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Streit um offene Skigebiete Frankreich droht Skitouristen in der Schweiz mit Quarantäne

Franzosen, welche zum Skifahren in die Schweiz kommen, sollen nach der Rückkehr in ihre Heimat für sieben Tage in Isolation. Auch in Italien steht eine Quarantäne-Pflicht für Reiserückkehrer zur Diskussion.

Frankreich will seine Bürger vom Skiurlaub in der Schweiz abhalten: Menschen mit Schutzmasken in der Parsenn-Bahn in Davos.
Frankreich will seine Bürger vom Skiurlaub in der Schweiz abhalten: Menschen mit Schutzmasken in der Parsenn-Bahn in Davos.
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Die französische Regierung will ihre Bürgerinnen und Bürger nach Skiferien im Ausland für sieben Tage in die Isolation schicken. Dazu würden Kontrollen an den Grenzen zur Schweiz und zu Spanien eingerichtet. Das bekräftigte Premierminister Jean Castex am Mittwoch.

Die Massnahme soll verhindern, dass sich die Franzosen in den geöffneten Wintersportorten des benachbarten Auslands mit dem Coronavirus Infizieren. Die Präfekten der Grenz-Departemente könnten die Isolation für Heimkehrer aus der Schweiz und Spanien verordnen, sagte der Premier.

Die Schlussfolgerung daraus sei, dass man nicht zum Skifahren nach Spanien oder in die Schweiz fahre, erklärte er weiter. Die Quarantäne werde verordnet, sollten die Schweiz und Spanien ihr Wintersportdestinationen nicht wie Frankreich bis im Januar schliessen.

Die Anordnung der Isolation liege in der Kompetenz der Präfekten. Grenzgängerinnen und Grenzgänger würden davon nicht betroffen, präzisierte Castex.

Macron will Mitbürger schützen

Staatspräsident Emmanuel Macron hatte am Dienstag angekündigt, er werde Massnahmen ergreifen, um die Bürger über die Weihnachts- und Neujahrstage an Skiferien im Ausland und namentlich in der Schweiz zu hindern.

Es wäre ihm lieber gewesen, wenn es eine gesamteuropäische Lösung für die Wintersportorte gegeben hätte. Frankreich, Italien und Deutschland hätten sich für eine Schliessung ausgesprochen, die Schweiz und Spanien nicht, hielt Macron fest.

Das sei das gute Recht der beiden Länder. Er werde seine Mitbürgerinnen und Mitbürger aber davor schützen, sich im Ausland anzustecken. Letztlich gelte es, auch eine Gleichbehandlung mit den geschlossenen französischen Winterdestinationen sicherzustellen, sagte Macron.

Österreich will auch nicht schliessen

Zuvor hatte der italienische Gesundheitsrats-Präsident Franco Locatelli die Entscheidung der Schweiz, die Skigebiete offen zu halten, enttäuschend genannt (Wer ist schuld an der verdorbenen Skisaison? Lesen Sie den Kommentar des Tamedia-Chefredaktors Arthur Rutishauser zu den geplanten Beschränkungen im Schweizer Wintertourismus). Er und andere Wissenschaftler beraten das Gesundheitsministerium und erstellen die Corona-Lageberichte.

Locatelli sagte der Zeitung «La Stampa», er hoffe auf geschlossene Skigebiete bis Ende Jahr. Ansonsten fordere er eine Quarantäne für Reiserückkehrer aus dem Ausland.

Seit Tagen streiten die Alpenländer in Europa über eine Schliessung der Wintersportbetriebe, um einer erneuten Ausbreitung des Coronavirus etwa durch Touristen vorzubeugen. Während sich Deutschland, Frankreich und Italien für eine Öffnung erst nach Neujahr stark machen, wollen die Schweiz und auch Österreich ihre Skigebiete gar nicht schliessen.

SDA

130 Kommentare
    Andreas Bollner

    Es sind ja die zurückkehrenden Franzosen, welche in Quarantäne müssen. Kaum der Rede wert. Erstaunlich ist indes die Tatsache, dass die französischen Lohnbezüger in Schweizer Hochlohnfirmen à discrétion hin und her reisen dürfen... Geld rechtfertigt die französische Inkonsequenz!