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Spass mit Super Mario – und eine Kamera auf Kopfhöhe

Seit 40 Jahren wagen sich Sportler am Super-10-Kampf freiwillig aufs Glatteis. Warum nur? Und weshalb fasziniert der Anlass das Publikum so?

Jubel im kleinen Beigen: Schwinger Christian Stucki beim Super-10-Kampf 2014.
Jubel im kleinen Beigen: Schwinger Christian Stucki beim Super-10-Kampf 2014.
Keystone

Sie legten einander schon als fette ­Sumoringer aufs Kreuz. Oder vollführten als Matrjoschkas einen Slalomlauf um künstliche Tannenbäumchen. Fuhren als Super Mario und Luigi in Gokarts um die Wette. Und versuchten sich auf dünner Schlittschuhkufe an Pirouetten.

Wenn im Spätherbst die Tage kürzer werden, wagen sich die besten Schweizer Sportler am Teamwettkampf Super-10-Kampf aufs Glatteis. Und das ganz und gar freiwillig. Es lädt ein die Schweizer Sporthilfe, und es geht um Einnahmen für Fördergelder – aber im Vordergrund steht die Gaudi. «Für einmal messen wir uns auf einem Terrain, das für keinen ­gewohnt ist», sagt Degenfechter Benjamin Steffen. Der Olympiavierte von Rio hatte vor vielen Jahren einmal einer Probe als Zuschauer beigewohnt, in diesem Jahr nun nimmt er zum ersten Mal aktiv teil. Der Basler sagt: «Ich freue mich auf diesen Kreuzvergleich mit Kollegen aus ganz anderen Sportarten.»

Der Super-10-Kampf ist ein Anachronismus in der auf Perfektion gebürsteten Welt des Sports. Ansonsten soll das Scheinwerferlicht so ungetrübt wie möglich sein, auf dem Feld genauso wie neuerdings in den sozialen Medien. Indem Sportler auf den verschiedensten Kanälen ihre eigenen News veröffentlichen, bestimmen sie das Narrativ und damit auch ihr Bild beim Publikum. Demgegenüber war die heftige Kollision von Simon Ammann mit einem Kamerakran im Jahr 2005 auf negative Weise identitätsstiftend. Ohnehin in einer sportlich schwierigen Phase, traf den damaligen Doppel-Olympiasieger die Häme mindestens so hart wie die Kamera.

Schneesportlern fehlt die Zeit

Lara Gut etwa sagt seit ihrem Kreuzbandriss im vergangenen Winter bei medialen Anfragen weitestgehend ab und verweist konsequent auf die sozialen Medien. Auf Facebook und Instagram sorgt sie für eigene Inhalte, enthüllt Breaking News und liefert laufend ­Bilder. Es ist ihr Versuch, die Deutungs­hoheit über ihre Karriere, ihr Leben zurückzugewinnen. Zufall oder nicht: Die Tessinerin hat am Super-10-Kampf noch nie teilgenommen.

Allerdings liegt der Anlass besonders für Schneesportler denkbar ungünstig: Die Alpinen sind am vergangenen ­Wochenende bereits in ihre Saison gestiegen, in anderen Disziplinen steht der Auftakt unmittelbar bevor. «In olympischen Saisons ist es nachvollziehbarerweise ­etwas schwieriger, aktive Wintersportler zu verpflichten», sagt Kathrin Jakob, Marketingleiterin der Sporthilfe.

Ein Doppelolympiasieger am Boden. Video: Youtube

Eines hat Jakob ausserdem zu sagen, um sich gegen das Klischee zu wehren, der Anlass sei ein reines Plauschturnierchen: «Es sind Sportler. Sie mögen Kostüme tragen, aber gewinnen wollen sie natürlich trotzdem immer.»

Erfunden hat die Sporthilfe den Zehnkampf 1977, die 40. Austragung findet allerdings erst im kommenden Jahr statt. Der Urner Skifahrer Walter Tresch war der erste Sieger. Damals noch vor ein paar Hundert Zuschauern in der Basler St.-Jakobs-Halle ausgetragen, fand der Super-10-Kampf ab 2001 sein dauerhaftes Heim im Hallenstadion in Zürich. 1986 durften erstmals Frauen starten.

Beim Publikum kommt der Schaukampf gut an. Fast jede Austragung fand vor ausverkaufter Kulisse im Hallenstadion statt, und auch die Quoten beim Schweizer Fernsehen SRF sind beachtlich. Knapp 600'000 Zuschauer haben ihn sich im vergangenen Jahr angesehen, der Marktanteil lag bei über 28 Prozent.

Besser als der «Tatort»

Die Zahlen sind vergleichbar mit den ähnlich auf Showelemente aufgebauten, inhaltlich aber klar relevanteren Sports Awards, die jeweils im Dezember verliehen werden. 2016 betrug deren Markt­anteil 30 Prozent. Ein durchschnittlicher «Tatort», wie bislang der Super-10-Kampf jeweils am Sonntagabend ausgestrahlt, verbucht 23 Prozent Anteile. «Der Mix aus Spass und Wettkampf macht die Faszination des Anlasses aus», glaubt Susan Schwaller, Bereichsleiterin «Live» bei SRF.

Ein Blick zurück: Der Super-10-Kampf im Jahr 2007. Video: Youtube

Ungewöhnlich für die heutige Zeit mit den nimmermüden neuen Medien wie Twitter oder Facebook ist auch, dass der Super-10-Kampf am TV nie live, sondern zeitversetzt und erst noch in einer Teilaufzeichnung gesendet wird, in diesem Jahr am Samstagabend (20.10 Uhr auf SRF 1). Der Grund dafür: Die Show sei von Grund auf für das Publikum in der Halle und nicht für eine TV-Übertragung konzipiert, erklärt SRF.

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