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Innovation in der MedienbrancheFördert der Kanton Zürich bald Computerspiele?

Nicht nur Filme, sondern auch Videogames will der Zürcher Kantonsrat unterstützen. Wie viel Geld fliessen soll, ist noch unklar.

Geht es nach dem Zürcher Kantonsrat, sollen Game-Entwickler Subventionen erhalten – genauso wie Filmproduzentinnen.
Geht es nach dem Zürcher Kantonsrat, sollen Game-Entwickler Subventionen erhalten – genauso wie Filmproduzentinnen.
Foto: Thomas Egli

«Vor 200 Jahren war der Film auch neu», sagte Marc Bourgeois, FDP-Kantonsrat, als er vorne am Rednerpult stand, «heute sind es Games et cetera.» Und Innovatives wolle man fördern, schloss er, hinter diesem Grundsatz stehe er. Am Montagmorgen sprach sich der Zürcher Kantonsrat dafür aus, künftig nicht nur klassische Filme finanziell zu unterstützen, sondern auch «neue audiovisuelle Formate und Darstellungsformen». Also zum Beispiel Videospiele. In der Diskussion sprachen mehrere Ratsmitglieder von «interaktiven Formaten», ohne diesen Begriff genau zu beschreiben.

Der Ursprung dieses Entscheids ist reichlich technisch. Bislang werden Subventionen an die lokale Filmbranche aus dem Lotteriefonds bezahlt. Der Kanton Zürich macht das in fast allen Kultursparten so – mit wenigen Ausnahmen wie dem Opernhaus. Zurzeit unterstützt der Kanton einheimische Filmproduktionen mit 4,7 Millionen Franken pro Jahr. Hinzu kommen 800’000 Franken für Filmfestivals und Arthouse-Kinos. Ende 2021 läuft die Lotteriefonds-Regelung jedoch aus. Es braucht eine neue Lösung. Am besten ein Gesetz.

Das Problem: 2018 wurde über eine entsprechende Volksinitiative von Zürcher Kulturschaffenden abgestimmt. Schon damals kritisierte das Pro-Lager, dass der Filmbranche nur vier Prozent der gesamten Kulturfördermittel zur Verfügung stünden. Und dass digitale Formate wie Games gar nicht gefördert würden. Die Volksinitiative wurde jedoch deutlich abgelehnt. Weiter schien das Vorhaben blockiert. Bis der Kantonsrat einen neuen Anlauf wagte. Mit Erfolg.

Eine breite Allianz, von AL bis FDP, sprach sich für eine neue Film- und Medienförderung aus, die auch Videospiele umfasst. Es handle sich um einen bedeutenden Wirtschaftszweig im Kanton, hiess es als Begründung. Andererseits sei der Film ein wichtiges Kulturgut.

SVP: «Arroganz der Filmbranche»

Gegen das Vorhaben war einzig die SVP-Fraktion. Sie hätte den Filmschaffenden am liebsten die Subventionen gekürzt – Kantonsrat Rochus Burtscher sprach von einer «Arroganz der Filmbranche». Stattdessen wollte die SVP die Sparte «neue audiovisuelle Formate» stärker unterstützen (also die Games). Die Partei unterlag jedoch mit 102 zu 64 Stimmen.

Nun muss der Zürcher Regierungsrat innerhalb zweier Jahre ausarbeiten, wie Film- und Game-Produzentinnen konkret gefördert werden können. Vieles ist allerdings noch unklar. Zum Beispiel, wer die Gelder verteilt, und wie viel die Film- und Gamebranche gesamthaft erhält. Die zuständige Regierungsrätin, Jacqueline Fehr von der SP, versprach, diese Fragen zu klären.