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Kolumne von Tamara FunicielloFrauen – ein Detail

Dass bei der Vorlage «Ehe für alle» ausgerechnet jener Teil gestrichen wurde, der Frauenpaare rechtlich abgesichert hätte, ist kein Zufall: Politische Entscheide orientieren sich meist an den Bedürfnissen des Mannes.

Die Tatsache, dass die Herren Ständeräte sich diese Lebensentwürfe nicht vorstellen können, macht ihre Existenz nicht weniger real: 
Ein lesbisches Paar spielt mit seinen zwei Kindern in Zürich (8. Juni 2019).
Die Tatsache, dass die Herren Ständeräte sich diese Lebensentwürfe nicht vorstellen können, macht ihre Existenz nicht weniger real:
Ein lesbisches Paar spielt mit seinen zwei Kindern in Zürich (8. Juni 2019).
Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Der Jubel war gross. Am Dienstag nahm der Ständerat endlich die nächste Hürde in Richtung Ehe für alle. Was im allgemeinen Freudentaumel jedoch unterging: Der Ständerat strich einen Teil aus der Vorlage, der für Frauenpaare von existenzieller Bedeutung ist. Jener Ständerat, in dem übrigens 75 Prozent Männer und keine einzige (offen) frauenliebende Frau sitzt.

Um was geht es? Wenn ein heterosexuelles Ehepaar auf sogenannt natürlichem Weg kein Kind bekommen kann, wird in vielen Fällen auf eine Samenspende zurückgegriffen. Der Vater des Kindes ist automatisch der Ehemann, und zwar nicht nur sozial (weil er Windeln wechselt und Gute-Nacht-Lieder singt), sondern auch rechtlich. Der Ständerat sieht zwar ein, dass zu einer gleichberechtigten Ehe für alle auch der Zugang zur Samenspende gehört, aber er will im Gegensatz zum Nationalrat nur die medizinisch begleitete Samenspende im Inland regeln.

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