Whistleblower von Football Leaks in Budapest verhaftet

Die portugiesische Polizei wirft einem 30-Jährigen Datendiebstahl vor. Der Inhaftierte soll in seine Heimat ausgeliefert werden.

Im Visier der Ermittler: Weltstar Cristiano Ronaldo.

Im Visier der Ermittler: Weltstar Cristiano Ronaldo. Bild: Alberto Lingria/Reuters

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Die ungarische Polizei nahm am Mittwoch Abend einen 30 Jahre alten Portugiesen fest. Die portugiesischen Strafverfolgungsbehörden hatten gegen den Beschuldigten einen europäischen Haftbefehl erwirkt, unter anderem wegen des Vorwurfs der illegalen Datenbeschaffung. Die portugiesischen Behörden streben nun seine Auslieferung an.

William Bourdon, der französische Anwalt des Inhaftierten, bezeichnet seinen Mandanten als einen «grossen europäischen Whistleblower und Teil von Football Leaks». Er erklärte in einer Medienmitteilung, dass es sich beim Inhaftierten um Rui Pedro Gonçalves Pinto handle. Sein Mandant habe der Welt die kriminellen Machenschaften im Fussball vor Augen führen wollen.

Pinto habe ihn sowie einen portugiesischen und einen ungarischen Anwalt mandatiert. William Bourdon hatte in der Vergangenheit auch Edward Snowden sowie die prominenten Banken-Whistleblower Hervé Falciani und Antoine Deltour vertreten.

Das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» und das Recherche-Netzwerk «European Investigative Collaborations» (EIC) veröffentlichen seit mehr als zwei Jahren Recherchen, die auch auf Unterlagen der Enthüllungsplattform Football Leaks beruhen. Die Titel des Verlags Tamedia sind als Schweizer Partner des Netzes an den Recherchen beteiligt. Aus Gründen des Informantenschutzes äussern sich Spiegel und EIC prinzipiell nicht zur Identität von möglichen Quellen ihrer Recherchen.

Ermittlungen gegen Ronaldo

Die portugiesischen Behörden werfen Pinto nebst Datendiebstahl auch versuchte Erpressung vor. Dessen Anwälte erklären demgegenüber, der Versuch, ihren Mandanten zu kriminalisieren, sei «paradox». Die Enthüllungen von Football Leaks über fragwürdige Geschäfte im Profifussball haben zu Ermittlungen in diversen Ländern geführt, unter anderem gegen Weltstar Cristiano Ronaldo. Informationen aus den Daten ermöglichten es mehreren Staaten, schwere Fälle von Steuerhinterziehung zu verfolgen. Rui Pinto habe nach eigenen Angaben «Drohungen» erhalten, schreiben seine Anwälte in ihrem Communiqué: «Zahlreiche Akteure aus der Welt des Fussballs sind auf ihn angesetzt worden, um ihn um jeden Preis mundtot zu machen.» Man werde nun alles daran setzen, seine Auslieferung nach Portugal zu verhindern. Die Anwälte betonen, dass Rui Pinto als Whistleblower besonderem rechtlichen Schutz unterliege.

Die US-Stiftung «The Signal», die Whistleblower unterstützt, hat dem inhaftierten Portugiesen ihre Hilfe zugesichert.

Erstellt: 17.01.2019, 17:44 Uhr

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