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Wissenschaft oder Hokuspokus

Trauen Sie den Umfragen? Glauben Sie, dass die Befragten die Wahrheit sagen? Auch dies ist eine Umfrage. Bitte sagen Sie uns Ihre Meinung.

Wahltag ist Zahltag: Toni Brunner und Fulvio Pelli, damals Präsidenten von SVP und FDP, schauen zu den Resultaten der Hochrechnung während der eidgenössischen Wahlen 2011.
Wahltag ist Zahltag: Toni Brunner und Fulvio Pelli, damals Präsidenten von SVP und FDP, schauen zu den Resultaten der Hochrechnung während der eidgenössischen Wahlen 2011.
Keystone

Die berühmteste Aussage stammt von Helmut Kohl. Er sagte im Kampf um seine Wiederwahl 1998: «Die anderen gewinnen die Umfragen, wir gewinnen die Wahlen.» Es kam anders. Auch sein Nachfolger Gerhard Schröder kam immer wieder auf das Bonmot zurück. Wenn er Umfragen kommentieren sollte, pflegte er zu sagen, er wolle nicht die Umfragen gewinnen, sondern die Wahlen.

Die politische Meinungsforschung hat in den letzten Jahrzehnten einen beispiellosen Aufschwung erlebt. In der Nachkriegszeit bekam die Öffentlichkeit noch wenig davon mit, die Politforscher betrieben ihr Handwerk für sich und die Wissenschaft. In den Achtzigerjahren begannen sich die Medien dafür zu interessieren und mit ihnen ein breites Publikum. Forscher drängten an die Öffentlichkeit.

In der Schweiz war Claude Longchamp, der sich nun mit 60 Jahren pensionieren lässt, einer der Ersten. Ein rundes Vierteljahrhundert lang beherrschte er den Markt der angewandten Politforschung, bevor er um die Jahrtausendwende Konkurrenz bekam. Andere, Jüngere, einstige Schüler von ihm drängten auf den Markt. Sie brachten neue Methoden mit – teilweise wissenschaftlich gestützte, teilweise umstrittene.

Schlagzeilenfutter

Mittlerweile sind Umfragen ein fester Bestandteil der medialen Berichterstattung rund um Wahlen und Abstimmungen geworden. Umso heftiger fällt die Kritik aus, wenn die Resultate an der Urne nicht mit den zuvor ermittelten Umfragewerten übereinstimmen. Ganz laute Kritik gab es erstmals 2009, als die Minarettinitiative deutlich angenommen wurde, was Politforscher Claude Longchamp zuvor ausgeschlossen hatte. Seither werden kleinere und grössere Abweichungen von verschiedenen Anbietern immer wieder kritisiert.

Medien machen aus Umfrageresultaten oft grosse Geschichten, kommentieren die Werte und lassen sie von verschiedenen Akteuren interpretieren. Doch wenn die Resultate an der Urne schliesslich abweichen, reagieren dieselben Medien gnadenlos: Was ist schiefgelaufen? Was taugen die Umfragen? Basieren sie auf Wissenschaft oder Hokuspokus?

Auch dies ist eine Umfrage. Bitte sagen Sie uns Ihre Meinung. Gerne auch mittels Kommentarfunktion.

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