Arbeitgeber profitiert von meinem GA: Muss ich das hinnehmen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zu Ausgaben für den öffentlichen Verkehr.

Was kann ich vom Arbeitgeber für Fahrten mit dem Zug verlangen? Pendler an einer S-Bahn-Haltestelle. Foto: Keystone

Was kann ich vom Arbeitgeber für Fahrten mit dem Zug verlangen? Pendler an einer S-Bahn-Haltestelle. Foto: Keystone

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Seit 20 Jahren besitze ich ein GA 2. Klasse. Heute benötige ich es zwar nicht mehr für den Arbeitsweg, da ich im selben Ort wohne, wo ich arbeite. Aber weil wir in der Familie kein Auto besitzen, leiste ich mir den Luxus des GA weiterhin. Für meinen derzeitigen Arbeitgeber bin ich etwa zweimal pro Monat geschäftlich unterwegs. Die Firma zahlt mir jeweils den Klassenwechsel, da alle Mitarbeitenden in der 1. Klasse reisen dürfen. Die meisten meiner Arbeitskollegen besitzen lediglich ein Halbtax-Abo, ihnen vergütet die Firma die gesamten Reisekosten zum halben Tarif. Somit profitiert sie in meinem Fall von meinem privaten GA. Bislang konnte mir aber niemand sagen, ob das rechtens ist. Gibt es dazu eine klare Regelung?

Nein, die gibt es nicht. Es existieren auch keine entsprechenden Gerichtsurteile. Das heisst nun aber nicht, dass Sie das Vorgehen Ihres Betriebs hinnehmen müssen. Aus den vorhandenen Gesetzesbestimmungen lässt sich sehr wohl eine Antwort herleiten, die Ihnen und anderen Arbeitnehmenden, die sich in der gleichen Situation befinden, entgegenkommt.

Grundsätzlich verpflichtet das Gesetz die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Ihren Mitarbeitenden «alle durch die Ausführung der Arbeit notwendig entstehenden Auslagen» zu ersetzen. Nach dem Wortlaut dieser Bestimmung müsste Ihnen der Betrieb allerdings nur die Kosten erstatten, die Ihnen auch tatsächlich entstehen – will heissen, nur die Kosten für den Klassenwechsel. Für die Bahnfahrt selbst müssen Sie ja nicht extra bezahlen; die ist bereits durch Ihr GA gedeckt.

Würde man es dabei belassen, so käme es aber zu dem stossenden Resultat, dass Ihr Arbeitgeber von Ihren privat getätigten Auslagen profitiert. Das ist nicht im Sinn des Gesetzgebers. So weisen Arbeitsrechtsexperten in diesem Zusammenhang denn auch auf einen weiteren Gesetzesartikel hin. Darin heisst es, dass Mitarbeitende, die ihr Privatauto für Geschäftszwecke einsetzen, eine Entschädigung für Unterhalt und Abnützung zugut haben. Dies müsse analog auch für Arbeitnehmende gelten, die ihr privates GA für Geschäftsreisen verwenden. Demnach stünde Ihnen eine Entschädigung für die getätigten Auslagen zu.

Was Sie konkret verlangen können, ist, wie erwähnt, nirgends festgehalten. Eine einfache und praktikable Lösung wäre, dass Ihnen der Arbeitgeber den Halbtaxtarif für die Geschäftsreisen vergütet. Man könnte nun einwenden, dass auch das Halbtax-Abo erst einmal bezahlt sein muss. Das Halbtax-Abo sei aber längst zum Allgemeingut geworden, weshalb der Arbeitgeber dieses voraussetzen dürfe, sagen Arbeitsrechtler.

Die vorgeschlagene Lösung brächte Ihnen im Vergleich zur derzeitigen Regelung in Ihrem Betrieb eine klare Verbesserung und hätte zudem den Vorteil, dass Sie gleich behandelt würden wie Ihre Kolleginnen und Kollegen.


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Erstellt: 21.08.2017, 11:34 Uhr

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