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«Leidig unterhaltsam. Dann peinlich. Jetzt ist er gefährlich»

Unsere Leser und Leserinnen sind nach 100 Tagen im Amt nicht sehr gnädig mit dem US-Präsidenten.

Wäre er mit sich selbst zufrieden? Unsere Leser und Leserinnen benoten Trumps Amtszeit bislang wenig gnädig.
Wäre er mit sich selbst zufrieden? Unsere Leser und Leserinnen benoten Trumps Amtszeit bislang wenig gnädig.
Manuel Balce Ceneta, Keystone

«Noch schlimmer als befürchtet. Und ich war auf vieles gefasst.» Leser Theo Peterhans bringt auf den Punkt, was viele denken, die unserem Aufruf von gestern gefolgt sind. Von 118 ausgewerteten Beiträgen beurteilt der überwiegende Anteil die Arbeit des 45. US-Präsidenten negativ.

Im Grossen und Ganzen ähnelt sich der Tenor: Von Inkompetenz ist auffallend oft die Rede, von Unberechenbarkeit, aber auch von Richtungslosigkeit und mangelnder Konsequenz. Viele Leser und Leserinnen haben dies allerdings auch erwartet.

Hans Gerber:«Die ersten 100 Tage sind den Erwartungen entsprechend verlaufen: viele Lügen und Verschwörungstheorien, etliche Meinungs- und Kehrtwendungen, keine klare Marschrichtung in der Innen-/Aussenpolitik, eindeutige Klientelpolitik und Vetterliwirtschaft bzw. Förderung der eigenen Geschäfte – kein präsidiales, sondern wie gehabt lümmelhaftes Auftreten.»

Albert Obrist:«Am Anfang war er leidig unterhaltsam. Dann wurde er peinlich. Jetzt ist er gefährlich.»

Bruno Bättig:«Trump ist ein Helikopterpräsident. Krach machen, Staub aufwirbeln und verschwinden. Und das wird von den Lovern als historischer Fortschritt mit orgiastischem Beifall bejubelt.»

Trump ist ein Helikopterpräsident. Krach machen, Staub aufwirbeln und verschwinden.

Bruno Bättig

André Gerber:«Ich habe nichts anderes erwartet als das, wie es gekommen ist. Ein Rüpel besinnt sich nicht plötzlich eines Besseren. Ich gehe immer noch davon aus, dass er die vier Jahre nicht durchhalten kann.»

Urs Zanoni:«Eigentlich ist alles eingetroffen, was man befürchtet hat. Ein Mann, der nur an sich denkt, ein Narzisst und Egoist und diesem Amt in keiner Weise gewachsen. Er wird auch in Zukunft dieses Land in den Abgrund führen, aber diejenigen, die ihn gewählt haben, werden erst erwachen, wenn es zu spät sein wird. Sein Unwissen und die Selbstverliebtheit werden mit jeder Woche im Amt deutlicher.»

Matthias Neeracher:«Der unfähigste und korrupteste Präsident, den die USA je erlebt haben. Der einzige Lichtblick ist, dass die schiere Inkompetenz seiner Regierung die Umsetzung seiner Pläne so weit in Grenzen hält.»

Jürg Mettler:«100 Tage und kein bisschen weiser! Innenpolitisch hat er Versprechungen gemacht, die nicht haltbar sind, die Mauer zu Mexiko ist zu teuer, die Reform von Obamacare zu komplex und ein republikanischer Kongress, der nicht vollständig hinter ihm steht. Ohne Vision, Strategie und Dossier-Kenntnisse strampelt er sich durch den Politalltag. Wie lange hält er das durch? Und aussenpolitisch? Hilfloses Säbelrasseln. Von internationaler Diplomatie keine Ahnung. Also schickt man Ivanka.»

Beat Schenker:«Verstehe nicht, warum man überrascht ist; wer im Vor- und Wahlkampf richtig zugehört hat, konnte beim besten Willen nichts anderes erwarten. Von einem Präsidenten, der antritt mit dem Vorsatz, alles Positive, das man Obama zuschreiben könnte, schnellstmöglich vom Tisch zu wischen, kann man doch gar nichts anderes erwarten! Die Hoffnung ist, dass bei den Zwischenwahlen die Republikaner die Mehrheit im Senat und Parlament verlieren, wenn sie nicht rechtzeitig aufwachen und wieder zur Realpolitik zum Vorteil des Landes zurückkehren.»

Manche wähnten sich gut vorbereitet und sahen ihre schlimmsten Erwartungen noch übertroffen.

Eli Habegger:«Noch wirrer und unprofessioneller als erwartet – ein Vertreter des Finanz- und Waffen- und Spekulanten-Establishments, aber ohne jegliche wirtschaftliche Kompetenz. Ein Türöffner für erzkonservative Kreise und auch für Schwulen- und Ausländer- und Frauenhass. Global eine Lachnummer mit Aufplustern, Drohungen und Kanonenbootpolitik sowie dem ‹Mutter-aller-Bomben›-Nadelstich irgendwo in der afghanischen Provinz ohne jegliche Wirkung (mal nicht hin zu Sicherheit und Stabilität). Immerhin sieht die Welt nun, wohin Arroganz, Machtverliebtheit und Inkompetenz führen.»

Immer wieder kommt auch seine angebliche wirtschaftliche Kompetenz zur Sprache – und dass man davon nicht viel merke.

Die ersten 100 Tage waren ein komplettes Desaster.

Sandra Seeholzer

Sandra Seeholzer:«Ein hilfloser Fatzke, der sich sprachlich ausdrückt wie ein 12-jähriges Kind. Man bleibt gefangen zwischen völlig ungläubigem Staunen und Fremdschämen. Die ersten 100 Tage ein komplettes Desaster. Jeder in der freien Marktwirtschaft hätte mit einem solchen Auftreten, diesem Leistungsausweis und dem unglaublichen Verbrennen von Steuergeldern spätestens nach 90 Tagen die Kündigung erhalten.»

Andere vermuten, dass er aufgrund seines Reichtums nicht in der Lage sei, die Sorgen des «einfachen Mannes» zu verstehen.

Benno Stechlich:«Da mir immer klar war, dass dem versnobten Trump, der mit dem goldenen Löffel im Mund auf die Welt gekommen ist, der kleine Mann völlig egal ist und er auch keine Ahnung von dessen Sorgen hat, habe ich damit gerechnet, dass er Obamacare abschaffen will. Der Versuch dazu hat gezeigt, dass er keine Ahnung hat und dass seine Verhandlungstaktik mit Drohungen und Einschüchterungen nur funktioniert, solange er am längeren Hebel sitzt. Oder anders gesagt: Eigentlich hat der Mensch keine Ahnung, wie man verhandelt. Besonders schlimm empfinde ich die Abzockermentalität und die Intransparenz. Vor allem das gebrochene Versprechen, seine Steuererklärung offenzulegen ist für mich ein Beweis, dass der Mann nicht sauber ist.»

Einen Leser verfolgt Donald Trump sogar im Schlaf.

Serge Honegger:«Mir träumte mehrfach von Trump: Im ersten Traum besuchte ich ihn im Weissen Haus in Washington; ein sonniger Tag, Orangenbäume und weisse Schmetterlinge im Garten. Wir trafen uns im Wohnzimmer des Weissen Hauses und ich setzte mich zu ihm, weil er etwas einsam zu sein schien und ich Mitleid verspürte. Lange sprachen wir nicht, dann frage er mich: «What is your job?» – «I work for a theatre.» Er schwieg und nickte bloss. Später bei einer Sitzung mit seinem Team stellte er mich vor und sagte, dass ich jetzt für die «swing votes» zuständig sei. Eine Mitarbeiterin raunte mir zu, dass ich die Stelle nie erhalten werde, Trump habe das nur gesagt, um Unfrieden zu stiften. – Nichts weiss ich von Trump nach diesen 100 Tagen. Er spricht nicht mit mir. Aber ich sehe ihn überall, sogar im Schlaf.»

Wieder anderen kommt die Zeit seit der Amtsübernahme wie ein schlechter Traum vor.

Manuela Schmidhauser:«Die ersten 100 Tage sind für mich wie ein unrealistischer, schummriger Wachtraum, aus dem ich aber gerne endlich aufwachen würde.»

Ich sehe ihn überall, sogar im Schlaf.

Serge Honegger

Manche Leser versuchen, das Gute im Schlechten zu sehen.

Paul Levi:«Trump dient immerhin als abschreckendes Beispiel dafür, was passiert, wenn man unfähige Populisten an die Macht lässt. Ich denke, die Abwahl von Freysinger, die Präsidentenwahl in Österreich, die Wahlen in Holland und Frankreich wurden davon stark beeinflusst.»

Heine Dietiker:«Das Beste an Trump ist, dass er Widerstand weckt. Denn der Mensch lernt nur aus Katastrophen.»

Vereinzelt gibt es auch die Stimmen für Trump (die hier fast alle abgebildet sind) – die für rege Diskussion der Leser und Leserinnen untereinander führen.

Martin Schwizer:«Trump ist beweglich. Das haben seine ersten 100 Tage gezeigt. Er lässt auch ab von Dogmen, die sakrosankt schienen. Er vertraut seinem Stab und lässt sich eines Besseren belehren.»

Roland Peier:«Trump macht seine Sache sehr gut. Es zahlt sich aus, dass er erfolgreicher Unternehmer war. Die aus sich heraus gewachsenen Politiker sind eine eigene Kaste mit ihren Kompromisslis und Schönredereien. Nicht meine Welt, und die Resultate sind einfach zu dürftig.»

Oliver Brunner:«Ich bin positiv überrascht. Wie kaum ein anderer hat er gleich versucht, seine Wahlversprechen umzusetzen. Einiges wurde blockiert (das ist Demokratie). Aussenpolitisch hat er in Syrien, Nordkorea etc. klare Ansagen gemacht. Aber punkto leere Rhetorik um des Gefallens willen ist er weit hinter Obama, Merkel, Macron etc. zurück.»

Wie kaum ein anderer hat er gleich versucht, seine Wahlversprechen umzusetzen.

Oliver Brunner

Einige Leser und Leserinnen äussern sich im Zusammenhang mit Trump auch kritisch gegenüber den Medien.

Adrian Seliger:«In erster Linie habe ich die ersten 100 Tage Trumps als Offenbarung der Medien erlebt. Man weiss nun noch genauer, welche Medien Günstlingsmedien sind und welche wirklichen Journalismus bevorzugen. Von letzteren sind es erschreckend wenige.»

Gabi Bossert:«Ein gefundenes Fressen für Medien und Leute, die sich mit sachlicher Politik nicht gerne beschäftigen wollen, aber möglichst hohe Wellen als besonders spannend empfinden.»

Andrea Marti:«Die Berichte in den Medien sind zu einseitig und übertrieben – es gehört zum guten Ton, gegen Trump zu wettern.»

Richard Scholl:«Habe noch nie eine so lange anhaltende Schlammschlacht gegen einen demokratisch gewählten Staatspräsidenten erlebt! Undemokratisch Gewählte (China, Russland, Weissrussland, Nordkorea, Iran, usw.) werden aus unerfindlichen Gründen seit Trumps Antritt geschont.»

Wiederum andere flüchten sich in die Ironie.

Tomas Futaba:«Es war absolut great und wird noch viel greater werden. Eine neue, viel bessere Krankenversicherung für 100 Prozent der Amerikaner ist gesetzlich aufgegleist, die Infrastruktur ist im Planungsstadium sozusagen schon saniert, die Mauer wird gigantisch und sehr günstig, dabei von amerikanischer Seite praktisch ein Anziehungspunkt für Kunstbegeisterte. Fast niemand zahlt mehr in den USA Steuern. Das werde auch für die Schweiz steuerliche Vorteile haben. Die Weltsicherheitslage zeigt sich dabei auch schon viel angenehmer. Nordkorea soll bald schon freie Wahlen veranstalten. Der Nahostkonflikt wurde hinter den Kulissen von Schwiegersohn Kushner schweigend (!) gelöst. Ivanka soll von Merkel für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden sein. Bannon schreibt derweil seine Memoiren ‹Mi Lucha›.»

Martin Tscharner:«Hat er in diesen 100 Tagen etwas gemacht? Ausser warme Luft verbreitet, meine ich.»

Was auch immer man sich von Präsident Trump verspricht und erhofft – er hat noch 1364 Tage Zeit, seine Gegner zu überzeugen und seine Unterstützer zu befriedigen.

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