Ramos verschwand vor Urintest unter die Dusche – trotz Verbot

Der Real-Madrid-Star verstiess gegen das Anti-Doping-Gesetz. Folgen hatte das für ihn keine.

Untersuchung beendet: Die Duschszene hat für Sergio Ramos keine Konsequenzen.

Untersuchung beendet: Die Duschszene hat für Sergio Ramos keine Konsequenzen. Bild: Juan Medina/Reuters

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Seit Juni 2017 kam es bei Dopingproben bei Real Madrid mindestens zweimal zu Ungereimtheiten. Beide Male war Sergio Ramos betroffen. Das zeigen Unterlagen aus dem Datenleck Football Leaks. Konsequenzen für den Club oder seinen Star in der Abwehr blieben aus.

Am 15. April 2018 wurde Ramos nach einem 2:1-Sieg in ­Málaga zu einer Dopingprobe aufgefordert. Was danach passierte, schildert ein Abteilungsleiter der spanischen Anti­Doping-Agentur Aepsad in einem zweiseitigen Brief an Reals Chefarzt. Demnach fragte Ramos den Kontrolleur, ob er vor der Urinprobe unter die Dusche könne.

Als ihm das untersagt wurde, habe Ramos «seinen Unmut» geäussert. Danach sei er trotz mehrfacher Warnung duschen gegangen – in Anwesenheit des Kontrolleurs.

Gegen das spanische Gesetz

Dass dieser Ramos die Körperreinigung untersagte, war keine Schikane. Der Kontrolleur folgte bloss den Regeln. Wenn ein Sportler vor einem Urintest auf spanischem Hoheitsgebiet duscht oder badet, könnte er gegen das Anti-Doping-Gesetz des Landes verstossen. Dieses ist 2013 nicht ohne Grund verschärft worden. Sportler können das Ergebnis eines Urintests verfälschen, wenn sie unmittelbar vor einer Kontrolle pinkeln.

Was die Behörde Ramos deswegen vorhielt, war ein Verstoss gegen Paragraf 22.1.e des spanischen Anti-Doping-Gesetzes: «Behinderung jeglichen Vorgangs bei einer ­Dopingkontrolle.» Dass das kein Kavaliersdelikt ist, schrieb Reals Chefjurist in einer internen Mail an Generaldirektor José Ángel Sánchez: «Die Strafen wiegen äusserst schwer.»

Einem Verein drohen Geldstrafen bis 300'000 Euro, Punktabzug oder Zwangsabstieg, ein Vereinsarzt kann bis zu vier ­Jahre gesperrt werden. Und dem Spieler drohen vier Jahre Sperre, die auf zwei reduziert werden können, wenn das Vergehen «nicht beabsichtigt» war.

Am 21. September forderte die spanische Anti-Doping-Agentur Ramos zu einer schriftlichen Stellungnahme auf. Danach hat sie die Untersuchung offenbar ohne Konsequenzen für Ramos oder Real beendet. Auf Anfrage der European Investigative Collaboration (EIC), von der diese Zeitung Partner ist, schreiben die Dopingjäger, das Verfahren habe «keine Anhaltspunkte dafür geliefert, dass eine Anti-Doping-Regel verletzt wurde».

Auffällige Probe ohne Folgen

Ramos hatte schon einmal mit den Dopingbehörden zu tun. Nach dem Final der Champions League 2017 gab er eine auffällige Dopingprobe ab. Es wurde ihm das cortisonhaltige Präparat ­Dexamethason nachgewiesen.

Dieses steht auf der Liste von Substanzen, die im Wettkampf nicht eingesetzt werden dürfen - ausser, wenn das vor der Dopingprobe deklariert wird. Reals Dr. A. aber schrieb ins Protokoll, er habe Ramos ein anderes Medikament verabreicht: das ebenfalls entzündungshemmende Celestone Chronodose.

Als die Diskrepanz auffiel, erklärte der Arzt, er habe in der Euphorie des Finalsiegs das falsche Medikament aufgeschrieben. Darauf beendete der europäische Fussballverband das Verfahren.

Erstellt: 23.11.2018, 18:03 Uhr

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