühnen», sagt Zuccolini. Nun ist das Opernhaus dran. Niemand hätte sich vor vier Monaten einen Zuccolini-Auftritt dort vorstellen können. Er sagt aber auch: «Das wird es nie mehr geben.» Ein Glücksfall, geschuldet der Zeit, sozusagen.

Eine komische Auferstehung

Die Covid-Krise ist natürlich auch für Komiker eine Krise. «Wir waren die Ersten, die gegroundet wurden, und die Letzten, für die es einen Neustart gab», sagt Zuccolini. Eigentlich sei er ja, der so viele Auftritte auswärts hat, gern zu Hause. Vier Monate zu Hause sind aber genug. Man kennt ja das Programm.

Der 24. Mai war für Zuccolini wie ein heiliger Tag, quasi Auferstehung in der komischen Variante. «Wir sassen vor dem TV, hörten zu, was der Bundesrat sagte. Und wussten dann: Jetzt können wir wieder spielen.»

Nur wo spielen? Die Vorgaben im Schutzkonzept für Bühnen lassen wenig Spielraum zu. Manche Theater, wie das am Hechtplatz, weisen zu enge Platzverhältnisse auf. Und am Bernhard-Theater wird gerade das Dach repariert, die Arbeiten konnten wegen der Stilllegung des Kulturbetriebs vorgezogen werden.

«Wir haben aber noch einige Shows im Juni auf dem Programm», monierte Hanna Scheuring, die Leiterin des Bernhard-Theaters. Und meinte dann fast zum Spass: «Dann spielen wir halt im Opernhaus.» Das Opernhaus sagte: Geht klar. Nachbarn halten zusammen.

Die Covid-Krise macht vieles möglich. In dieser Zeit kommen Welten zusammen, wo ganz unterschiedlich gearbeitet wird. Nur ein Beispiel: Gerade ist auf der Bühne des Opernhauses ein Modell einer Luxusjacht im Massstab 1:1 parkiert, es braucht noch viel Technik, bis das Vehikel wieder in Fahrt kommt. Wenn Claudio Zuccolini hier auftritt, reichen ein bisschen Licht und ein Mikro, wenn überhaupt. Er ist eher der Typ Gummiboot. Flexibel und wendig.

Comedy gehört zu den Lockerungsübungen in Corona-Zeiten: Claudio Zuccolini im Parkett.
Comedy gehört zu den Lockerungsübungen in Corona-Zeiten: Claudio Zuccolini im Parkett.
Anna-Tia Buss

Mit solchen Qualitäten können Komikerinnen und Komiker schnell auf die neuen Verhältnisse reagieren. Das Zürcher Comedy-Haus streamte schon, als die anderen Zürcher Theater noch ernsthaft darüber nachdachten, ob sie wirklich streamen wollten. Überall finden sich Wege aus der Enge heraus. Zuccolini machte zum Beispiel den Neustart seines Programms in einem Autokino. Eine Opernaufführung im Autokino kann sich niemand vorstellen. Hupen zu «La Traviata» geht wirklich nicht.

Im Opernhaus ist Zuccolini nicht allein. Es kommt auch Beat Schlatter mit seiner Bingo-Show. Und Moritz Leuenberger macht hier seine Bernhard-Matinée. Alle Komiker werden ihre Programme mit Corona-Elementen angereichert haben. «Natürlich habe ich mir Notizen gemacht über Dinge, die mir in der Zeit des Stillstands aufgefallen sind», sagt auch Zuccolini. Zum Beispiel, wie sich in Zürich der Alltag verändert hat. «Ich war mit mit dem E-Velo auf der Bahnhofstrasse fast allein. Es war in der Stadt quasi jeden Tag Karfreitag, so ruhig war es auf den Strassen.»

Die Ruhe ist weg

Familie, Kinder, Schule, die Ehe, das Übergewicht, das alles sind für Zuccolinis Komik systemrelevante Dinge. Er spricht im neuen Programm «Darum!» vom «verpassten flotten Dreier bis zum peinlichen Besuch beim Urologen». Dazwischen der Schweizer Alltag, wie er ist. Und natürlich machen hier plus/minus alle dieselben Erfahrungen. «Zunehmen tut jeder, der zu viel isst, in der Stadt und auf dem Land», sagt Zuccolini.

Vieles ist durch die Covid-Krise möglich geworden. Manche sprechen schon vom neuen Gemeinschaftsgefühl. «Wir sind aber, wie wir sind», sagt Zuccolini. «Die Ruhe auf den Strassen ist jetzt wieder weg. Die Menschen hetzen wieder aufs Tram.» Und bald gibt es auch wieder Liederabende im Opernhaus. Und keine Comedy mehr.

Claudio Zuccolini: «Darum!», Opernhaus Zürich, 23. bis 28. Juni, Tickets über das Theater am Hechtplatz.