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Wie sag ich es meiner Chefin?

Die Antwort auf eine Stilfrage zum Umgang mit moralinsauren Standpauken.

Mit erhobenen Zeigefingern lässt sich nicht gut streiten. Foto: Keystone
Mit erhobenen Zeigefingern lässt sich nicht gut streiten. Foto: Keystone

Meine Chefin ist der verkniffen-humorlose Typ, besonders unangenehm ist ihr ökologischer Fanatismus. Sie ist noch nie geflogen und wird nicht müde, über Leute zu wettern, die per Flugzeug reisen. Klar: Sie hat die Fakten auf ihrer Seite. Allerdings lebe ich mit meiner Familie sehr umweltbewusst – mal abgesehen von einer Flugreise im Jahr – und habe absolut keine Lust, mir moralinsaure Standpauken anzuhören. Ich bin Vegetarierin, meine Chefin isst genüsslich Fleisch; trotzdem käme es mir nie in den Sinn, sie deswegen anzupflaumen. Ich finde, leben und leben lassen. Nur: Wie macht man das einer solchen Person klar? S. V.

Liebe Frau V.Oh, nein. Ooooh, nein. Sie armer, armer Hagel. Ich fühle mit Ihnen, aber so was von kolossal und aus ganzem Herzen fühle ich mit Ihnen. Dass der umweltbewusste Mitmensch auch immer so zur Humorlosigkeit neigen muss! Er ist ob der ökologischen Misere derart empört, dass seine Unterlippe chronisch bebt und er für alle anderen diesen vorwurfsvollen Ihr-seid-alle-schuld-daran-dass-die-Bachforelle-ausstirbt-Blick parat hat.

Das alles führt nicht dazu, dass man seinen berechtigten Anliegen aufgeschlossener gegenüberstünde, man verhärtet sich vielmehr so innerlich und macht steife Knie, weil einem das Fräulein-Rottenmeierige auf die Nerven geht. Abgesehen davon ist dieses Missionarische anmassend und, um einen total modernen Begriff zu verwenden: übergriffig. Jetzt sind Sie als Subalterne natürlich in einem blöden Rank, Sie riskieren Lämpen, wenn Sie dieser Ihrer Chefin das so mitteilen. Aber ich sage: Tun Sie es trotzdem. Der Umwelt zuliebe.

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